Schöngrün
Der «Lotterknast» hat einen neuen Direktor

Der neue Direktor der Solothurner Strafanstalt Schöngrün heisst Paul J. Loosli. Er wurde aus rund 90 Bewerbern ausgewählt und startet am 1. April. Er will dem Gefängnis helfen, den Ruf als «Lotterknast» wieder loszuwerden. Das Departement spricht von einem Glücksfall.

Drucken
Teilen
90 Bewerber als Schöngrün-Chef

90 Bewerber als Schöngrün-Chef

Solothurner Zeitung

Ein Gefängnis, das schweizweit als Lotterknast zu trauriger Berühmtheit kommt, das keinen Direktor mehr hat und schnellst möglich einen neuen Chef braucht: Dies ist die Situation, in der sich die Solothurner Strafanstalt Schöngrün und das Therapiezentrum Im Schache (Deitingen) befinden. Paul J. Loosli (57) ist der Mann, der dem Kanton Solothurn schon per 1. April aus der Patsche helfen wird.

In einer Woche wird der bisherige Direktor und Umstrukturierer des Regionalgefängnisses Thun nach Solothurn wechseln. Hier tritt er die Nachfolge des abgesetzten Schöngrün-Direktors Peter Fäh an. Loosli wurde aus rund 90 Bewerbern ausgesucht, darunter «sehr gut qualifizierte» Personen, wie Heinrich Schwarz, Departementssekretär von Innenminister Peter Gomm weiss.

Wenn ein Bewerber für einen anspruchsvollen Führungsjob praktisch von einem Tag auf den anderen vom bisherigen Arbeitgeber «freigegeben» wird, dann wird dies schnell als Erleichterung darüber interpretiert, dass man den Mann endlich loswird. In diesem Fall treffe das Gegenteil zu, betont Heinrich Schwarz: Er spricht sogar von einem «echten Glücksfall für den Kanton Solothurn». Er wage nicht einmal «an die Schwierigkeiten zu denken, wenn wir in der jetzigen Situation wegen einer langen Kündigungsfrist des Bewerbers während Monaten auf einen neuen Direktor warten müssten».

Ein Deal der Polizeidirektoren

Je nach Wahl hätte genau dies passieren können. Nicht so bei Paul J. Loosli: Dass mit dessen bisherigem Arbeitgeber, dem Kanton Bern, eine rasche Ablösung vereinbart werden konnte, sei «das Ergebnis harter Arbeit und gutnachbarlicher Beziehungen mit dem Kanton Bern, insbesondere zwischen den beiden Departementsvorstehern», berichtet Schwarz nicht ohne Stolz.

Paul J. Loosli gilt als «Sanierer» des Regionalgefängnisses Thun, das er seit Dezember 2003 als Direktor leitet. Die Wahlbehörde Regierungsrat hebt in einer Medienmitteilung insbesondere dessen langjährige Verwaltungserfahrung in den Bereichen Führung, Umstrukturierung und Projektmanagement hervor. Der neue Gefängnisdirektor wird als fachlich und menschlich bestens qualifiziert und in der Sache konsequent beschrieben. Die besten Voraussetzungen also zur Leitung einer Institution, die «unter Beobachtung» steht. (ums.)