Sexuelle Übergriffe
Der Kanton vertraut der Präventionsfachstelle Mira wieder

Die Präventionsfachstelle Mira bekommt auch 2013 Geld vom Kanton. Sie habe ihre Aufgaben gemacht und umstrittene Praktiken aus dem Angebot entfernt, so die Begründung.

Anna Wepfer
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Sexueller Missbrauch (Themenbild)

Sexueller Missbrauch (Themenbild)

Keystone

Das kantonale Amt für Jugend und Berufsberatung will die Fachstelle Mira weiterhin finanziell unterstützen. Wie Amtschef André Woodtli auf Anfrage bekannt gab, fliessen auch nächstes Jahr 95000 Franken an die viel kritisierte Organisation, die Vereine in der Prävention sexueller Gewalt schult. Nach dem Eklat 2011 habe sich die Mira im vergangenen Jahr an die strengen Auflagen des Kantons gehalten und ein Konzept zur Qualitätssicherung erarbeitet, sagt Woodtli. Es gebe aus seiner Sicht keinen Grund mehr, ihr zu misstrauen.

Ins schiefe Licht geriet die Präventionsstelle im Zusammenhang mit dem Fall «Kletterleiter», der vor zwei Jahren Schlagzeilen machte. Damals wurde publik, dass ein Trainer im Kletterzentrum Greifensee mehrfach sexuelle Übergriffe auf Kinder verübt hatte. Brisant daran war, dass der Mann bei der Mira bereits bekannt war. Schon seine früheren Vereine hatten den Verdacht geäussert, mit dem Mann stimme etwas nicht. Der Mira wurde vorgeworfen, sie habe nicht professionell auf diese Bedenken reagiert, da Fachstellenvertreter mit dem mutmasslichen Täter lediglich das Gespräch gesucht hatten.

Im Sommer 2011 liess der Kanton die Praktiken der Mira überprüfen. Grund war nicht der Fall Kletterleiter, sondern ein Gerichtsverfahren, bei welchem ein Vorstandsmitglied wegen Verleumdung vor Bundesgericht verurteilt wurde. Der Untersuchungsbericht des Kantons benannte verschiedene grundsätzliche Mängel im Konzept der Mira. Der gewichtigste: Die Fachstelle vermischte ihre Hauptaufgabe, die Präven- tion, mit Interventionen. Sie schaltete sich teilweise selbst in die Aufklärung von Verdachtsfällen ein und sprach mutmassliche Täter in sogenannten Konfrontationsgesprächen auf die Vorwürfe an. Bisweilen vereinbarte die Fachstelle mit den Beschuldigten auch Massnahmen, etwa, dass sie den Verein verlassen oder sich einer Therapie unterziehen sollten.

Heikle Situationen erkennen

Daraufhin nahm der Kanton die Mira an die kurze Leine. Er schrieb ihr vor, sie müsse sich auf die Prävention beschränken und das Handeln im Verdachtsfall spezialisierten Stellen und der Polizei überlassen.

Gleichzeitig wurden die Mira-Geschäftsleitung und der grösste Teil des Vorstandes ausgewechselt. Der Kanton zahle die Subventionen fürs Jahr 2013 nur, wenn die Mira bis Ende 2012 ihre Hausaufgaben gemacht habe, sagte Woodtli damals. Nun, nach Ablauf des Probejahres, ist er davon überzeugt, dass die Fachstelle das Ruder herumreissen konnte. «Unsere Bedingungen sind erfüllt», sagt er.

Janine Graf hat im September 2011 die Geschäftsleitung der angeschlagenen Mira übernommen. Sie habe die enge Zusammenarbeit mit dem Kanton im letzten Jahr sehr geschätzt, sagt sie. «Wir haben gemeinsame Ziele und sind gut unterwegs.» Allerdings liessen sich Fälle wie jener des Kletterleiters auch mit der besten Prävention nicht ausschliessen.

«Verdachtsfälle sind immer sehr komplex, da sie hauptsächlich auf Indizien und Vermutungen basieren», sagt Graf. «Unsere Hauptaufgabe ist deshalb die Prävention. Wir schulen die Vereine, damit sie heikle Situationen früh erkennen, anschauen und mit professioneller Unterstützung die richtigen Schritte einleiten können.»

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