Detailhandel
Der Abbau schüttelt Manor durch

Am Hauptsitz in Basel werden 200 Stellen gestrichen. Die Informationen über angekündigten Sozialplan sind dürftig.

Rahel Koerfgen und Samuel Hufschmid
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Die Mitarbeiter am Hauptsitz von Manor an der Rebgasse befinden sich in einem Schockzustand. Martin töngi

Die Mitarbeiter am Hauptsitz von Manor an der Rebgasse befinden sich in einem Schockzustand. Martin töngi

zvg

Geahnt haben Sie es längst. Als ihr neuer Chef Stéphane Maquaire im Januar 2017 seine Stelle antrat, war vielen Manor-Mitarbeitern klar, dass der Franzose bald «aufräumen» würde. «Wir haben mit der Bekanntgabe eines Stellenabbaus gerechnet, eigentlich jeden Tag», sagt ein Angestellter. Dass der Abbau indes so «brutal» ausfallen würde, damit hätten die wenigsten gerechnet.

«Brutal» ist tatsächlich das richtige Wort. Angesichts schrumpfender Umsätze gab Manor per Mitteilung gestern bekannt, «maximal» 200 der rund 1000 Stellen am Basler Hauptsitz an der Rebgasse (siehe Karte rechts) abzubauen; die Hälfte davon durch sogenanntes Outsourcing, die natürliche Fluktuation und die Nichtbesetzung bereits vakanter Stellen. Von der Restrukturierung nicht betroffen sind Lehrlinge, wie Manor-Sprecher Alexandre Barras sagt. «Manor wird sich weiterhin stark in der Ausbildung engagieren.»

Dem Vernehmen nach wurden gestern die ersten Betroffenen in persönlichen Gesprächen informiert. Welche Bereiche ausgelagert werden sollen, sei allerdings noch nicht entschieden, sagt Barras auf Anfrage. Keinen Einfluss haben soll der sogenannte «Transformationsplan» in Bezug auf Liegenschaften; Manor belegt im Perimeter Greifen-, Uten- und Rebgasse diverse Büroräumlichkeiten.

Offene Stellen intern besetzen

Gemäss der entsprechenden Mitteilung der Warenhauskette wurde ein von der Personalkommission genehmigter Sozialplan erstellt, Gewerkschaften waren keine involviert. Dieser sieht vor, wo möglich Frühpensionierungen und Stellenwechsel innerhalb des Unternehmens anzubieten und «Härtefälle zu vermeiden», sagt Barras. Auf der Webseite von Manor sind derzeit 293 Stellen ausgeschrieben, zwölf davon am Hauptsitz. Barras sagt dazu: «Ziel ist es, so viele der offenen Stellen wie nur möglich intern zu besetzen.» Bei unvermeidlichen Entlassungen werde ein Jobcenter die Betroffenen bei der Stellensuche unterstützen. Jene, die keinen neuen Job finden und nicht für eine Frühpensionierung infrage kommen, werde eine Abgangsentschädigung bezahlt, so Manor.

Zwar ist die Gewerkschaft Unia Nordwestschweiz nicht Verhandlungspartner, sie kündigte jedoch gestern gegenüber der bz an, diesen unter die Lupe zu nehmen. «Die Informationen, die wir bis anhin erhalten haben, sind sehr dürftig. Wir werden mit unseren wenigen betroffenen Mitgliedern zusammensitzen,» sagt Sprecher Thomas Leuzinger. Er schliesst auch eine Kundgebung nicht aus, wenngleich der Organisationsgrad der Gewerkschaft im Detailhandel klein ist.

SP fordert Entschädigungen

Der radikale Schnitt, den Manor vollzieht, sorgt in Basel für Betroffenheit. So sagt etwa Mathias F. Böhm, Geschäftsleiter von Pro Innerstadt: «Wir bedauern diesen Abbau sehr, wenngleich das Angebot im Warenhaus nicht darunter leiden sollte.» Es habe sich abgezeichnet, dass das Warenhaus gesund schrumpfen müsse, um fit für die Zukunft werden zu können. «Manor wäre es anzuraten, dass Profil zu schärfen», sagt Böhm.

Derweil fordert die SP Basel-Stadt gemäss einer Mitteilung, dass Manor «grosszügige Abgangsentschädigungen» in Betracht ziehen und die Entlassungen auf ein Minimum beschränken solle. «Die Digitalisierung bietet doch auch Chancen für neue Jobs, und die interne Ausbildung muss mit dieser angestrebten Modernisierung Schritt halten», lässt sich Präsident Pascal Pfister zitieren. Ansonsten drohe infolge kurzfristiger Personalplanung in den kommenden Jahren wieder ein Abbau.

Der Angestellte, mit dem die bz sprechen konnte, hat seinen Job noch. Erleichtert ist er indes nicht: «Niemand weiss, wann die nächste Sparübung ansteht. Für mich ist das schier unerträglich.» Die Motivation unter den Mitarbeitern sei bereits seit Monaten gering. Manor-Sprecher Alexandre Barras sieht dies anders: «Die Identifikation mit dem Unternehmen ist nach wie vor sehr gross. Wir müssen nun gemeinsam eine schwierige Situation meistern.»