Euro 2012
Darum machte Mario Balotelli den King Kong

Nach dem Sieg gegen Deutschland ging das Bild von Mario Balotelli als posierender Gorilla um die Welt. Ein ziemlich cooles Bild - mit einem politischen Hintergrund.

Pedro Lenz
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Mario Balotelli nach dem Sieg im Halbfinal geegn Deurtschland

Mario Balotelli nach dem Sieg im Halbfinal geegn Deurtschland

Keystone

«Nein zum multiethnischen Italien», das war noch das harmloseste Plakat, mit dem in italienischen Fussballstadien jahrelang gegen den Jungstar Mario Balotelli Stimmung gemacht wurde. Der Mann schwarzer Hautfarbe, der als Bub von einer italienischen Familie adoptiert wurde und demnach als Italiener in Italien aufgewachsen ist, musste sich jeden rassistischen Unfug gefallen lassen. Erst, als er nach England zu Manchester City wechselte, liessen die fremdenfeindlichen Attacken etwas nach.

Der bislang letzte Höhepunkt in einer langen Reihe von Demütigungen gegen den Stürmer war eine Karikatur in der berühmten «Gazzetta dello Sport», in der Balotelli vor einer Woche als King Kong dargestellt wurde, als überdimensionierter, schwarzer Affe also.

Konterkarikatur des King Kong

Seine Pose nach dem 2:0 gegen Deutschland war nichts anderes, als die Aussage: «Seht her, Rassisten, hier stehe ich so, wie ihr mich gezeichnet habt!» Inzwischen hat sich die Zeitung beim Doppeltorschützen des Halbfinals für die Karikatur entschuldigt. Balotelli musste erst zwei blitzsaubere Tore gegen Deutschland erzielen, bis ihm als Fussballer in seinem Heimatland etwas Respekt entgegengebracht wurde. Aber wer weiss, wie lange dieser Respekt anhält. Falls er heute Abend im Final gegen Spanien versagt, ist er für viele, die ihm jetzt noch zujubeln, wieder der schwarze Affe, den man verhöhnen und verspotten kann.

Rassistische Vorurteile der eigenen Fans gegen Landsleute, die nicht die gleiche Herkunft haben, ist ein verbreitetes Phänomen. Besonders in Online-Kommentar-Foren, jenen Tummelwiesen anonymer Feigheit, sind fremdenfeindliche Sprüche keine Seltenheit. Das Problem betrifft nicht bloss Italien. Auch Schweizer Fussballer, deren Vorfahren erst nach dem Rütlischwur zugewandert sind, müssen sich immer wieder einiges gefallen lassen.

Der grosse Boxer Muhammad Ali begegnete den rassistischen Vorurteilen seiner Landsleute mit einem übersteigerten Selbstbewusstsein. Je schlimmer er beschimpft wurde, desto lauter deklamierte er sein legendäres: «I’m the Greatest!». Er gewinne seine Kämpfe, weil er so gut aussehe, pflegte Ali zu sagen. Mario Balotelli ist nicht so wortgewandt, wie es Muhammad Ali war. Deshalb spricht der Italiener zuweilen mit dem Körper. Die Pose nach seinem zweiten Tor am letzten Donnerstag in Warschau möge als antirassistisches Statement in die Sportgeschichte eingehen.

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