Regierungswahlen
Der Grünliberale Kandidat geniesst das Leben später

Emmanuel Ullmann fordert mehr Polizei, mehr Tagesbetreuung und mehr regionale Zusammenarbeit. Für sein Privatleben hat der mit 32 Jahren jüngste Regierungsratskandidat momentan wenig Zeit.

Andreas Maurer
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Er ist der jüngste Kandidat der Basler Regierungswahlen: der 32-jährige Emmanuel Ullmann.

Er ist der jüngste Kandidat der Basler Regierungswahlen: der 32-jährige Emmanuel Ullmann.

Juri Junkov

Der Wahlkampf zehrt an seinen Kräften: In letzter Zeit ist Emmanuel Ullmann etwas bleicher als sonst, dunkle Schatten zeichnen sich unter seinen Augen ab. Kein Wunder: Der 32-Jährige pendelt nicht nur täglich nach Zürich, wo er als Buchhaltungsleiter für die UBS-Pensionskasse arbeitet, gefordert ist er auch als frischgebackener dreifacher Familienvater.

Einen Einblick in seinen Terminkalender bietet er auf seiner Homepage: Bis am 28. Oktober hat der grünliberale Regierungskandidat 50 Termine notiert. Am Tag der Basler Wahlen endet seine Zeitrechnung. Bis dann organisiert er an zwei von drei Tagen eine Standaktion. Manchmal besteht diese nur aus ihm, wenn der Parteikollege wieder einmal zu spät kommt. Doch Ullmann verliert die Zuversicht nicht, auch wenn er alleine im Regen vor dem Einkaufszentrum steht. Viele Passanten beachten ihn kaum. Würde er nicht lieber wie sie den Samstagnachmittag mit den Kindern verbringen? Oder wie andere Altersgenossen einfach das Leben geniessen? Ullmanns Motto: Das Leben geniesst er, wenn er alt ist. Heute nutzt er auch seine Ferien, um Wahlkampf zu betreiben. Das kleine Budget seiner Partei gleicht er mit eigenem Einsatz aus.

Er verlangt mehr Repression

Obwohl der jüngste Basler Regierungskandidat von der Konkurrenz belächelt wird, könnte er in einem zweiten Wahlgang gute Chancen haben. Werden die sechs wieder antretenden Regierungsräte im ersten Wahlgang gewählt, könnte Ullmann mit den Stimmen der Linken die bürgerliche Konkurrenz ausbremsen. Als Nachfolger des abtretenden FDP-Sicherheitsdirektors Hanspeter Gass würde er den Linken aber nicht nur Freude machen. Ullmann würde sich für mehr Repression einsetzen: «Solange das Vermummungsverbot missachtet wird und Pyros in einer Menschenmenge gezündet werden, solange randaliert werden kann bei Demos, ohne dass die Schuldigen gefasst werden, solange wird es so weiter gehen wie heute.» Die Polizei müsse gezielter ausgebildet werden, um Straftäter aus einer Menschenmenge «herauszupflücken». Ullmann würde sich zudem für eine weitere Aufstockung des Polizeikorps und für höhere Polizistenlöhne starkmachen. «Es kann nicht sein, dass wir in Basel Polizisten ausbilden, die dann wegen unattraktiver Löhne aufs Land ziehen.» Als Rambo möchte Ullmann aber nicht missverstanden werden. Er lehnt das Hooligan-Konkordat ab, befürwortet eine Jugendbewilligung für spontane Partys und einen Polizeiausbau im präventiven Bereich.

Auch möchte er nicht auf die Sicherheitspolitik reduziert werden. Ein besonderes Anliegen sei ihm die regionale Zusammenarbeit. Als Mitglied der grossrätlichen Justiz- und Sicherheitskommission frage er bei Gesetzgebungen immer, ob diese mit dem Baselbiet abgesprochen seien. «Die Antwort ist oft ‹Nein›.» Das kritisiert er: «Das Ziel sollte eine möglichst einheitliche Gesetzgebung innerhalb der Nordwestschweiz sein.»

Tagesbetreuung ausbauen

Sein aktuelles Lieblingsthema hat ebenfalls nichts direkt mit der Farbe im Parteinamen zu tun: Der Ausbau der Tagesbetreuung von Kindern geht Ullmann zu langsam. Das Basler Erziehungsdepartement richtet das Angebot nach der Nachfrage. Der Ökonom sieht es hingegen als Aufgabe des Staates, ein attraktiveres Angebot zu schaffen. Dann werde die Nachfrage mitziehen: «Wenn eine Mutter merkt, dass das Tagesbetreuungsangebot nicht reicht, wird sie nicht einen Brief an den Erziehungsdirektor schreiben, sondern sich anders organisieren.»

Seine eigenen Kinder schickt Ullmann an zwei Nachmittagen pro Woche in eine private Krippe, da dies günstiger sei. «Ich glaube nicht, dass es am besten ist, wenn Eltern ihre Kinder vollständig alleine erziehen. Die Kinder sollten möglichst früh mit anderen zusammen sein.» Doch graut es ihm nicht davor, dass er als Regierungsrat seine Kinder noch seltener sähe? «Es sollte auch als Regierungsrat möglich sein, genügend Zeit für sie zu haben», entgegnet er. Die Zuversicht kann Ullmann niemand nehmen.