Die Fusion
Der Mut, es gleich «richtig zu machen»

Es war ebenso wünschbar, wie es unmöglich schien: dass die beiden grossen Medienhäuser des Kantons zusammenarbeiten sollten. Aber die Situation war günstig und nach der Prüfung von unzähligen Modellen war klar: Ein Zusammenschluss auf paritätischer Basis, eine «richtige Hochzeit», war das Beste.

Philip Funk, Rechtsanwalt und Verwaltungsrat der AZ Medien AG
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Eines der Wahrzeichen von Baden: das BT-Hochhaus an der Bruggerstrasse.

Eines der Wahrzeichen von Baden: das BT-Hochhaus an der Bruggerstrasse.

Keystone

Peter Wanner, damals noch unser Nachbar in Dättwil, schaute persönlich bei mir vorbei. Das gab es nur selten, die Sache musste also wichtig sein. Wir hatten erst vor kurzem gemeinsam dem Badener Tagblatt eine moderne Holding-Struktur verpasst. Mit dieser Struktur wollten wir bereit sein, falls sich in der Medienlandschaft plötzlich Veränderungen ergeben würden.
Wer hätte gedacht, dass sich diese Struktur schon sehr rasch als ausgesprochen hilfreich erweisen würde? Nun war also Peter Wanner bei mir und fragte mich, ob ich in einer äusserst geheimen Arbeitsgruppe mithelfen würde, die einen möglichen Zusammenschluss der beiden grossen Zeitungshäuser im Kanton Aargau prüfen würde.

Der Wettbewerb der Regionen

Eine Fusion von AT und BT schien allerdings nahezu unmöglich. Wir alle wussten um den Wettbewerb dieser beiden grossen Regionen des Kantons Aargau, West um Aarau und Ost um Baden-Wettingen, der sich in der Politik, im Spitalwesen und eben auch in der Medienlandschaft bemerkbar machte. Aber gerade deshalb würde ein Zusammenschluss der beiden Zeitungen, eine grosse Klammer für den ganzen Kanton mit seiner regionalen Vielfalt, eine einheitliche Stimme für den Kanton Aargau, so viel Sinn machen. Klar war ich bei diesem spannenden Projekt gerne dabei.

Die klandestinen Treffen mussten an einem ebenso neutralen wie unverdächtigen Ort stattfinden. Die Wahl fiel schliesslich auf das Hotel Arte in Spreitenbach. Wir waren zu Beginn lediglich fünf Personen: Arthur Gross und Hans-Peter Zehnder als Vertreter des AT, Peter Wanner und ich selbst als Vertreter des BT und Konrad Fischer als neutraler Projektleiter. Fischer erwies sich als Glücksfall. Einerseits war er Aarauer und deshalb auf der AT-Seite gut akzeptiert, andererseits kannte ihn Peter Wanner von der Kantonsschulzeit her und so war er auch unserer Seite genehm. Er hatte kurze Zeit vorher schweizweite Berühmtheit als Rechtsvertreter von Martin Ebner in dessen epischen Auseinandersetzung mit der UBS erhalten. Bei den gemeinsamen Essen konnte er uns deshalb jeweils mit spannenden Anekdoten aus dieser Schlacht unterhalten (selbstverständlich immer unter Wahrung des Anwaltsgeheimnisses). Seine konziliante, vermittelnde Art half uns, manche Klippe zu überwinden.

Die Konstellation war günstig: Das AT befand sich in einer Schwächephase, weil es durch zu forsche und wenig rentable Investitionen in die eigene Akzidenz-Druckerei an Ertragskraft verloren hatte. Das BT war zwar etwas kleiner als das AT, hatte aber seine Hausaufgaben bereits gemacht und war deshalb ertragsstärker.

Die Arbeitsgruppe liess Bewertungen der beiden Gesellschaftsgruppen nach einheitlichen Grundsätzen erstellen, war sich aber in Anbetracht der strategischen Bedeutung des Projektes schnell einig, dass der Zusammenschluss so oder anders auf paritätischer Basis erfolgen sollte. Die Aktionäre der beiden Gesellschaften sollten also nach dem Zusammenschluss je 50 Prozent halten. Wir prüften und verwarfen unzählige Kooperationsmodelle: vertragliche Kooperation, unechte oder echte Fusion, Joint Venture, Zusammenschluss nur des Zeitungsdruckes etc.
Schliesslich aber wurde immer klarer: Eine wirkliche Kraft würde nur von einer umfassenden Fusion der beiden Gesellschaften ausgehen. Um das Projekt zum Erfolg führen zu können, planten wir also die direkte Hochzeit und nicht eine Verlobung oder gar nur ein Konkubinat mit ungewissem Ausgang. Dieser Mut sollte sich bewähren.

Die Geheimhaltung klappte

Wie bei allen solchen Projekten üblich, wuchs die Zahl der Eingeweihten rasch an. Waren zunächst nur fünf Personen involviert, mussten je länger je mehr Arbeitsgruppen für wichtige Teilfragen gebildet werden und die Anzahl der Eingeweihten war bald nicht mehr überschaubar. Es ist deshalb speziell bemerkenswert, dass der vorgesehene Zusammenschluss bis zur offiziellen Bekanntgabe geheim gehalten werden konnte. Alle Beteiligten hatten sich an die Geheimhaltungsbestimmungen gehalten!

Die Bekanntgabe der vorgesehenen Fusion schlug im Kanton Aargau ein wie eine Bombe. Unvermeidlicherweise meldete sich rasch und vehement eine Vielzahl von Bedenkenträgern und besorgten Bürgern, welche den Untergang der journalistischen Qualität und/oder der Meinungsvielfalt im Kanton Aargau herbeiredeten. Entgegen und trotz all diesen Bedenken wurde die Fusion ohne Änderungen und Abstriche wie vorgesehen umgesetzt.

Die Generalversammlung des AT, damals noch im Hotel Krone in Lenzburg, dauerte bis tief in die Nacht. Unsere Delegation vom BT durfte im ersten Teil nicht dabei sein und musste stundenlang in einem Nebenraum warten, bis wir uns schliesslich den Aktionären des AT persönlich vorstellen durften.

Rückblickend darf man mit Befriedigung feststellen, dass sich die damaligen Bedenken nicht bewahrheitet haben und dass das Projekt als leuchtendes Beispiel einer gelungenen Fusion gelten darf.

Herzliche Gratulation der AZ zum runden Geburtstag und auch für die Zukunft alles Gute!