Bützberg
Der Umzug in den Kanton Nidwalden bringt 288 000 Franken im Jahr

Jedermann kann im Steuerregister der Gemeinde einsehen, was Erich Trösch, Unternehmer und Chef der Glas Trösch Euroglas Holding, 2008 versteuerte - und ob sich ein Umzug in den Kanton Nidwalden für ihn lohnt.

jürg rettenmund
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Erich Trösch in der neuen Halle von Glas Trösch in Bützberg anlässlich der Eröffnung 2008. oliver menge

Erich Trösch in der neuen Halle von Glas Trösch in Bützberg anlässlich der Eröffnung 2008. oliver menge

Solothurner Zeitung

Den «stillen Glaser» nannte das Wirtschaftsmagazin «Bilanz» Erich Trösch im September 2009, als er mit seiner Glas Trösch Euroglas Holding eine gigantische Glasfabrik bei Lodz in Polen aufzog. In den letzten Tagen wurde Trösch für einmal laut, als er seinen Umzug von Bützberg in den Kanton Nidwalden in den Medien bestätigte und dies mit der sturen Haltung des Kantons Bern gegenüber seinen steuerlichen Anliegen als Unternehmer begründete.

Leise blieb Trösch jedoch nach wie vor, wenn es um konkrete Zahlen ging. Doch da hat er die Rechnung ohne die Öffentlichkeit der bernischen Steuerregister gemacht. Gegen eine Gebühr von zehn Franken erhält jedermann, also nicht nur der Mitarbeiter von Medien, den Steuerausweis von Erich Trösch in Thunstetten – jedenfalls die letzte definitive Veranlagung aus dem Jahr 2008.

Vor allem Grundbesitz

Fast nichts findet man in diesen Zahlen von den 300 bis 400 Millionen Franken, auf welche die «Bilanz» das Vermögen von Erich Trösch schätzt. Mehr als die Hälfte des ausgewiesenen Vermögens von 3,33 Millionen Franken entfällt auf amtliche Werte von Grundstücken in der Gemeinde Thunstetten.

Mit diesen Zahlen kann man sich nun ans Rechnen machen. Auf der Homepage CheckCheck.ch lässt sich im Internet für jede Gemeinde der Schweiz die Steuerbelastung berechnen. Demnach hätte Erich Trösch mit einem Umzug 2008 rund 288000 Franken gespart. Um zu vermeiden, dass Vermögen durch die Steuerlast aufgezehrt werden, schuf der Kanton Bern eine so genannte Vermögenssteuerbremse. Warum diese im Fall von Erich Trösch nicht wirkt, lässt sich nun ebenfalls nachvollziehen: Wo (vergleichsweise) wenig Vermögen ist, lässt sich auch nichts bremsen.

Im Zusammenhang mit seinem Umzug legt Erich Trösch Wert auf die Feststellung, er sei kein Steueroptimierer und habe nicht die günstigste Gemeinde zu seinem neuen Wohnsitz gewählt. Auch das lässt sich auf CheckCheck.ch nachprüfen, gibt es doch auf dieser Internetseite («Mein Finanz Click» – «Möchten Sie möglichst wenig Steuern bezahlen?») zudem den Service, neben der Steuerbelastung am Wohnort auch jene in der günstigsten Gemeinde im eigenen Kanton und in der Schweiz zu ermitteln.

Das Resultat: Auch im Kanton Nidwalden fände Trösch tatsächlich eine günstigere Gemeinde. Noch mehr würde er im Schwyzer Steuerparadies Wollerau sparen. Den entscheidenden Sprung macht Trösch jedoch mit dem Wegzug aus dem Kanton Bern. Im Kanton Bern befindet sich denn auch das absolute Schlusslicht punkto Steuerbelastung: Malleray.

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