Lotzwil
Der Schulweg soll direkt nach Hause führen

Die Schule Lotzwil ruft die Eltern auf, zu kontrollieren, dass ihre Kinder auf dem Schulweg nicht herumhängen. Zuvor kam es immer wieder zu Problemen mit Alkohol, Drogen und Vandalimus.

jürg rettenmund
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So menschenleer wie gestern um 13.55 Uhr ist der Bahnhof von Lotzwil nicht immer. (Fotos: Irmgard Bayard)

So menschenleer wie gestern um 13.55 Uhr ist der Bahnhof von Lotzwil nicht immer. (Fotos: Irmgard Bayard)

Solothurner Zeitung

Dass sich beim Bahnhof Lotzwil Jugendliche treffen, fällt nicht nur den Zugpassagieren auf. Vandalismus und Schmierereien seien die Folge davon, dass dort Tabak, Alkohol und andere Drogen konsumiert würden, schreibt die Lehrerschaft der Volksschule in einem offenen Brief an die Eltern ihrer Schülerinnen und Schüler. Die Mitarbeiter der Post beklagten sich auch schon darüber, dass an ihre Einrichtungen uriniert wurde.

Im letzten August konnte die Kantonspolizei zudem fünf Jugendliche ermitteln, die im Monat zuvor den Velounterstand mit faustgrossen Steinen beworfen und damit die Plexiglasverkleidung beschädigt hatten. Der Schaden betrug mehrere Tausend Franken. Die Jugendlichen mussten sich vor der Jugendstaatsanwaltschaft Emmental-Oberaargau verantworten. Gemäss der zuständigen Jugendanwältin Ursula Ulli ist das Verfahren inzwischen abgeschlossen. Die fünf haben den Schaden selbst geregelt.

Probleme hielten sich in Grenzen

Die Schule sei von dieser Entwicklung bisher wenig berührt worden, erklärt Schulleiter Urs Bürki. «Wir hatten zwar nicht null Probleme, aber sie hielten sich in Grenzen.» Auf dem Schulareal und in den Lagern habe das Rauch- und Alkoholverbot ohne weiteres durchgesetzt werden können.

In letzter Zeit ist Bürgi allerdings aufgefallen, dass sich Schülerinnen und Schüler nach der Schule direkt beim Bahnhof, aber auch beim benachbarten Silo der Mühle Aeschlimann sowie auf den Sportplätzen versammelten. Zudem werde dort vermehrt Alkohol konsumiert.

Es gehe allerdings im Moment nur um wenige Kinder, will Bürki die Entwicklung nicht dramatisieren. Zudem sei es nicht so, dass Schüler am Morgen darauf mit einem Kater im Unterricht erscheinen. Er habe aber selbst Schüler beim Herumlungern am Bahnhof beobachtet, zudem seien ihm von Anwohnern und Liegenschaftsbesitzern entsprechende Beobachtungen zugetragen worden. «Das ist ein Vorteil unseres Dorfes: Wir sehen noch selbst, wenn etwas passiert und fallen nicht erst aus allen Wolken, wenn die Polizei vorbeikommt.» Von Vorteil sei dabei zudem, dass er als Schulleiter selbst im Dorf wohne.

Gleichzeitig gelte es aber, rechtzeitig zu reagieren und nicht zu warten, bis sich eine Eigendynamik entwickle. Denn das könne schnell geschehen, wenn sich einmal ein Gruppendruck aufbaue.

Kinder gehören zum Dorf

Bürki legt Wert darauf, dass die Schulkinder im Dorf alles andere als unerwünscht seien. In der Schule sei die Lehrerschaft stets bemüht, den Schülern einen strukturierten Schulalltag zu gewähren. Die Schüler seien auch in einem Alter, in dem sie ihre Freiheiten brauchten. Doch brauche es dazu klare Regeln und Grenzen. Dies gelte auch in der Freizeit im Dorf, und dort seien die Eltern für ihre Kinder verantwortlich.

Bürki stellt jedoch zunehmend fest, dass Eltern ihre Kinder in deren Freizeit nicht mehr kontrollierten. Es komme auch vor, dass am Morgen, wenn der Wecker schelle, bereits keine Eltern mehr zugegen seien und die Kinder sich selbst organisieren müssten. Gerade in solchen Familien brauche es aber klare Regeln und auch eine Kontrolle, dass diese eingehalten werden.

Der offene Brief ist in der aktuellen Schulzeitung abgedruckt und auch auf der Homepage www.schu- lelotzwil.ch aufgeschaltet. Er ist jedoch nur ein erster Schritt der Schule. Aufs neue Schuljahr hin wird sie den Flyer «Ausgang Umgang Grenzgang» der Jugend-, Eltern- und Suchtberatung JBO des Contact Netz verteilen. Das bunte Faltblatt bietet den Eltern von Kindern und Jugendlichen eine Orientierungshilfe.

Empfehlen kann Urs Bürgi auch den Leitfaden für Eltern und Kinder, den die Stadt Langenthal vor knapp einem Jahr herausgegeben hat. Dieser ist in verschiedenen Sprachen erhältlich und kann von der Homepage www.langenthal.ch heruntergeladen werden.

Sprayereien nach Korbball-Night

Die Szene rund um den Bahnhof ist auch den Gemeindebehörden nicht entgangen. Vor allem nach der letzten Korbball-Night des Turnvereins Ende März hätten sich die Reklamationen wegen Sprayereien gehäuft, erklärt Gemeindepräsident Beat Luder (SVP).

Der Gemeinderat habe danach die Kantonspolizei informiert und sie angehalten, der Umgebung des Bahnhofs ein spezielles Augenmerk zu schenken. Den Elternbrief der Schule begrüsst Gemeindepräsident Luder. Auch er ruft in erster Linie die Eltern dazu auf, ihre Verantwortung gegenüber ihren Kindern wahrzunehmen.

Der Gemeinderat hat jedoch in Sachen Jugendarbeit nicht erst kürzlich gehandelt: Er beschloss bereits Ende 2009, sich der regionalen Jugendarbeit ToKJO anzuschliessen.

Seit Anfang Jahr ist dort Valerio Moser für Lotzwil zuständig (az Langenthaler Tagblatt berichtete). Er sei erst daran, den Kontakt zur Lotzwiler Jugend zu suchen, erklärt dieser. Die neuralgischen Stellen seien ihm bekannt. Einbezogen wird Lotzwil auch in die Tour der mobilen Streetsoccer-Anlage von ToKJO: Sie gastiert im September in der Schulanlage Kirchenfeld (siehe Text unter dem Bild).