Manege
Circus Knie ein Jahr nach Tod von Clown Spidi wieder in Aarau – verfolgen Sie den Zelt-Aufbau im Zeitraffer

Der Zirkus Knie begrüsst seine Zuschauer in einem neuen Zelt. Zum Auftakt in Aarau jährt sich auch der Tod des Clowns Spidi.

Stefania Telesca
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Pünktlich um 6 Uhr morgens beginnen rund 100 Mitarbeiter des Zirkus Knie im Aarauer Schachen mit dem Aufbau des neuen Zelts. Die blau-weiss-roten Blachen werden ausgerollt und über mehrere Stunden aufgezogen. Seit gestern und bis Mittwoch gastiert der Zirkus in Aarau. Neben Wettingen, wo der Zirkus am 4. und 5. Juni zu Gast war, ist dies der einzige Spielort im Aargau. Das habe mehrere Gründe, erklärt Zirkusdirektor Fredy Knie junior: «Erstens ist das Reisen sehr teuer geworden. Wenn wir dann in einer Stadt zwei Tage stehen und es ist nicht optimal ausverkauft, rechnet es sich plötzlich nicht mehr.» Der Besuch in Aarau sei dieses Jahr doppelt so lange und der Vorverkauf sei sehr gut gelaufen. In Aarau wird sogar eine Zusatzvorstellung gespielt: «Ich glaube auch, dass die Leute mobiler geworden sind heutzutage. Früher, als der Zirkus noch kleiner und leichter war, ging man in jedes Dorf.» Insgesamt gastiert der Zirkus zwischen März und November in 33 Schweizer Städten.

Das neue Zelt bietet freie Sicht auf die Manege

Die Arbeiter entkamen beim frühmorgendlichen Aufbau gerade noch der Hitze. Die Temperaturen erreichten gestern mit 37 Grad wieder Höchstwerte. «Im Zelt selber ist es sicher kühler als draussen», sagt Fredy Knie. Während der Vorstellungen wird dieses mittels grosser Ventilatoren und Wasser heruntergekühlt. Die Gäste schätzten dies, während der letzten Hitzewelle gastierte der Zirkus in Luzern, das Zelt sei trotzdem immer voll gewesen, so Knie.

Es fasst 2340 Zuschauer und bietet zum ersten Mal in der 100-jährigen Geschichte des Zirkus von überall her freie Sicht auf die Manege. Zwei Stahlbögen, die bereits vor ein paar Tagen in Aarau aufgebaut wurden, halten das Zelt ausschliesslich von aussen. «Das Publikum merkt dies sofort, wenn es hereinkommt», sagt Fredy Knie. Es sei ein richtiges Gesprächsthema. Der Zirkus hat zwei solche Sets an Stahlbögen. So könne der Aufbau des Zeltes flexibler stattfinden. «Wenn die Bögen am Morgen bereits stehen, haben wir drei Stunden Arbeit gewonnen», so Knie.

Am Abend dann begrüssen die rund 250 Künstler und Mitarbeiter die Zuschauer in Aarau. Der Auftakt fällt mit dem ersten Todestag des beliebten Zirkusclowns Spidi zusammen. Genau vor einem Jahr nahm er sich hier in Aarau das Leben. Er war 24 Jahre lang Teil der Zirkusfamilie. Dieses tragische Ereignis könne man nie vergessen, sagt Fredy Knie, Spidi sei jeden Tag präsent. «Aber als wir hierhin fuhren, machte es mich erneut sehr traurig», fügt er an. «Man weiss genau, wo es passiert ist.»

Suizidgedanken: Hier erhalten Sie Hilfe

Diese Stellen sind rund um die Uhr da für Menschen in suizidalen Krisen und für ihr Umfeld:

- Beratungstelefon der Dargebotenen Hand: 143

- Beratungstelefon von Pro Juventute (für Kinder und Jugendliche): 147

- Weitere Adressen und Informationen gibt es unter: www.reden-kann-retten.ch

Adressen für Menschen, die jemanden durch Suizid verloren haben:

- Refugium – Verein für Hinterbliebene nach Suizid: www.verein-refugium.ch

- Nebelmeer – Perspektiven nach dem Suizid eines Elternteils: www.nebelmeer.net

Er und Spidi hätten ein besonderes Verhältnis gehabt. «Er stand beim Einlass und er begrüsste die Leute. Alle kannten und liebten ihn.» Ausserdem hätte Spidi ihm jeden Sonntag frisches Brot und eine französische Zeitung gebracht. «Einfach so. Ohne dass ich je gefragt hätte. Er war ein sehr hilfsbereiter Mensch.»

Komikerduo Giacobbo/ Müller packt mit an

Als besonderes Highlight führen das Komikerduo Viktor Giacobbo und Mike Müller durch das Abendprogramm der Jubiläumstournee. Die Kooperation habe sich gelohnt, sagt Knie. «Ich will nicht sagen, dass es nur deswegen ist. Ein 100-Jahre-Jubiläum ist für ein Familienunternehmen wie das unsere etwas Grosses und wir haben ein sehr treues Publikum.» Die Bilanz nach drei Monaten auf Tournee sei aber sehr gut: «Wir waren bis jetzt fast immer ausverkauft, oder zumindest zu 90 Prozent ausgelastet.» Ausserdem sei das Zirkusleben mit den beiden Komikern auch ausserhalb der Showzeiten sehr herzlich und unterhaltsam: «Mike Müller hilft hinter den Kulissen stets mit, er schnappt sich Besen und Schaufel, um den Kot eines Pferdes wegzuwischen, und greift auch sonst immer mit an«, erzählt Knie und lacht. Die Kooperation sei nicht aus dem Nichts entstanden: «Wir kennen einander schon sehr, sehr lange.»