Langenthal
Der Tennis-Club zieht aus Langenthal weg

Der Langenthaler Stapi Thomas Rufener unternahme alles, um dne Tennis-Club in Langenthal zu halten. Vergeblich: Die ausserordentliche Hauptversammlung beschliesst Bau der Anlage in Lotzwil und damit den Wegzug.

Urs Byland
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Wiesenstrasse

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Solothurner Zeitung

Die Telefone zwischen dem Stadtpräsidenten Thomas Rufener und dem Präsidenten des Tennisclubs Langenthal (TCL) müssen in den letzten Tagen heiss gelaufen sein. Nicht weniger als der Auszug des Tennisclubs stand auf dem Spiel. Das Seilziehen zwischen Rufener und TCL-Präsident Hanspeter Stucker verlief am Ende zuungunsten vom Stapi ab.

Rufener wusste also gestern Abend, als er vor die 40 anwesenden Mitglieder des Tennisclubs trat, um nochmals für die Langenthaler Lösung zu reden, dass er auf verlorenem Posten stehen würde. Er wies nochmals darauf hin, dass der vorgesehene Standort der einzige verfügbare sei. Dass alle gewusst hätten, worauf sie sich einliessen, dass im Untergrund Altlasten schlummern, dass in der Zone für öffentliche Nutzung gebaut werden soll und dass mit Einsprachen von Anwohnern gerechnet werden musste. «Wir stecken in einem laufenden Verfahren. Unser Angebot ist nach wie vor gültig und mir täte es grundsätzlich leid, wenn die Anlage in Langenthal nicht gebaut werden könnte.» Der Gemeinderat sei nach wie vor der Meinung, dass die rechtlichen Voraussetzungen für den Bau ausreichen würden.

Ende nicht absehbar

Rufener wusste aber, dass der Vorstand des Tennisclubs bereits einen Auszug aus Langenthal anstrebte. Mitglied Erich Giesser erläuterte den Anwesenden die baurechtliche Situation. Da war von Einsprachen und Verwahrungen die Rede, von Fachberichten, die der Regierungsstatthalter bei verschiedenen Ämtern einholen liess und die zu weiteren Einschränkungen für den Betrieb der Tennisanlage führen könnten. Alles in allem sei mit bis zu vier Jahren Verzögerung zu rechnen.

«Es lohnt sich nicht, für einen solchen ‹Ghüderhaufen› derart grossen Aufwand zu betreiben», lautete die Bilanz von Präsident Stucker. Während für Langenthal einzig der Standort Langenthal sowie der niedrige Baurechtszins sprechen würden, könne er diverse Gründe aufzählen, die gegen Langenthal sprechen würden. Dazu gehören Mehrkosten für den Bau von 300000 Franken, das Risiko wegen des Untergrundes, das der Tennisclub tragen müsste, die vorgeschriebene öffentliche Nutzung als «Muss», die schlechte Ausrichtung der Aussenplätze, null Landreserve, die Abneigung eines Teils der Anwohner gegen das Bauvorhaben und die absehbare lange, juristische Auseinandersetzung. Der Vorstand würde inzwischen unisono auch bei einer Baubewilligung nicht mehr in Langenthal bauen wollen. Stucker sagte aber auch, dass von Verwaltung und Behörden Langenthals die Unterstützung des Vorhabens immer sehr gross gewesen sei.

Aber eben: Der Club hatte seine alte Anlage verkauft. Eine Neue in Langenthal steht in weiter Ferne. Aber die Mitglieder wollen spielen und nicht sich in Geduld üben müssen wegen jahrelanger juristischer Auseinandersetzungen. Die Alternative in Lotzwil hat beinahe nur Vorteile. Auch dort steht der Gemeinderat hinter dem Vorhaben. Und obwohl das Volk einer Baureglementsänderung zustimmen muss, glaubt der Präsident, selber in Lotzwil wohnend, dass im nächsten Sommer gebaut werden könnte. Die Mitglieder stimmten ihm bei einer Enthaltung alle zu, obwohl in der Diskussion klar spürbar wurde, dass der Abschied aus Langenthal kein einfacher sein wird. «Ich verstehe nicht, warum ein Club, der so viel Positives will, nicht erwünscht ist», brachte ein Mitglied die Stimmung auf den Punkt.