Ratgeber Gesundheit
Depression und Sucht im Alter

Seit dem Tod meiner Mutter lebt unser Vater (86) allein. Uns, den Kindern, ist aufgefallen, dass er sich immer mehr zurückzieht und regelmässig Alkohol trinkt. Früher hat er nur gelegentlich bei Anlässen ein bis zwei Gläser Wein getrunken. Er scheint auch geistig nicht mehr so fit zu sein. Letzte Woche ist er zudem gestürzt und musste zum Hausarzt. Benötigt unser Vater psychiatrische Betreuung? Frau J. W. aus W.

Dr. med. Dan Georgescu
Dr. med. Dan Georgescu
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Gesundheit Aargau
Dan Georgescu Dan Georgescu, Bereichsleiter und Chefarzt Alters- und Neuropsychiatrie PDAG

Dan Georgescu Dan Georgescu, Bereichsleiter und Chefarzt Alters- und Neuropsychiatrie PDAG

Gesundheit Aargau

Bei älteren Menschen, die erstmals ein Suchtproblem entwickeln, geht ein ungünstiges Lebensereignis der Erkrankung voraus. Insbesondere Verlust-erlebnisse wie der Verlust des Partners, der Freunde, des sozialen Status, des Lebenssinns, der Gesundheit, der Vitalität und Attraktivität gelten als Risikofaktoren. Ein Teufelskreis bestehend aus Vereinsamung, Depression, Schlafstörungen und eben Sucht sind häufig die Folge. Die Depression manifestiert sich in diesem Alter durch Schlafprobleme, Müdigkeit, Bedrückung, Appetitstörungen, Verstopfung, Gewichtsverlust und Schmerzen. Manchmal werden auch Einbussen der geistigen Leistungskraft beobachtbar, die Symptome lassen an eine Demenz denken. Viele Betroffene können sich nicht mehr selber helfen und spätestens dann sollten Angehörige, andere Nahestehende oder der Hausarzt aktiv werden.

Die Komplexität der Beschwerden erfordert eine umfassende und interdisziplinäre Abklärung und Behandlung, da mehrere medizinische und psychosoziale Bereiche betroffen sind. Senioren sind häufig behandlungsmotiviert. Das wirkt sich günstig auf den Behandlungserfolg aus. Involviert sind dabei verschiedene Spezialisten: Alterspsychiater, Neurologen, Geriater, Neuropsychologen und Psychotherapeuten. Falls ein Heimeintritt nötig sein sollte, kann die Betreuung durch die Spezialisten auch dort in enger Absprache mit dem Pflegedienst, dem Heim- oder Hausarzt weitergeführt werden.

Das Angebot des Ambulatoriums Alters- und Neuropsychiatrie der Psychiatrischen Dienste Aargau AG (PDAG) in Baden-Dättwil umfasst neben dem psychiatrisch-psychosomatischen Konsiliardienst für Spitäler und Heime auch Spezialsprechstunden für ältere Menschen mit Depressionen, Angststörungen, Demenzen, psychosomatischen Beschwerden, Schlafstörungen, Abhängigkeitserkrankungen. Internet: www.pdag.ch, Telefon: 056 461 97 00, E-Mail: konsiliarpsychiatrie@pdag.ch.

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