Bergdietikon
Damit es nicht stinkt, werden Gift und Schmutz aus Kanalisation gepumpt

650 Schächte sind gereinigt worden – erstmals mit einer 850 000 Franken teuren Maschine.

Bastian Heiniger
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Neue Maschine hilft bei Kanalisationsreinigung in Bergdietikon
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Das schmutzige Wasser jagt durch den Schlauch in den Bauch des gelben Reinigungsfahrzeugs.
Das neue Fahrzeug ist seit drei Jahren im Einsatz
Andy Keusch reinigt seit 16 Jahren Kanalisationen

Neue Maschine hilft bei Kanalisationsreinigung in Bergdietikon

Bastian Heiniger

Ein riesiger Rüssel taucht hinunter in den trüben Strassenschacht. Es beginnt zu zischen und rauschen, schmutziges Wasser jagt durch den Schlauch direkt in den dröhnenden Bauch des gelben Reinigungsfahrzeugs. «400 Liter in weniger als einer Minute», sagt Andy Keusch, der seit 16 Jahren Schächte reinigt. Das sind etwa drei Badewannen.

Diese Woche war Keusch in Bergdietikon unterwegs. Dabei kam erstmals eine mobile Kläranlage zum Einsatz. Während sechs Tagen fuhr das lastwagengrosse Reinigungsfahrzeug durch die gesamte Gemeinde. Insgesamt saugte es das Wasser von 650 Schächten hoch und pumpte umgehend frisch gereinigtes Wasser zurück.

Das war früher anders: Wenn die Gemeindearbeiter das Wasser ersetzen wollten, mussten sie das Schmutzwasser in einer Sammelstelle entsorgen und die Schächte mit neuem Wasser füllen. Ein grosser Aufwand. Meistens entfernte die Gemeinde nach dem Absaugen nur Schwemmholz und Steine. Das Schmutzwasser ging zurück in den Schacht. Nun geht es schneller. «Im Vergleich zu früher sind es Welten», sagt Peter Schmid vom Werkhof. Künftig müssten sie dank des sauberen Wassers wohl weniger ausrücken, um einzelne Schächte zu reinigen. Schmid begleitet Keusch und zeigt ihm, wo überall gereinigt werden muss.

Mit Chemie gegen Schmutz

Die Änderung kam aber vor allem auf Druck des Kantons. Dieser gab vor, dass die sogenannten Schlammfänger nach der Reinigung nun immer mit sauberem Wasser gefüllt werden sollen – damit keine Schwermetalle und toxische Stoffe in die Kanalisationen gelangen können.

Die Gemeinde beauftragte deshalb für 23 600 Franken ein externes Unternehmen. Dieses sei ein Pionier auf dem Gebiet der Kanalreinigung, sagt Peter Schmid. Schweizweit gäbe es erst sechs dieser 850 000 Franken teuren mobilen Kläranlagen.

Das neue Reinigungsverfahren ist simpel: Der Sauger bringt das Schmutzwasser in einen Tank. Bevor es in einen Zweiten gepumpt wird, filtert eine Bürste Blätter, Holz und Steine heraus. Danach wird das Wasser mit Flockungsmittel angereichert – eine biologisch abbaubare Chemikalie, die den Schmutz im Wasser bindet. Der Schmutz sinkt ab und wird unten gesammelt. Das gereinigte Wasser gelangt sodann in einen dritten Tank, von wo es wieder in den Schacht zurückgespült wird.

In Windeseile könne er dadurch einen Schacht entleeren und wieder füllen, sagt Keusch. Denn während er von der einen zur anderen Stelle fährt, reinigt das Fahrzeug ständig das abgepumpte Wasser. «Es ist dann fast so frisch wie Valserwasser», sagt er. Eigentlich könnte man es ins öffentliche Gewässer zurückfliessen lassen. Keusch weiss, wovon er spricht, entnimmt er doch jeweils Wasserproben, die er direkt auswertet und für drei Tage aufbewahren muss. Einmal im Monat schickt er ausserdem Proben an die kantonale Umweltstelle, die das Wasser auf Schadstoffe prüft.

Damit kein Gestank hochkommt

Wieso aber müssen die Schächte überhaupt mit Wasser gefüllt sein? Dafür gäbe es zwei Gründe, sagt Schmid. Bei einem Unfall könne dadurch kein Öl in die Kanalisation gelangen, zweitens komme dank des Wassers kein Gestank von der Kanalisation herauf.

Bei der Hinterweid stossen die Beiden auf einen Schacht voller Bauschutt; schwarzer Schlamm statt Wasser. Nun ist Keusch gefordert. Vorsichtig lässt er den Sauger hinunterfahren. Die Steuerung hat er umgeschnallt wie einen Gürtel. Dann beginnt der Rüssel wieder zu schnauben und röhren. Mehrfach saugt sich an der Öffnung ein grosser Stein fest, von unten steigt ein strenger Geruch auf. Doch nach drei Minuten ist auch dieser Schacht geschafft. Und aufgefüllt mit frischem, glasklaren Wasser.

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