Oberaargau
Der Oberaargau soll Emotionen wecken

Die Suche nach einer Identität für den Oberaargau ist zwar noch nicht beendet, aber auf gutem Weg. Um dem Verwaltungskreis eine – notwendige – eigene Identität zu verpassen, helfen viele bekannte Personen aus der ganzen Region mit.

Ralph Möll
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Hans Baumberger erlätert die aktuelle Version des neuen Oberaargauer Wappens

Hans Baumberger erlätert die aktuelle Version des neuen Oberaargauer Wappens

Solothurner Zeitung

Der Oberaargau ist auf der Suche nach einer Identität sozusagen bei Halbzeit angekommen. Gestern Freitag präsentierten die Verantwortlichen den Stand der Dinge. Dabei musste konstatiert werden, dass zwar schon viel gearbeitet worden ist, dass aber auch noch sehr viel Arbeit auf alle Beteiligten wartet.

Um dem Verwaltungskreis Oberaargau eine – notwendige – eigene Identität zu verpassen, helfen viele bekannte Personen aus der ganzen Region mit. Neben Regierungsstatthalter Martin Sommer, der dem Projektteam für die Präsentation der bisherigen Ergebnisse im Schloss Wangen Gastrecht gewährte, ist auch Stefan Costa, Geschäftsführer der Region Oberaargau, stark engagiert. Die angedachte Nachfolgeorganisation der Region Oberaargau, die Regionalkonferenz, wäre denn auch die primäre Nutzniesserin der bisherigen Anstrengungen zur Gestaltung einer «Corporate Identity» für den Oberaargau. «Selbstverständlich dürfen Gemeinden diese Marke ebenfalls auf ihrem offiziellen Material übernehmen.»

Niemand weiss von «savoir vivre»

Hauptsächlich geht es dabei um die Verwendung des Logos und der Marke. Auch in anderen Kantonen und Regionen wurden viel Zeit und Mühe in solche Identitäten investiert, nur benutzen tun sie die wenigsten. So wurde beispielsweise in der Region Solothurn vor einigen Jahren versucht, eine regionale Vermarktungsmarke Espace Solothurn «savoir vivre» einzuführen. Der Brand existiert zwar, aber kaum eine Gemeinde setzt ihn ein.

Damit der Identität Oberaargau nicht das gleiche Schicksal droht, haben die Verantwortlichen bei ihrer Annäherung einen weitaus breiteren Bogen gespannt. «Das Projekt einer solchen gemeinsamen Identität soll nicht nur den Kopf, sondern vor allem den Bauch ansprechen», erklärte Stefan Costa. Emotionen sollen geweckt werden, sei es mit Musik, mit Sprache oder mit gemeinsamen Symbolen (vgl. untenstehende Kästchen). In drei Arbeitsgruppen haben sich ausgewiesene Fachkräfte aus der Region mit diesen drei Themenbereichen befasst.

Der Langenthaler Hans Baumberger, Leiter der Arbeitsgruppe Wappen/Logo, weiss um die schwierige Aufgabe: «Es bestand immer eine Rivalität zwischen den Ämtern Wangen und Aarwangen. Und aus dem nördlichen Amt Trachselwald waren auch kritische Stimmen zu hören.» Und nun gehörten diese Menschen zusammen. «Wappen waren schon immer ein Symbol der Identität», fügte Martin Sommer an und zeigte, warum ein solches Zeichen wichtig ist.

Kurt Dürig, der die Arbeitsgruppe Musik leitet, ist überzeugt, dass Musik helfen kann, eine gemeinsame Identität zu finden. In einem kurzen, aber umso flamboyanteren Referat beschwor der Bleienbacher die Anwesenden, den Samen für diese Identität im Oberaargau zu streuen. «Die Melodie des Oberaargauer Marsches soll sich verbreiten und eine Renaissance erleben», formulierte er seinen Wunsch.

Simon Kuert, Pfarrer in Langenthal und Leiter der Gruppe Literatur/Sprache, spannte schliesslich einen grossen Bogen von geschriebener über rezitierte bis hin zu visuell umgesetzter Sprache. Eine Vision der Arbeitsgruppe ist denn auch, Fritz Junkers von 1956 bis 1970 entstandenen Film über den Oberaargau mit neuen Aufnahmen zu einem neuen Oberaargau-Film zu entwickeln.

Vier «Anker» als Fixpunkte

Um die Identität Oberaargau zur Bevölkerung zu bringen, sind vier Projekte geplant. «Das sind unsere ‹Anker›», erklärte Stefan Costa. In diesem Herbst steht das «Lesen» im Zentrum. Das Oberaargauer Lesebuch wird anhand einer Lesetour durch die Region vorgestellt. Wohl im Februar geht es an einer Stubete ums «Hören», bevor im Frühling das «Lernen» im Vordergrund steht. Teil der Identität Oberaargau soll nämlich auch ein modernes, multimediales Lernmodul sein, das den Schülern ihre Region auf allen Ebenen vermitteln kann. Im Sommer steht schliesslich das «Feiern» an. Dann werden Wappen und Logo öffentlich präsentiert.

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