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Christoph Eymann kommt gut an - auch bei anderen Parteien

Harmos, die Uni beider Basel und die Fachhochschulen: Christoph Eymann hatte viel Arbeit in den letzten Jahren. Bemerkenswert ist die Beliebtheit des Erziehungsdirektors. Kaum ein böses Wort ist über ihn zu hören.

Nicholas Drechsler
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Charmeur Eymann vergeht auch im Kreuzfeuer der Kritik das Lächeln nicht.

Charmeur Eymann vergeht auch im Kreuzfeuer der Kritik das Lächeln nicht.

Sven

Jemanden zu finden, der etwas Negatives über Christoph Eymann sagt, ist schwierig in der Basler Politlandschaft. Eymann wird von links bis rechts unisono als gewissenhafter Politiker gelobt, mit dem man sich nicht immer einig sei, aber immer diskutieren könne. Auch beim politischen Gegner sind die ersten Stichworte, die fallen «charmant», «dossiersicher», «angenehm» und «anständig». Christine Heuss, die freisinnige Präsidentin der grossrätlichen Bildungs- und Kulturkommission schätzt die Details: «Er bedankt sich, wenn die Kommission ein Geschäft abgeschlossen hat, ist aufmerksam und höflich. Ich schätze den Menschen Christoph Eymann sehr.»

Eymann wird geschätzt

Die einzigen, die Eymann hart kritisieren, scheinen jene anonym bleibenden Dreckschleudern zu sein, die seit Jahren im Internet gegen ihn agitieren. Eymann ist so beliebt, dass sogar SP-Präsident Martin Lüchinger fragte, ob er in zwölf Stunden zurückrufen könne, als die bz ihn nach einem kritischen Statement zu Eymann fragte. Die Kritik richtet sich vor allem gegen die Bürokratie im Erziehungsdepartement: «Wir haben den Eindruck, der Überbau und die Projektfülle im Erziehungsdepartement sind zu gross. Die Ressourcen gehören aber ins Schulzimmer zu den stark belasteten Lehrern», so Lüchinger.

Endlos-Projekt Harmos

Ein Geschäft, das Eymann durch seine Amtszeit begleitete, ist Harmos: Die Harmonisierung des Bildungsraums Nordwestschweiz war eine Sisyphusarbeit, die dennoch zu einem Ende kam. Hier galt es nicht nur zwischen linken und rechten Bildungsdirektoren zu vermitteln, sondern zwischen den unterschiedlichsten Ansprüchen der Standortkantone. Genauso wie die Etablierung der Fachhochschule der Nordwestschweiz, die nach wie vor immer wieder diplomatisches Austarieren zwischen den Standortkantonen fordert. Ein ähnlich schwieriges Dossier konnte 2006 mit der gemeinsamen Trägerschaft für die Universität Basel ad acta gelegt werden.

Geduldig ans Uni-Ziel

Erstmals gelang es Eymann und seinen Baselbieter Amtskollegen Peter Schmid und Urs Wüthrich, die Finanzierung der Universität Basel auf solide, bikantonale Beine zu stellen. Dafür zollen ihm auch politische Gegner Anerkennung. Aber der erzielte Kompromiss muss beständig verteidigt werden. Gegen Baselbieter Sparfüchse und Basler Mehrverlanger. Eymann scheint ohnehin der Mann der Kompromisse zu sein, wenn man die Diskussion um die Schliessung eines der Basler Gymnasien weglässt. Dies ist einer der wenigen Momente, in denen man Eymann sagen hörte: «Darüber werde ich nicht verhandeln.» Hier ist Eymann konservativ.

Geschickter Taktierer

Der Streit um das Fach PPP zeigt exemplarisch, wie Eymann operiert. Zunächst lässt er sich von seinen Fachleuten beraten und sucht nach verschiedensten Alternativen. Christine Heuss schätzt es, dass Eymann nicht nur einen «hervorragenden Mitarbeiterstab hat, sondern diesen auch zu Wort kommen lässt». Dann fällt Eymann den Entscheid und steht auch gegen harte Kritik dazu. Bis zum Punkt, an dem er leicht stur wirkt. Entgegen kommt ihm dabei, dass er in einer Partei politisiert, die ihren Exponenten viel Spielraum lässt. Bereits als Nationalrat galt er in Bern als «verkappter Linker und Grüner». Eymann war, zwanzig Jahre bevor die Partei gleichen Namens erfunden wurde, ein Grünliberaler. Umso höher dürfte es ihm seine Partei anrechnen, dass er ihr treu geblieben ist, auch wenn die LDP ihm bei seinen grünen Ideen immer wieder die Gefolgschaft verweigerte.