Oberaargau
Der 1.-August-Brunch ist auch im Kanton Bern beliebt

Viele der Betriebe, die einen 1.-August-Brunch anbieten, sind bereits ausgebucht, andere hoffen noch auf kurzentschlossene Gäste. Sicher ist: Die Organisation eines Brunches ist aufwändig.

Andrea Marthaler
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Bei gutem Wetter dürften zu den bisherigen Anmeldungen noch viele dazukommen. Auf dem Bild der Brunch auf der Nyffenegg in Huttwil. zvg

Bei gutem Wetter dürften zu den bisherigen Anmeldungen noch viele dazukommen. Auf dem Bild der Brunch auf der Nyffenegg in Huttwil. zvg

Solothurner Zeitung

Total 61 landwirtschaftliche Betriebe bieten im Kanton Bern am 1. August einen Brunch auf dem Bauernhof an. Darunter einige aus dem Oberaargau. Erste Betriebe sind für den Brunch bereits ausgebucht. So auch der Hof der Familie Schüpbach auf der Nyffenegg bei Huttwil. Ihre Kapazität von 250 Sitzplätzen ist schon mehr als ausgeschöpft: «Wir haben 300 Anmeldungen, ein Teil ist provisorisch», sagt Andreas Schüpbach. Ist das Wetter am 1. August gut, kann auch im Freien gedeckt werden, dann bewirten Schüpbachs maximal 350 Gäste.

Bei der Familie Studer in Niederösch sieht es etwas anders aus. Bis zu 600 Gäste könnten sie aufnehmen, erst 110 Anmeldungen sind eingegangen. «Diese Woche werden sich noch viele anmelden. Je nach Wetter kommen einige auch spontan», sagt Heidi Studer. Doch wenn viele im letzten Moment entscheiden, erschwere dies die Planung. Trotzdem hofft Studer auf möglichst viele Leute. «Der Aufwand ist dann zwar grösser, doch aufgebaut wird sowieso.»

Der grosse Aufwand für den Brunch ist für manche eine Hürde. Walter Minder aus Auswil hat mehrere Jahre einen 1. August-Brunch organisiert. Seit letztem Jahr verzichtet er darauf: «Der Aufwand ist zu gross geworden», so Minder. Auch Studers haben sich schon die Frage gestellt, ob sie überhaupt noch einen Brunch organisieren sollen: «Wir schauen von Jahr zu Jahr.» Bereits machen sie es nun seit zwölf Jahren. Als 2009 weniger Leute kamen als geplant, wollten sie erst nicht mehr weitermachen. «Denn es ist ein ziemlich grosser Betrag, den wir im Vorfeld ausgeben. Wenn zu wenig Gäste kommen, lohnt es sich finanziell nicht», so Studer.

Auch die Familie Schüpbach hat sich schon überlegt, mit dem 1. August-Brunch aufzuhören: «Andere Anlässe sind für uns deutlich wirtschaftlicher als der Brunch am Nationalfeiertag», sagt Andreas Schüpbach.

Verein statt Familie

Mancherorts wird der Brunch statt von einer Familie von Vereinen organisiert. Auf dem Hof der Familie Günter in Herzogenbuchsee ist dies die Musikgesellschaft, auf jenem der Familie Hegi in Roggwil die Trachtengruppe Langenthal und Umgebung. «Rein als Familienbetrieb wäre dies für uns nicht machbar. Wir stellen den Platz und einen Teil der Lebensmittel zur Verfügung», sagt Hanspeter Günter. Die Arbeit leisten die Mitglieder der Musikgesellschaft. So auch beim Brunch der Trachtengruppe: «Brot, Züpfe, Konfitüre und Rösti werden selber gemacht», erklärt Hedwig Hegi, die selber in der Trachtengruppe mitwirkt. Doch auch für die Vereine bedeutet der Brunch viel Arbeit: «Wir sind jeweils rund 20 Leute. Bisher haben wir zum Glück immer genügend Helfer gefunden», so Hegi. Die Musikgesellschaft bietet den Brunch seit drei Jahren an. Jedes Jahr diskutiere man aufs Neue, ob man ihn wieder durchführen will. «Wir haben das Gefühl gehabt, mit der Erfahrung gehe es besser», so Günter. So hoffentlich auch in diesem Jahr.

Auch wenn viel Aufwand mit einem tiefen Stundenlohn abgegolten wird, sind sich die Landwirte einig, dass sich der Brunch zum Nationalfeiertag bezahlt macht. «Es ist Propaganda für die Landwirtschaft», betont Hanspeter Günter. Andreas Schüpbach ergänzt. «Das sind wir der Landwirtschaft schuldig.» Und nicht zuletzt sei es Werbung in eigener Sache. Die meisten Landwirte, die am
1. August einen Brunch organisieren, bieten auf Anfrage auch Anlässe unter dem Jahr auf ihren Höfen an. «Für uns ist es ein Werbefenster für die ganzjährige Gästebewirtung», betont beispielsweise Schüpbach.

Insgesamt sei die Anzahl Betriebe, die einen Brunch anbieten während der letzten Jahre stabil geblieben, sagt Mirjam Hofstetter vom Schweizerischen Bauernverband. 406 Bauernhöfe sind es in diesem Jahr schweizweit, 200000 Gäste werden erwartet. Mit 61 mit Abstand am meisten Brunch-Betriebe sind es im Kanton Bern.

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