Altbüron
Der Mythos Jo Siffert lebt weiter – in Altbüron

Bereits zum fünften Mal ist Altbüron Schauplatz einer Bergprüfung für historische Sport- und Rennwagen. Dieses Jahr liess man die Karriere von Jo Siffert nochmals aufleben.

Brigitte Meier
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Bremsprobe vor dem Start
15 Bilder
Marcel Fässler
Estonia Mk25
Philippe Sifferts Porsche mit Junior
Marcel Fässler interviewt von Peter Dätwyler
Berühmte Namen
Rennstrecke am Stalten
Am Start: Renault Alpine
Fachsimpeln
Helga Heinrich auf der Strecke
Jaguar mit Holzsteuerrad
Lüften vor dem Start
Philiippe Siffert
Oldtimerbergrennen in Altbüron

Bremsprobe vor dem Start

az Langenthaler Tagblatt

Lotus 49, 410 PS, 8 Zylinder V: Mit diesem dunkelblauen Rennwagen hat Jo Siffert in Brands Hatch, England, als erster Schweizer ein Formel-1-Rennen gewonnen. Drei Jahre später, 1971, verunglückte der Freiburger tödlich. «Der Lotus schrieb Rennsportgeschichte und nie hätte ich mir träumen lassen, dass es uns gelingt, diesen Wagen nach Altbüron zu holen», sagt Organisator Peter Dätwyler, selber ein grosser Bewunderer des jung verstorbenen Siffert. Ebenso am Start ist der BRM P 153, ein weiterer Original Formel-1-Wagen. Beide Boliden werden von ihren englischen Besitzern gefahren.

Bereits zum fünften Mal ist Altbüron Schauplatz einer Bergprüfung für historische Sport- und Rennwagen. Dieses Jahr lässt man die Karriere von Jo Siffert nochmals aufleben. Dank spontanen Zusagen der heutigen Besitzer, die sogar aus Argentinien mit den damaligen Rennfahrzeugen angereist sind, können 30 Fahrzeuge präsentiert werden. Angeführt wird das Siffertfeld vom 82-jährigen Motorrad-Idol Luigi Taveri auf einer 250er Honda. Weitere Siffert-Fahrzeuge können in einer Freilichtausstellung bewundert werden.

Auch 40 Jahre nach seinem Tod ist der grosse Kämpfer unvergessen; er der aus armen Verhältnissen stammte und seine Karriere als Motorradfahrer und Seitenwagenpassagier begann.

Philippe Siffert am Start

In einem cremefarbenen Overall steht sein Sohn Philippe Siffert vor den Original-Fahrzeugen seines Vaters. «Dieser Moment ist sehr emotional und auch sehr schön. Viele dieser Autos habe ich noch nie gesehen. Ihre Besitzer sind von überall hergekommen. Und erst die vielen Menschen, die in Gedanken bei Jo Siffert sind – ein denkwürdiger Tag», betont Philippe Siffert gegenüber der az Langenthaler Tagblatt.

Der Freiburger hat seine eigene Rennsportkarriere aufgegeben, will in Zukunft jedoch wieder Langstreckenrennen fahren. Im Siffertfeld fährt er den Porsche 904; neben ihm sitzt sein kleiner Sohn. Philippe Siffert war erst neun Monate alt war, als sein berühmter Vater starb. Etwas abseits steht ein älterer Mann: «Doch, doch, er hat etwas von «Seppi». Die ganze Art, sein Gang und erst recht, wenn er die Sonnenbrille trägt. Das ich das noch erleben darf».

Glücklich ist auch Walter Roth. Stolz zeigt der Melchnauer ein Programmheft von 1967. An der europäischen Bergmeisterschaft in Les Rangiers ist Siffert Joseph mit der Startnummer 33, BMW-Formel Z, aufgelistet. «Als historisch wertvoll und von öffentlichem Interesse» wurde übrigens das Programmheft der Bergprüfung Altbüron eingestuft und in das Archiv der Eidgenössischen Landesbibliothek aufgenommen.

Aktuelle Rennsportgeschichte hingegen schreibt Marcel Fässler, der ebenfalls unter den Zuschauern weilt. Am Steuer eines Audi R18 gewann er als erster Schweizer das 24-Stunden-Rennen in Le Mans: «Dieser Sieg hat hohe Wellen geworfen und die Begeisterung für den Autorennsport gefördert», erklärt der Schwyzer.

Begeistert sind auch Tausende von Fans, welche die Rennatmosphäre entlang der Strecke «Stalten-Steinigchrüz» hautnah erleben. Flirrend heisse Luft, dröhnende Motoren und Benzingeruch. Kaum ein Durchkommen ist jeweils beim Linden-Kreisel, von wo die Fahrzeuge zur Bremsprobe am Start fahren.

Rennsport-Historie

Beim Flanieren durch das Fahrerlager im Dorf wecken die auf Hochglanz polierten Boliden Bewunderung und Nostalgie. Auto reiht sich an Auto und für einmal steht ein Jaguar auf dem Hausplatz oder eine «Cobra» im Vorgarten. «Gigantisch all die Autos in dieser idyllischen Umgebung», staunen Gabi Hartmann und Beat Bertschinger aus dem Zürcher Oberland. «Ich fahre selber einen Porsche und der Motorsport fasziniert mich allgemein», sagt der Hinwiler.

Rennamazone

Ein Trabant in der Originalfarbe Damastgrün zieht viele Blicke auf sich. Noch mehr Blicke erhält dessen Fahrerin Helga Heinrich, die aber schnellere Boliden bevorzugt. Aufgewachsen in Ostdeutschland, feierte sie als Motorradrennfahrerin und im Automobilrennsport grosse Erfolge. Auch mit 72 Jahren lässt sie das Rennfieber nicht los: «Ich freue mich, wenn mich die Leute wie hier in Altbüron erkennen und ich brauche die Atmosphäre, die Geschwindigkeit.» Sagts und steigt in ihrem signalroten Overall in den MT 77. Ein kurzes Winken und schon braust die Rennamazone mit 110 PS los.

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