Handwerk
Der Scherenschleifer von Langenthal

Der Langenthaler Beat Jordi bietet seit Jahren den mobilen Schleifservice an und kämpft um seinen Ruf - weil Konkurrenten sich mit seinem Namen schmücken.

Fabienne Wüthrich
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Schleifer Beat Jordi hat Ärger mit Trittbrettfahrern. hans mathys

Schleifer Beat Jordi hat Ärger mit Trittbrettfahrern. hans mathys

Solothurner Zeitung

Beat Jordi ist in und um Langenthal bekannt. Der Wagen – oder anders gesagt die mobile Schleiferei – hat einen grossen Wiedererkennungswert. Zurzeit steht er in der Marktgasse. Alle paar Minuten kommen Leute, um ihm Scheren, Messer und viele andere Waren zu bringen. In seinem Wagen bearbeitet er die Utensilien an diversen Schleifmaschinen. Er poliert auch Silber oder Tafelmesser.

Der Langenthaler Jordi bedient etwa 50 Gemeinden gut 30 Kilometer um Langenthal. Von Koppigen bis Bützberg über Wangen a/A. Die meisten Leute wissen das aber ohnehin. Was sie teilweise nicht wissen: Immer wieder geben sich Trittbrettfahrer in seinem Namen aus «und schädigen damit meinen Ruf», sagt Jordi. «Fahrende sind in Gemeinden unterwegs, die ich bediene. Sie klingeln an der Haustür und geben an, in meinem Namen Sachen abzuholen.» Doch: Jordi hat keine Mitarbeitenden. Er ist selbstständig tätig und geht auch nie von Haustür zu Haustür, um Messer und Scheren abzuholen. «Ich bin immer in meinem Wagen», sagt er. «Die Kundschaft kommt zu mir.» Ausnahmen bilden Institutionen wie Altersheime, Spitäler oder Restaurants. Dort holt er die Waren teilweise ab.

Fahrende liefern schlechte Qualität

Dass sich die Leute in seinem Namen ausgeben würden, sei die eine Sache. Aber: «Die Fahrenden liefern schlechte Qualität ab.» Die Messer und Scheren seien schlecht geschliffen – und das Angebot viel teurer als bei ihm. Die Kundschaft sei enttäuscht über die geleistete Arbeit. «Sie nehmen an, die Fahrenden kommen in meinem Auftrag.» Die Reklamationen kommen schliesslich zu Jordi. So hat der Langenthaler herausgefunden, dass manche Leute in seinem Namen arbeiten. Er selber hat nun angefangen, Werbung zu machen. In seinen Inseraten schreibt er explizit, er gehe nicht von Haustür zu Haustür. Jordi mag sich über die Nachahmer jedoch nicht ärgern. «Warum auch?», fragt er. «Es hat auch etwas Gutes: Mein Ruf eilt mir voraus.» Mittlerweile habe sich das mit den Trittbrettfahrern herumgesprochen, sodass diese manche Gemeinden gar nicht mehr aufsuchten.

Krude Umgangsformen

Jordi arbeitet für die Bolleter Schleifservice-Gruppe und ist Franchise-Nehmer. Er sagt, andere Schleifer seien ebenfalls davon betroffen. Das bestätigt Andreas Bolleter. Er baute die Gruppe auf. Sie besteht momentan aus acht selbstständigen Schleifern.» Die Fahrenden sind ebenfalls im Bündnerland, der Zentral- und Ostschweiz in unserem Namen unterwegs», sagt er. Teilweise würden sie den Leuten erzählen, sie seien die Nachfolger der vorherigen Schleifer oder das diese verstorben seien. Die Trittbrettfahrer seien ein oder zwei Tage vor ihnen in den Gemeinden und würden den Service anbieten. «Die Kundschaft kommt dann zu uns: Ihr habt die Ware jahrelang gut geschliffen, warum liefert Ihr nun schlechte Qualität ab?» Die Leute von Bolleter klären sie dann auf. «Ich bin nicht verärgert», sagt er. «Die Kundschaft wird einmal über den Tisch gezogen und weiss es danach.» Sie hätten einen Ausweis für fahrendes Gewerbe und den sollte die Kundschaft verlangen. Bolleter betont: «Wir möchten die Fahrenden keineswegs in einen Topf werfen.» Sie seien auch auf Geld angewiesen. «Nicht alle Fahrenden liefern schlechte Qualität ab. Es gibt etliche, die seriös arbeiten.»

Thomas Gübeli ist ebenfalls Franchise-Nehmer und unter anderem zuständig für die Kantone Glarus, Schwyz und Zürich. Er sagt: «Bei mir kamen die Fahrenden sogar einmal vorbei.» Sie hätten ihn nach seinen Preisen ausgefragt und ihm anschliessend erklärt, sein Angebot sei viel zu billig. «Die Fahrenden gaben sogar zu, dass sie sich als Mitarbeitende von Bolleter ausgeben.» Das sei nicht fair und schade für die Menschen, die darauf reinfielen. Denn: «Die Fahrenden sind teurer als wir und liefern teilweise wirklich schlechte Qualität ab.» Er habe Messer gesehen, die nach dem angeblichen Schleifen noch rau waren. Er selber war ebenfalls schon mit Reklamationen konfrontiert. Er musste aber schliesslich dem Kunden sagen, dass nicht er die Arbeit durchgeführt habe. Mittlerweile gebe er ebenfalls Inserate auf, um auf dieses Problem aufmerksam zu machen.

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