Leben
Den Schrank voll und doch nichts zum Anziehen

Es ist fast jeden Morgen dasselbe Lied. Ich stehe vor meinem überfüllten Kleiderschrank. Die Türen sind weit geöffnet. Mein Blick verliert sich im Kleiderdschungel. Soll ich heute in Schwarz oder in Farbe zur Arbeit fahren? Ich zerre Blusen und Pullis vom Bügel und halte verschiedene Hosen dazu hin. Die blaue Farbe gefällt mir heute nicht. Im schwarzen Pulli sehe ich zu blass aus. Die weisse Bluse mag ich auch nicht und die grauen Hosen lassen sich nicht mehr einfach schliessen.

Merken
Drucken
Teilen

iStock.com/ep_stock

Zum Glück ist der Frühling da, denke ich erleichtert. Mein Kasten braucht neue Frische. Ich muss einkaufen. Wäre da nur nicht mein Verstand, der sagt, dass ich viel zu viele Klamotten besitze. Einige T-Shirts, Blusen, Pullis und Jupes sind im Kleiderdschungel verborgen, von denen ich nicht einmal mehr weiss, dass es sie gibt. «So kann es nicht weitergehen», rügt mich mein Gewissen. Da hilft nur eins: eine Expertin, welche meinen Dschungel in einen übersichtlichen Schrank mit System verwandelt und mir hilfreiche Tipps gibt, mich für jede Gelegenheit passend zu kleiden. Ich gönne mir für einmal eine umfassende Farb- und Stilberatung.

Schritt für Schritt zum perfekten Outfit

Bei der Farb- und Stilberaterin tauche ich zuerst in die Welt der Farben ein. Ich erhalte anhand von vier Fächern einen Vier-Jahreszeiten-Farbüberblick. Vorerst weiss ich noch nicht, welchem Farbtyp ich zugeordnet werde. Mit einem sogenannten Kreuzchentest wird unter anderem mein Styling analysiert. Dazu gehören auch Körper- so­wie Gesichtsform, Augen, Brauen, Lippen, Nase und Frisur. Aus der Analyse erfolgt die Gesamtbeurteilung, die wiederum unterteilt ist in dramatisch, casual (sportlich), zart (weiblich), natürlich (sportlich), klassisch und romantisch. Ich bin X-Form-Typ. Meine ideale Stilmischung ist natürlich/romantisch mit einer dramatischen Note und meine Farben sind die des Herbsts.

Neue Erkenntnis

Ich erhalte unzählige nützliche Tipps und Trick für den optimalen Auftritt im Business und im Privatleben. Dazu gehören Kleider (Länge und Schnitte), Muster, Farben, Schuhe und diverse Accessoires. Ausserdem führt mich die Farb- und Stilexpertin in das Einmaleins des dezenten Schminkens und Hairstylings ein. Ebenso macht sie mich auf einige Fauxpas aufmerksam, wie zum Beispiel das Verwenden eines Plastik­kugelschreibers bei Interviews oder das Tragen von zu viel Schmuck (nicht mehr als fünf Stück inklusive Brille, Uhr und Ehering).

Nach drei Stunden habe ich eine Bestätigung, dass ich bis jetzt vieles richtig gemacht, mir aber auch einige Fauxpas geleistet habe. Auch Aha-Erlebnisse blieben nicht aus. Laut Farbtest ist es meine Farbe Petrolblau, die an mir sehr erfrischend wirkt. Bis jetzt habe ich diese Farbe nie beachtet. Das kleine Schwarze wird bei mir in Zukunft passé sein, denn das ist die Farbe, die am wenigsten zu mir passt.

Gleich nach der Farb- und Stilberatung bringe ich im Kleiderschrank Licht ins Dunkel. Anhand der fünf Punkte – Farbtyp, Stilmischung, Materialien, Musterung und Accessoires – trenne ich mich von Kleidern, Schuhen und Accessoires, die nicht meinem Typ entsprechen. Nach dieser Aktion ist meine Garderobe wie neu. Ich kombiniere Outfits mit passenden Accessoires, die ich sogleich für mich mit Bild dokumentiere. Das ist einer der genialen Tipps meiner Beraterin und hilft mir, am Morgen nicht mehr so lange verloren vor dem Kleiderschrank zu stehen.

Meiner «Passt nicht zu mir»-Aktion fallen auch einige Lieblingsstücke zum Opfer. Von denen kann ich mich vorerst nicht trennen. Diese verstaue ich in einer Kiste, die ich im Keller deponiere. Vermisse ich die Kleider während ein paar Monaten nicht, werde ich die Kiste ungeöffnet entsorgen.

Ein Jahr danach

Die Stil- und Farbberatung zeigt auch nach über einem Jahr ihre Wirkung. Im Kleiderschrank hängen immer noch freie Bügel. Ganz nach dem Motto «Weniger ist mehr» kaufe ich bewusster ein. Mein bester Begleiter und Berater ist mein Herbst-Farbfächer.

DIE VIER JAHRESZEITEN

Farbfaecher

Farbfaecher

Zur Verfügung gestellt

Frühling: warm, leuchtend, grell und auffallend

Sommer: kalt, pudrig, gedämpft und mit einem grauen Schleier überdeckt

Herbst: warmtonig, erdig, satt und gedämpft

Winter: kalt, laut, knallig, eisig, leuchtend und klar

Je leuchtender eine Farbe ist, umso auffälliger oder dramatischer wirkt sie. Je geringer die Leuchtkraft ist, desto dezenter und weicher ist sie. Helle Farben wirken romantisch und leicht. Dunkle Farben wirken eher autoritär und dramatisch.