Kommentar
Das gefährliche Einzelfall-Gesäusel

David Egger
David Egger
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Wie hoch soll die Strafe für Raser sein? Der Bundesrat schlägt vor, das Prinzip der Mindeststrafe abzuschaffen, zumindest für einzelne Fälle. (Symbolbild)

Wie hoch soll die Strafe für Raser sein? Der Bundesrat schlägt vor, das Prinzip der Mindeststrafe abzuschaffen, zumindest für einzelne Fälle. (Symbolbild)

Keystone/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Wenn bürgerliche Politiker ins Einzelfall-Gesäusel einstimmen, das sie sonst bei der Linken kritisieren, dann kann es nur um eines gehen: das Auto. Wenn CVP, FDP und SVP aber den Raser-Artikel abschwächen oder streichen wollen, ist das ein gemeingefährlicher Fehlgriff der üblen Kuschel-Sorte. Es gibt keine gute Ausrede dafür, innerorts 100 km/h zu fahren, zum Beispiel mitten in Dietikon, wo es viele Fussgänger hat – darunter auch nicht mehr ganz so rüstige Senioren, Mütter und kleine Kinder, die auf die Rücksicht von Auto- und Velofahrern angewiesen sind, damit die Mobilität keine Leben kostet.

Doch es gibt diesen Einzelfall, mag sich jetzt der Raser-Lobbyist denken. Falls dem so wäre, könnte man diese Ausnahme ins Gesetz schreiben. Etwa so: Nicht als Raser gilt, wer eine Frau mit 100 km/h innerorts zum Spital fährt,
da sie in den Wehen ist. Gefährlich wäre eine solche Fahrt gleichwohl.

Der Raser-Artikel sorgt für die Sicherheit aller Autofahrer – die allermeisten sind vernünftig und bedienen ihr Gaspedal so, wie es das Gesetz verlangt. Als die Raser in den 2000er-Jahren Angst und Schrecken verbreiteten und einen Menschen nach dem anderen den Familien und Freunden entrissen, war der Fall sonnenklar. Und jetzt nicht mehr?

Hat die Kuschler-Allianz Erfolg, ist auf ein Referendum zu hoffen. Das Volk stimmt dann ins Einzelfall-Gesäusel ein oder sieht jene, die innerorts 100 km/h fahren, als das an, was sie sind: gemeingefährliche Täter, die mit harten Strafen zur Besinnung zu bringen sind.