Spital Region Oberaargau
Das Spital Region Oberaargau behauptet sich im freien Wettbewerb

Wie bewegt sich die Spital Region Oberaargau AG (SRO AG) im freien Wettbewerb? Direktor Andreas Kohli beantwortete diese Frage. Zuhörer waren die Kunden der Firma Accontax. Eingeladen hatte Inhaber Markus Gfeller zum 12. Sommerapéro.

Urs Byland
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SRO-Direktor Andreas Kohli macht mit seinem Spital einen riesigen Wandel durch, der auch Lichtblicke mit sich bringt, wie etwa der Spatenstich zum grossen Spitalumbau im letzten September.

SRO-Direktor Andreas Kohli macht mit seinem Spital einen riesigen Wandel durch, der auch Lichtblicke mit sich bringt, wie etwa der Spatenstich zum grossen Spitalumbau im letzten September.

H. Bärtschi

Wie bewegt sich nun die SRO AG im Wettbewerb? «Sehr gut», sagt Kohli. Der erste Quartalsabschluss sei aufgrund wachsender Patientenzahlen noch nie so gut gewesen wie in diesem Jahr, in dem das Spital keine Subventionen mehr erhält. Und auch der Semesterbericht verspreche gut zu werden.

Aber die Zeiten hätten sich geändert, seit die Spitäler am 1. Januar in die finanzielle Selbstständigkeit entlassen wurden und nun «wie Sie», so Kohli zu den zuhörenden Unternehmern, wirtschaften müssen. Zirka 10 bis 12 Millionen Franken muss die SRO AG wegen sinkenden Tarifen und ausfallenden Subventionen im Vergleich zum Vorjahr kompensieren. Dies bei einem bisherigen Umsatz von über 135 Millionen Franken.

Subvention fällt weg

Wie kommt Kohli auf diese Zahlen? «Bisher profitierten wir von einer Subvention durch den Kanton von 4 bis 6 Millionen Franken.» Dieser «Fallschirm», wie er intern genannt wurde, ergab sich aus der Differenz zwischen den vertraglich abgemachten Leistungen mit dem Kanton und den wirklichen Leistungen im Spital. Dieser «Fallschirm» fällt nun weg. Zudem wird das Geld, das die SRO AG vom Kanton (55 Prozent) und den Versicherern (45 Prozent) erhält, nur noch pro Fall abgerechnet.

Jeder Fall hat eine bestimmte Pauschale (Baserate) als Grundlage. Für eine Blinddarmoperation erhält die SRO AG beispielsweise aktuell 5740 Franken. 2010 waren es noch 6348 Franken und nächstes Jahr sind es noch 5690 Franken. «Die Reduktion innerhalb den letzten vier Jahren betrug gut 10 Prozent», so Kohli. Oder, wie sein Team ausgerechnet hat, 6,9 Millionen Franken jährlich. Der Druck auf diese Baserates ist natürlich enorm, insbesondere von den Versicherern, aber auch von anderer Seite. «Das sind politische Preise. Hier reden oft Leute mit, die von der Sache wenig Ahnung haben.»

Eine Herausforderung für die SRO AG ist aber auch der Wettbewerb mit Mitstreitern im Kanton und über die Kantonsgrenzen hinweg. So ist die grafische Darstellung des Einzugsgebietes nicht etwa ein Kreis sondern eine Ellipse. Richtung Huttwil (Kanton Luzern) oder Jura (Kanton Solothurn) sei die Konkurrenz geringer, der Kreis des Einzugsgebietes also breiter. Richtung Aargau und Richtung Stadt Bern sei der Druck grösser. «Es ist erstaunlich, wie viele Menschen aus dem Oberaargau ein Spital in Bern vorziehen.» Und ebenso aufschlussreich ist es zu verfolgen, wie viele Kinder in

Rothrist zur Welt kämen und nicht in Langenthal.

Im Zusammenhang mit dem Übergang in den freien Wettbewerb müssten die tief greifenden Wandlungen bei der SRO AG im letzten und in diesem Jahr gesehen werden, so Andreas Kohli. So wurde der Standort Spital Niederbipp aufgehoben und in ein Gesundheitszentrum umfunktioniert. «Dadurch haben wir 4 bis 5 Millionen Franken eingespart.» Weiter wurden insgesamt 50 Stellen abgebaut. Die Bettenauslastung müsse gesteigert werden, das heisst mehr Behandlungen müssen durchgeführt werden.

«Wir können mit dem gleichen Personalbestand sicher 100 oder 200 Personen mehr behandeln.» Deshalb würde die Zusammenarbeit mit Belegärzten forciert. Zudem hat die SRO AG neue Arztverträge abgeschlossen. «Verträge, in denen die Sicht des Gesamtunternehmens im Vordergrund steht.» Kohli will zudem Fachgebiete wie Urologie, Wirbelsäulenchirurgie und Orthopädie ausbauen oder hat diese bereits ausgebaut.

«Im Vergleich mit der Industrie sind wir klar im Rückstand.» So werde erst jetzt der Einkauf stärker zentralisiert oder ein einheitlicher Personalprozess geschaffen. Den Kulturwandel von einem staatlich abgesicherten Betrieb in einen Betrieb, der der freien Wirtschaft unterliegt, bezeichnet Kohli als sehr gross.

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