Elektro-Autos
Das Elektro-Auto löst kein Verkehrsproblem

Eine Veranstaltung der Schweizerischen Energiestiftung und der Parlamentariergruppe Peak Oil stellte die Frage, ob Elektro-Autos unsere Verkehrsprobleme lösen könnten. Die Antwort der Experten war: nein.

Christoph Bopp
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Keystone

«Wir mussten das Thema nicht ändern», sagte Nationalrat Geri Müller in Anspielung auf die Ereignisse in Japan. «Der Verkehr ist aber – wie der Atomstrom – auch ein Tabuthema. Wir glauben, die Gesellschaft soll das irgendwie organisieren.»

Die Frage der Veranstaltung der Schweizerischen Energiestiftung und der Parlamentariergruppe Peak Oil war, ob Elektro-Autos unsere Verkehrsprobleme lösen könnten. Die Antwort der beiden Experten, ETH-Professor Lino Guzzella und Verkehrsexperte Axel Friedrich, war erwartungsgemäss: nein. 1 Milliarde Autos fährt herum, in den reichen Ländern ein halbes pro Mensch. Rund 3Milliarden Menschen haben noch kein Auto, wollen aber eines. Dass China bereits Nummer 2 in der Rangliste der Autoproduzenten ist, hinter Japan noch, aber vor den USA und Deutschland, zeigt auch, dass dies realistisch ist. Der Energieverbrauch für den Verkehr werde sich verdoppeln, sagte Guzzella, «und wir wissen nicht, woher wir die nehmen sollen». Die Folgerung, die auf der Hand liegt: Autos, die dreimal mehr mechanische Energie benötigen, um bewegt zu werden, als nötig wäre, «müssen aussterben».

«30 PS müssen reichen»

Leichter müssen die Autos werden und kleiner die Motoren. Der Trend läuft in der Gegenrichtung. «Ohne Schmerzen wirds nicht gehen.» Ein Eco-Auto mit maximal 800Kilogramm Gewicht und einem Verbrauch von 2,4Liter Treibstoff statt 6,8Liter wie bisher, das lässt sich sowohl physikalisch machen wie auch mit den Ansprüchen verbinden, die man an ein «richtiges Auto» stellt. «30PS müssen reichen.» Konzessionen an Reichweite und Verfügbarkeit zu verlangen, sei viel schwieriger.

Damit war dem Elektro-Auto das Urteil gesprochen. Keine Batterie vermag flüssigen Kohlewasserstoffen und dem Verbrennungsmotor die Stange halten. Die Energiedichte von Benzin oder Diesel ist schlicht zu hoch. Und das Beispiel der Batterie, die eine Tonne wiegen müsste, um das Äquivalent von 40 Litern Benzin in einem Fahrzeug zu liefern, folgte zuverlässig.

Verkehrsexperte Friedrich hatte andere Prioritäten, wollte das E-Auto aber auch nicht retten. «Ein Placebo» sei das Elektromobil. Der ganze Verkehr sei nicht nachhaltig. «Autos gehören nicht in die Städte. Der nicht motorisierte Verkehr muss nicht gefördert werden, er muss Vorrang haben.» Weniger Autos, den Individualverkehr eindämmen, wenn nötig mit Gesetz, Überzeugung reiche nicht.

Strom statt Benzin suggeriert uns die Werbung. Das könne es nicht sein, sagte Geri Müller abschliessend. «Wir können die Auto-Mobilität nicht einfach umstellen.» Das machte die Veranstaltung auch deutlich. «Es ist jetzt kaum der richtige Weg, jetzt neue Stromkonsumenten zu suchen», knüpfte Guzzella an die Debatte an. Nur: «Bei der Mobilität haben wir übertrieben.» Wie kann man das ändern? Der Wechsel von der chemischen auf die elektronische Fotografie sei auch in ein paar Jahren gelungen. «Aber die Ökonomie muss stimmen.»