Villa Flora
Darum ist es nicht Winterthurs schwarzer Kunsttag

Winterthurs Stadtpräsident Michael Künzle will die Villa Flora in wenigen Jahren wieder eröffnen. Den Bernern gönnt er die Sammlung Hahnloser/Jäggli – zumindest in der Zwischenzeit.

Marc Leutenegger
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Das ist die Villa Flora in Winterthur

Das ist die Villa Flora in Winterthur

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Herr Künzle, ist heute ein schwarzer Tag für die Museumsstadt Winterthur?

Michael Künzle: Gar nicht. Es ist ein guter Tag. Gemäss Stiftungszweck muss der Stiftungsrat der Hahnloser/Jäggli- Stiftung die Bilder zeigen. In Bern hat er eine Möglichkeit gefunden, das zu tun, bis wir in Winterthur bereit sind, die Sammlung zurückzunehmen. Ich sehe das so: Die Sammlung hängt ihrer Europatournee jetzt noch eine Schweizer Station an.

Ein Tournee-Abschluss mit einer Vertragslaufzeit von 15 Jahren?

Wir machen vorwärts in Winterthur, unser Ziel ist es nach wie vor, die Villa Flora wieder zu eröffnen. Und wenn wir parat sind, dürfen wir die Werke zurückholen.

15 Jahre deuten nicht darauf hin, dass man mit einer raschen Winterthurer Lösung rechnet.

Das würde ich in die Vertragsdauer nicht hineinlesen. Der Stiftungsrat braucht eine langfristige Sicherheit. Unser Ziel ist es, die Villa Flora in den nächsten Jahren wieder zu öffnen.

Michael Künzle, Stadtpräsident Winterthur «Unser Ziel ist es, die Villa Flora in den nächsten Jahren wieder zu öffnen.»

Michael Künzle, Stadtpräsident Winterthur «Unser Ziel ist es, die Villa Flora in den nächsten Jahren wieder zu öffnen.»

ZVG

Können Sie ein Datum nennen?

Nein, das kann ich nicht, da es von vielen Faktoren abhängt.

2013, als das Projekt für die Villa Flora sistiert wurde, sprachen Sie von einer Pause für ein Jahr. War diese Aussage ein Fehler?

Man sollte keine zeitlichen Vorgaben machen, wenn so viel Politik reinspielt. Die Verantwortlichen der Villa Flora haben die Chance der Sistierung genutzt. Die Europatournee ist ein absoluter Erfolg. Die Villa Flora erfährt damit sehr viel internationale Aufmerksamkeit, von der wir künftig profitieren können.

Ist es nicht eher die Stadt Bern, die jetzt den Lohn dieser Aufmerksamkeit einstreicht?

Auf der Tournee wurde dem Publikum immer der Film über die Villa Flora gezeigt. Jetzt weiss man in Europa, dass die Werke zu Winterthur gehören. Ich mag es Bern gönnen, dass sie die Bilder zeigen dürfen, aber letztlich kommen sie zurück nach Winterthur.

Haben Sie nicht versucht, den Wegzug aufzuhalten?

Ich habe nichts gegen diese Lösung. Es ist sinnvoll, dass die Werke nicht im Depot verschwinden, und man die Chance nutzt, sie zu zeigen. Natürlich hatte ich mit der Stiftung Kontakt und wir haben darüber gesprochen, wie die Zukunft aussieht. Für mich war die Rückzugsklausel entscheidend. Und die haben wir jetzt.

Mit dem Wegzug wächst der Druck auf Winterthur – Kalkül?

Das glaube ich nicht, der Stiftungsrat wird getrieben durch die Stiftungsaufgabe. Was für uns jetzt ansteht, ist der Entscheid des Regierungsrates über das Museumskonzept. Damit geht der Entscheid über die Villa Flora einher. Ich bin überzeugt, dass der Regierungsrat die Bedeutung der Sammlung für Winterthur erkennt.

Es geht dabei vor allem um Geld, darum, mit welchen Mitteln der Kanton die Museen in Winterthur unterstützt.

Richtig. Es soll aber auch ein Bekenntnis der Zürcher Regierung zur Kulturstadt Winterthur sein.

Der Betrieb der ausgebauten Villa Flora würde die Stadt jährlich 600 000 Franken mehr kosten, hiess es bisher. Ist diese Zahl noch gültig?

Die Zahlen wurden im aktuellen Gesuch noch einmal überprüft. Sowohl der Kanton wie die Stadt werden etwas mehr mitfinanzieren müssen. Wir müssen dem Regierungsrat nun die nötige Zeit geben, das Gesuch zu prüfen und zu entscheiden. Druck will ich keinen machen. Die Fachleute des Kantons haben positive Signale gegeben zu unserem Dreihäuserkonzept mit dem Museum Oskar Reinhart, dem Kunstmuseum und der Villa Flora.

Braucht es nur einen Regierungsrat in Gönnerlaune und die Villa Flora wird wiedereröffnet?

Da müssen wir realistisch bleiben. Man muss die Villa sanieren, den Anbau erstellen und die nötigen Finanzentscheide bei der Stadt fällen. Das dauert einige Jahre. Aber wenn wir den Entscheid aus Zürich haben, kann es in grossen Schritten vorwärtsgehen.

Die Sammlung hätte vorübergehend auch im Kunstmuseum Winterthur gezeigt werden können. Warum ist es nicht dazu gekommen?

Wir haben definitiv zu wenig Platz im Kunstmuseum. Nur schon Teile der Sammlung auszustellen, wäre schwierig gewesen.

Haben nicht die letzten Jahre gerade gezeigt, dass kurze thematische
Ausstellung auf mehr Interesse
stossen als Dauerausstellungen einer Sammlung?

Das ist richtig. Man kann auch aus dem Bestand der Hahnloser/Jäggli-Stiftung heraus interessante Ausstellungen machen. Das wurde in den letzten Jahren bewiesen. Trotzdem: Wir haben aktuell zu wenig Platz, um einen grossen Teil der Sammlung im Kunstmuseum zu zeigen. Die Diskussionen über die Zukunft des Kunstmuseums laufen. Wir dürfen gespannt sein, wie das Konzept aussieht, wenn mit Konrad Bitterli nächstes Jahr ein neuer Direktor übernimmt.

Dieter Schwarz, der langjährige Leiter des Kunsthauses, gehört zu denen, welche die Sammlung Hahnloser/Jäggli nicht ganz so hoch einschätzen. War er ein Grund, warum es für die Sammlung keine hiesige Lösung gab?

Dieter Schwarz hatte immer den Wunsch, dass der ganze Bestand ins Kunstmuseum kommt. Er sieht aber auch, dass dafür kein Platz vorhanden ist. Vor diesem Hintergrund waren seine Kritik und die qualitative Einschätzung der Sammlung für mich etwas irritierend.