Zürich
Das Dolder Grand erholt sich langsam, aber stetig

Das Traditionshaus am Adlisberg schreibt weiterhin rote Zahlen. Aber immer ein bisschen weniger. Die Zahl der Übernachtungen nimmt stetig zu. Mittlerweile gibt es wieder eine solide Stammgastbasis.

Sophie Rüesch
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So schön ist das Zürcher Dolder Grand Hotel
14 Bilder
Über der Reception hängt ein Bild von Andy Warhol.
Der neue Direktor vor dem berühmten Hodler: Mark Jakob leitet das Hotel seit Anfang 2013. Dabei ist er schon seit 2007.
The Restaurant: Hier erkochte sich Heiko Nieder 18 Gault-Millau-Punkte und 2 Michelin-Sterne.
Im Weingestell des Restaurants liegen einige edle Tropfen.
In der Empfangshalle werden die Spuren von Ostern beseitigt.
Im Keller stehen genügend Vasen für die vielen Blumenarrangements bereit.
Hier werden die gewaschenen Arbeitsuniformen, die durch Chips persönlich gekennzeichnet sind, abgeholt werden.
EIne Armee von Room-Service-Wagen wartet auf die Auslieferung.
Der Ausblick aus der Maestro Suite.
Die Maestro Suite ist mit 14600 Franken pro Nacht die teuerste im Haus.
Ein Zimmer in der Maestro Suite.
Flügel und Treppe in der zweistöckigen Maestro-Suite.
Der Spabereich umfasst 4000 Quadratmeter und ist mehrfach ausgezeichnet.

So schön ist das Zürcher Dolder Grand Hotel

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Das Dolder Grand erwischte für seine Neueröffnung einen denkbaren schlechten Zeitpunkt: Als das Luxushotel vor fünf Jahren am 3. April 2008 nach vierjährigem Um- und Neubau seine Türen wieder öffnete, stand die Finanzkrise vor der Türe. Die ersten Jahre bezeichnet der neue Direktor Mark Jacob, der seit Januar die zur Dolder Hotel AG gehörenden Betriebe Dolder Grand, Dolder Waldhaus und Dolder Sports führt, denn auch als «ruppige, schwierige Phase».

Die AG verzeichnete tiefrote Zahlen, mehr als die Hälfte der Zimmer stand leer. So hatte sich das der Besitzer und Mehrheitsaktionär Urs E. Schwarzenbach, der sich den Umbau 440 Millionen Franken kosten liess, wohl nicht vorgestellt.

Doch langsam erholt sich das Zürcher Wahrzeichen am Adlisberg wieder - zumindest was das operative Geschäft betrifft. Die Zahl der Übernachtungen nimmt stetig zu, der Gesamtverlust, der mittlerweile hauptsächlich auf Zinszahlungen und Abschreibungen der Bauinvestitionen zurückzuführen ist, wird jedes Jahr ein bisschen kleiner. Auch mit internationalen Gästen wie den Clintons, Prinz William, Leonardo DiCaprio oder gerade eben Justin Bieber habe man «wieder an die glorreichen, fast mythischen Zeiten» des 1899 erbauten 5-Sterne-Hotels anknüpfen können, so Jacob.

Suiten gibt es fast zu wenige

Trotzdem wird der teure Um- und Neubau, der durch den Londoner Stararchitekten Norman Foster durchgeführt wurde, die Dolder Hotel AG noch lange beschäftigen. «Es wird noch Jahrzehnte dauern, bis wir schwarze Zahlen schreiben können», so Jacob. Dazu wird der anstehende Neubau des in die Jahre gekommenen Waldhauses kommen. Baubeginn ist voraussichtlich 2016.

Doch vorerst freut sich Jacob über das vergleichsweise gute Jahresergebnis für 2012. «Es brauchte seine Zeit, sich neu zu etablieren und Gäste zu finden», sagt er. Mittlerweile habe man wieder eine solide Stammgastbasis, und vor allem die Luxussuiten seien sehr gut ausgelastet. «Von denen haben wir fast zu wenig», so Jacob. Abhilfe soll im Sommer 2014 die neue Suite im Golfflügel schaffen, die mit 455 Quadratmetern noch grösser wird als die Maestro Suite, die mit 14600 Franken pro Nacht die teuerste im Haus ist.

Nicht nur bei den Übernachtungen konnte das Dolder vorwärtsmachen. Vor allem an Wochenenden werde das Traditionshaus auch bei Städtern immer beliebter, die Angebote wie den Sonntagsbrunch, das Spa und die Anlagen des Dolder Sports nutzen. Auch bei den sogenannten Long Stay Guests bemerkt Jacob Zuwachs: «Wir haben Gäste, die eine Suite bis zu einem Jahr buchen».

Jeder Wunsch wird erfüllt

Das kann sich nicht jeder leisten. Doch das Dolder Grand ist auch dazu da, Wünsche zu bedienen, die das Vorstellungsvermögen von Normalverdienenden übersteigen. «Wir versuchen, alle Wünsche zu erfüllen - ausser solche, die andere Gäste beeinträchtigen könnten», sagt Jacob. So erinnert sich der neue Direktor daran, wie einmal auf die Schnelle eine komplette Küche in ein Zimmer eingebaut wurde, weil der Gast - auch ein Langaufenthalter - selber kochen wollte. Als der Gast ging, wurde sie wieder abgebaut.

Auch eine arabische Reisegesellschaft, die um Mitternacht mit 300 Gepäckstücken ankam, wird ihm in Erinnerung bleiben. Die 35 Personen, von denen 25 Bedienstete waren, hätten das Personal in dieser Nacht ganz schön auf Trab gehalten. Der häufig geäusserte Wunsch, das Spa für sich alleine zu haben - dem ausserhalb der Öffnungszeiten auch nachgekommen wird - wirkt dagegen fast ordinär.