Regierungsrat
Christoph Brutschin, der vorbildhafte Wirtschaftsdirektor

Der SP-Regierungsrat Christoph Brutschin wird von Bürgerlichen so stark gelobt, dass es unangenehm für ihn werden kann.

Andreas Maurer
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SP-Wirtschaftsdirektor Christoph Brutschin hat früher an der Handelsschule unterrichtet. Heute belehrt er seine Parteimitglieder über die Logik des Marktes.

SP-Wirtschaftsdirektor Christoph Brutschin hat früher an der Handelsschule unterrichtet. Heute belehrt er seine Parteimitglieder über die Logik des Marktes.

Nicole Nars-Zimmer

Selbst politische Gegner sind sich bei Christoph Brutschin einig: Der SP-Wirtschaftsdirektor mache seinen Job ausgezeichnet, heisst es unisono. Der Basler SVP-Präsident Sebastian Frehner etwa sagte im Rahmen des bz-Porträts über SP-Baudirektor Hans-Peter Wessels: «Ich stufe ihn mittelmässig ein, also irgendwo zwischen dem schwachen Morin und dem starken Brutschin.»

Ein ähnliches Bild verwendete SP-Präsident Martin Lüchinger im «Sonntag» mit der Feststellung, dass Regierungspräsident Guy Morin nicht die Lokomotive des Regierungsratszuges steuere: «Dort sitzen Herzog und Brutschin als tüchtigste Regierungsmitglieder.»

Heikles Lob

Die Lobesworte an Brutschin gehen sogar so weit, dass es für ihn unangenehm wird. «Er macht seinen Job gut, weil er letzten Endes FDP-Politik betreibt», meint FDP-Grossratskandidat Stephan Mumenthaler, der als Chefökonom bei Novartis arbeitet. Brutschin setze eine gute Wirtschaftsförderung um: «Er sieht die Bedeutung des Wirtschafts- und Pharmastandorts Basel und nimmt dafür auch mal eine Konfrontation mit der eigenen Partei in Kauf.» Damit mache Brutschin aber auch SP-Politik: «Denn tiefe Arbeitslosigkeit und gute Arbeitsplätze sind die beste Sozialpolitik.»

Vom FDP-Vergleich gar nicht angetan ist Serge Gnos, Co-Leiter der Unia Nordwestschweiz. Er führt zwar immer wieder harte Auseinandersetzungen mit dem 2008 gewählten Regierungsrat – etwa bei den Massenentlassungen von Huntsman. Betriebsökonom Brutschin erklärte diesen Abbau mit der Logik des Marktes. Dies helfe den Betroffenen herzlich wenig, empörte sich die Gewerkschaft damals. Inzwischen relativiert Gnos: «Brutschin hat sich an der Betriebsversammlung den Leuten gestellt. Man hat das Gefühl, dass sie ihm am Herzen liegen.» Trotzdem wünscht sich der Gewerkschafter von der Regierung mehr Kritik und Unabhängigkeit gegenüber der Pharma sowie mehr Entscheidungsfreude im Kampf gegen Lohndumping: «Es gibt in Basel zwei heilige Kühe: die Messe und die Pharma. Davon ist auch die aktuelle Regierung nicht gefeit.» Trotzdem spricht der Gewerkschafter den Wirtschaftsdirektor vom Vorwurf der FDP-Politik frei: «Die rot-grün dominierte Regierung agiert unabhängiger, als dies eine bürgerliche Mehrheit täte.»

Strikt bei Innenhof-Beizen

Ein bürgerlicher Wirtschaftsdirektor würde sich sehr wohl von Brutschin unterscheiden, meint auch LDP-Grossrat Andreas Albrecht. Wäre das Departement für Wirtschaft, Soziales und Umwelt in bürgerlicher Hand, würde es sich etwa stärker mit den wachsenden Sozialausgaben beschäftigen. Unter Brutschin werden diese nicht als grosses Problem betrachtet, kritisiert Albrecht. Auch in der Diskussion um die ab 20 Uhr geltende Abendruhe für einige Innenhof-Beizen nutze der 54-Jährige den Spielraum nicht aus. Brutschin stützt sich auf Bundesrecht, wonach keine lockere Handhabung möglich sei. Andere Kantone sehen das anders. «Wenn man wollte, hätte man mehr Flexibilität», ist Albrecht überzeugt. Viel Lob hat aber auch er parat: «Brutschin versteht viel von Wirtschaft und ist ein angenehmer und glaubwürdiger Diskussionspartner.»

Dem ehemaligen Handelsschullehrer und -rektor gelingt es sogar, als Regierungsrat gemeinsam mit SVP-Chef Frehner eine Medienorientierung zum Rückzug der SVP-Sauberkeitsinitiative zu organisieren, an der beide Seiten als Gewinner dastehen. Unangenehm kann aber auch Brutschin werden, etwa wenn er sich durch einen Zeitungsartikel ungerecht behandelt fühlt. Nach einer Aussprache ist der Ärger allerdings rasch wieder vergessen und der Ökonom kehrt zur Tagesordnung zurück. Am liebsten arbeitet er unauffällig im Hintergrund – wie Finanzdirektorin Eva Herzog, seine engste Vertraute im Regierungskollegium. «Er ist nicht der Typ, der jede Woche drei Pressekonferenzen macht», stellt sie fest. Über Kollege Wessels würde sie dies nicht sagen.