Rauchverbot
Das Rauchverbot kommt besser an als erwartet

Drei Berufsmaturandinnen analysieren die Auswirkungen des Gesetzes auf die städtische Gastronomie. Ihr Fazit: Nicht alle finden das Rauchverbot schlecht.

Tobias Granwehr
Merken
Drucken
Teilen
Eva Schuler, Anja Wüthrich und Anja Lanz (von links) haben in Langenthal die Auswirkungen des Rauchverbots untersucht. tg

Eva Schuler, Anja Wüthrich und Anja Lanz (von links) haben in Langenthal die Auswirkungen des Rauchverbots untersucht. tg

Solothurner Zeitung

Was in der Schweiz seit dem 1. Mai dieses Jahres gilt, ist im Kanton Bern schon seit bald eineinhalb Jahren Tatsache: das Rauchverbot in Bars und Restaurants. Für drei Maturandinnen der Kaufmännischen Berufsschule Langenthal Grund genug, die Auswirkungen des Rauchverbots auf die Gastronomie zu untersuchen. Eva Schuler, Anja Wüthrich und Anja Lanz wählten dieses Thema für ihre interdisziplinäre Projektarbeit, die sie in ihrem letzten Lehrjahr schreiben.

Sie beschränkten sich dabei auf das Stadtgebiet Langenthals. «Uns interessierten die Auswirkungen des Rauchverbots und die Stimmung bei den Wirten», erklärt Schuler die Beweggründe der Gruppe für ihr Wunschthema. «Die von der Schule vorgegebenen Themen haben uns dagegen nicht angesprochen», sagt Lanz. Sie könnten hinter dieser Arbeit stehen, so die 23-Jährige. Die 21-jährige Wüthrich ergänzt: «Es ist ein Thema, das einen im Alltag begleitet und das man gut im Freundeskreis diskutieren kann.»

Restaurants und Bars befragen

Die drei jungen Frauen hatten von Ende August bis am 10. Dezember Zeit, ihre Arbeit fertigzustellen. Es sei knapp geworden, sagt Wüthrich. Einerseits wollten sie verschiedene Besitzer von Langenthaler Restaurants und Bars befragen, andererseits die Meinung der Bevölkerung einholen. Dazu stellten sie zur Einleitung die nationalen und kantonalen Rauchergesetze vor und erklärten die verschiedenen Initiativen, die zurzeit unterwegs sind. So hat etwa die Lungenliga eine Volksinitiative für ein Rauchverbot in allen öffentlichen Räumen eingereicht.

«Schliesslich stellten wir eine These auf: Das Rauchverbot hat negative Auswirkungen auf die Langenthaler Gastronomie», erklärt die 19-jährige Schuler. Diese These galt es also, mit der Arbeit zu bestätigen oder zu widerlegen. Die Gruppe arbeitete zwei Fragebogen aus, einen für die Bevölkerung, einen zweiten für Gastrobetriebe. Die drei Frauen befragten in der Folge etwa
80 Personen. Dazu wählten sie sieben Restaurants und sechs Bars aus. Die Maturandinnen stellten fest: Das Rauchverbot hat auf Restaurants und Bars unterschiedliche Auswirkungen.

Laut Lanz sind kleinere Gastrobetriebe stärker betroffen als grössere Restaurants. «Es kommt aber auch darauf an, welche Kundschaft der Betrieb anspricht», sagt sie. Schuler ergänzt: «Einige Wirte erzählten uns, die Stimmung sei seit dem Rauchverbot anders. Offenbar bleiben viele Kunden weniger lange in Restaurants oder Bars.» Kleinere Betriebe hätten zudem nicht die Möglichkeit, Fumoirs zu bauen, sagt Wüthrich. Die Erfahrungen mit Fumoirs seien sowieso unterschiedlich. «Einige sind zufrieden, andere Wirte sagen, die Raucherzonen würden zu wenig genutzt.» Es gebe Wirte, die zwar Verständnis hätten für die Nichtraucher. «Wirtschaftlich gesehen sind aber trotzdem viele gegen das Rauchverbot», sagt Lanz.

Mehrheit befürwortet das Gesetz

Die Antworten der Bevölkerung sind weniger differenziert: «Einige Raucher fühlen sich durch das Rauchverbot zwar diskriminiert. Die grosse Mehrheit befürwortet jedoch das Gesetz», sagt Lanz. Wüthrich ist der Meinung, das Rauchverbot sei für die meisten Leute gar nicht so schlimm. Das Thema werde in der Öffentlichkeit dramatisiert. Die drei Frauen erwarteten jedenfalls mehr negative Reaktionen. «Unsere These hat sich deshalb nur teilweise bestätigt», sagen sie unisono.

Während der Projektarbeit haben Anja Wüthrich, Anja Lanz und Eva Schuler nach eigenen Angaben viel gelernt: «Mit uns trafen drei verschiedene Persönlichkeiten aufeinander. Das war nicht immer einfach», sagt Wüthrich. Man müsse Kompromisse eingehen können, ergänzt Schuler. «Ich habe gelernt, Meinungen der anderen zu akzeptieren. Schliesslich hatten wir alle das gleiche Ziel», so Wüthrich. Obwohl sie die Note für ihre Projektarbeit noch nicht wissen, haben sie ein gutes Gefühl. «Es sieht gut aus. Man merkt, dass viel Arbeit dahintersteckt. Wir sind jedenfalls stolz drauf», sagt Lanz. Noch ist die Arbeit allerdings nicht ganz getan: Nächste Woche folgt noch die öffentliche Präsentation in der Schule.