Handball NLA
Der Ligaerhalt bleibt möglich – dank eines 18-Jährigen

Suhr Aarau kämpft weiter mit Herz und Erfolg um den Verbleib in der NLA: Der 27:25-Sieg gegen Gossau am Mittwochabend war das Produkt einer starken Teamleistung. Und in der letzten Minute kam die Nervenstärke von Tim Aufdenblatten dazu.

Rainer Sommerhalder
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Die Mannschaft bedankt sich bei den Fans für die Unterstützung beim Sieg gegen Gossau.
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Topskorer Ljubomir Josic feiert mit den Teamkollegen den wichtigen Erfolg.
Captain Kaufmann (rechts) schoss neun Treffer, Torhüter Pramuk zeigte acht teilweise spektakuläre Paraden.
Sieg von HSC Suhr Aarau gegen Gossau
Guido Frei wie immer mit grossem Einsatz beim Coaching.
Torhüter Martin Pramuk zeigte einmal mehr seine Klasse.
Flügelspieler Joël Bräm schiesst eines seiner insgesamt sechs Tore.
Gossaus Topskorer Christoph Piske scheitert mit einem Freiwurf.
Materialtest am Leibchen von HSC-Kreisläufer Mathias Kasapidis.
Misha Kaufmann wagte erstmals nach seinem Comeback wieder Sprungwürfe.
Nicolas Suter lief es für einmal im Abschluss nicht Wunsch.

Die Mannschaft bedankt sich bei den Fans für die Unterstützung beim Sieg gegen Gossau.

Alexander Wagner

Es drohte der Suhrer Super-GAU. Nachdem die Gastgeber dank einer äusserst soliden Verteidigung praktisch während der gesamten Partie in Führung lagen, mussten sie den Gossauern knappe zwei Minuten vor Schluss den Anschlusstreffer zum 25:26 zugestehen. Und nicht nur das. Captain Misha Kaufmann, Denker und Lenker im HSC-Offensivspiel, kassierte eine Zweiminuten-Strafe. «Nun wird es schwierig», erkannte ein Fachmann auf der Tribüne.

Ein 18-Jähriger übernimmt die Verantwortung

Und es wurde schwierig. Der Angriff des NLA-Tabellenletzten stockte, die Schiedsrichter zeigten bereits einige Sekunden lang Zeitspiel an. Die letzte Möglichkeit zu einem Freiwurf. Allen war klar, dass der Ball subito aufs Gossauer Tor geworfen werden musste. Trainer Guido Frei gab die Anweisung, wer von den fünf Übriggebliebenen die Verantwortung übernehmen solle. Nicht Topskorer Josic machte sich bereit, sondern der 18-jährige Tim Aufdenblatten, der erst im Verlauf der zweiten Halbzeit zu seinen ersten Einsatzminuten kam.

In den letzten Partien setzte Frei selbst dann nicht auf Talent Aufdenblatten, wenn dem Team das Spiel aus dem Ruder lief. Noch bei der Hinspielniederlage in Gossau vor zweieinhalb Wochen sass der kräftige Rückraumspieler 60 Minuten lang auf der Bank und verfolgte nach der Pause das kollektive Versagen seiner Kollegen mit. Nicht alle verstanden dies.

Schlechte Erinnerungen an die letzten Minuten

Doch nun nahm Aufdenblatten Anlauf zu einem schon so alles andere als einfachen Versuch. Hinzu kam der enorme Druck, dass sein Reüssieren letztlich sogar über Abstieg oder Ligaerhalt entscheiden konnte. Denn das Spiel hätte in dieser Schlussphase durchaus noch kippen können. Es wäre nicht das erste Mal gewesen, wo der HSC Suhr Aarau in den letzten Sekunden einen sicher scheinenden Erfolg noch aus der Hand gegeben hätte.

Doch das Talent auf Abruf hielt der riesigen Nervenprobe stand und versenkte den Ball mit einem wuchtigen Sprungwurf zum entscheidenden 27:25. Es war sein dritter Treffer. Nach dem Spiel auf diese Szene angesprochen, sagte Aufdenblatten lapidar: «Man kennt eine solche Situation natürlich aus dem einen oder anderen Juniorenspiel». Um nach einer kurzen Pause anzufügen: «Aber es ist natürlich schon etwas ganz anderes – in der NLA und vor diesem Publikum».

Und was meinte Trainer Frei zu seiner mutigen Entscheidung? «Ich habe Tim in den letzten Partien gesagt, er müsse geduldig sein und auf seine Chance warten. Der Moment werde kommen, in welchem er etwas Entscheidendes tun müsse. Und Tim hat diesen Job grandios erledigt.»