Weidstrassenfest
Den 50. Geburtstag der Weidstrasse in Unterengstringen gefeiert

Heutige und ehemalige Anwohner feiern den 50. Geburtstag der Weidstrasse in Unterengstringen. Der Drehorgelspieler kurbelte an seiner «Zeitmaschine». Es waren nostalgische Stücke. Sie passten zum Anlass. Die Besucher schwelgten gerne in Erinnerungen.

Ly Vuong
Drucken
Teilen
Das Weidstrassenfest in Unterengstringen.

Das Weidstrassenfest in Unterengstringen.

Ly Vuong

Mit den Sätzen wie «Du hast mich gehütet» oder «Das weisse Pferd im Ortsmuseum haben wir in der Schule gebastelt» reiste beispielsweise eine 45-jährige Lehrerin zurück in ihre Vergangenheit. Der Satz «Dich kenne ich auch noch» versetzte sie dann wieder in die Gegenwart. Und so erfuhr sie die neusten Geschichten vom einstigen Nachbarn.

Heute stehen 16 Häuser an der Strasse

Die neuste Geschichte der Weidstrasse in Unterengstringen ist, dass sie am Samstag Schauplatz einer besonderen Zeitreise war. Anwohner Herbert Donzé hatte im Februar etwa 40 Einladungen an die heutigen und ehemaligen Anwohner sowie an den Gemeindepräsidenten und an Gemeindeangestellte verschickt, um ein Jubiläumsfest zu feiern.

Genau vor 50 Jahren entstand die Strasse, wo sich zuvor hauptsächlich Acker- und Weidland befunden hatten und heute 16 Häuser stehen. Ein einzelner Weg führte damals zum Landgut «Weid». Die Gemeinde Unterengstringen erwarb das Land von der Familie Hintermann und verkaufte die Parzellen an Privatpersonen, die alle um 1962 ihre Häuser bauten.

Das Zentrum der Weidstrasse bildete noch lange Zeit der Bauernbetrieb der Familie Käser. Erst 1978 wurde das Gut zu Wohnungen umgebaut, kurze Zeit später entstand auch das Ortsmuseum. Für das Fest führte Obmann Oscar Bamert die «Weidsträssler» durch das Museum und damit in die Vergangenheit Unterengstringens.

Erinnerung an den Bauernbetrieb

Die Augen von Ruedi Nitschké, einem ehemaligen Anwohner, leuchteten, als er von den Käsers erzählte. «Pro gefangene Maus bekamen die Kinder vom Bauern 50 Rappen. Sie durften auch jeweils von den Barilla-Spaghetti der italienischen Gastarbeiter der Gärtnerei Hoffmann kosten, die bei Käsers einquartiert waren», so Nitschké. Spaghetti seien damals noch exotisch und kaum verbreitet gewesen.

Gleiches galt damals auch noch für den Fernseher. 1963 hatte nur die Familie Steiner ein solches Gerät. So gingen alle Kinder jeweils am Mittwochnachmittag ins Haus Steiner, um «Lassie» oder «Fury» zu schauen, erinnerte sich Nitschké.

«Die Buchreihe «Wir Kinder von Bullerbü» von Astrid Lindgren erinnert mich an meine Kindheit, die sehr idyllisch war», meinte eine andere ehemalige Anwohnerin. Man habe auf dem Heuwagen gespielt. Mädchen seien auf Schweinen geritten. Das Eis auf dem Ententeich sei eingebrochen, beim Versuch darauf Schlittschuh zu laufen. In den 1950er- und 60er-Jahren lebten rund 35 Kinder an der Strasse, heute sind es nur noch 3. «Der Schulweg wurde oft zum Erlebnistrail», erzählte der pensionierte Lehrer Donzé. Heute wünschten sich viele Anwohner, wieder vermehrt Kinderlärm in der Strasse.

Aktuelle Nachrichten