Langenthal
Chorgemeinschaft verbreitet Weihnachtsstimmung

Drei Chöre, Solisten und ein Orchester vereinigen sich in der Kirche Geissberg zu einem Konzert mit vielfältigem Programm. Es ist ein packender Auftritt.

Walter Gfeller
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Gelungener Auftritt

Gelungener Auftritt

az Langenthaler Tagblatt

Das Stadtorchester Langenthal profilierte sich im letzten Langenthaler Kirchenkonzert des Jahres unter der bewährten Leitung von Walter Stucki in zwei Orchesterstücken und der Begleitung des «Magnificat» von Franz Schubert.

Die grosse Chorgemeinschaft mit dem Kirchenchor Langenthal unter René Schär, dem Kirchenchor Aarwangen unter Annelies Weber und der Chorgemeinschaft Oberbipp unter Peter Scherer prägte den weihnachtlichen Inhalt vor allem in «Magnificat». Die Solistengruppe hingegen konnte im Weihnachtsoratorium von Saint-Saëns die Weihnachtsgeschichte ausgiebig besingen.

Festlich und strahlend interpretierten zu Beginn Urs Schär und Jürg Hantz das Konzert für zwei Trompeten in D-Dur von Francesco Manfredini (1684-1762). Tadellos bewältigten sie den hoch gesetzten Part, den Manfredini noch für Naturton-Instrumente komponiert hatte. Trompeten - das sind doch die Stimmen der Engel. Sozusagen nahtlos fügte sich das «Magnificat D 486» von Franz Schubert (1797-1828) an.

Volle künstlerische Reife mit 18 Jahren

«Meine Seele preist den Herrn» - «Magnificat anima mea Dominum», so beginnt mit kräftigen Trompeten und Pauken der Lobgesang Marias, der in Langenthal von der grossen Chorgemeinschaft und dem Stadtorchester unter der Leitung von René Schär wirkungsvoll vorgetragen wurde. Schubert war 18-jährig, als er in voller künstlerischer Reife den Lobgesang Marias vertonte, der im Kirchenjahr für die Adventszeit vorgesehen ist.

Worum geht es? Die Jungfrau Maria, «die vertrauet war einem Manne mit Namen Joseph» (nach Luther) hat soeben vom Engel Gabriel vernommen, dass sie schwanger werde. «Wie soll das zugehen,» fragt sie den Engel. «Sintemal ich von keinem Manne weiss?» «Der heilige Geist wird über dich kommen», antwortet der Engel. Nun ist nicht nur im Lukas-Evangelium, sondern auch in dem von Matthäus nachzulesen, dass Maria vom Heiligen Geist schwanger wurde.

Maria stimmt nun in einem ergreifenden, nahezu überschwänglichen Lobgesang auf den Herrn ein. Den Mittelteil «Er stürzt die Mächtigen vom Thron» gestaltete Schubert nicht mit Getöse, sondern kammermusikalisch empfindsam. Das Vokalquartett mit Verena Graedel (1. Sopran), Ruth Nyfeler (2. Sopran), Markus Lehmann (Tenor) und Nando Brügger (Bass) gestaltete in reifer Homogenität Marias Lobpreisungen, eingeleitet und abgeschlossen mit einer ebenbürtigen Oboenmelodie.

Packende Durchführung realisiert

Im zweiten Orchesterstück beglückte die in Langenthal aufgewachsene Cellistin Anna Katharina Trauffer mit der «Elégie» von Gabriel Fauré das Publikum. Die feinsinnige Begleitung, die mit kräftigen Akzenten auch Kontraste schuf, vereinigte sich unter Walter Stucki auf das Schönste mit dem wunderbaren, gesanglich empfundenen Solopart. So wie Manfredini zu Schubert, wurde Faurés «Elégie» auch für das folgende Weihnachtsoratorium von Camille Saint-Saëns zu einer passenden Einleitung.

Die Weihnachtsgeschichte vertraute der Komponist weitgehend der Solistengruppe an, die hier mit Madeleine Aebersold bereichert wurde. Die Begleitung erfuhr nebst Streichern mit Orgel und Harfe (Annemarie Bättig und Dora Widmer) eine sehr «romantisch» wirkende Note, und Chorleiter René Schär realisierte eine ebenso feine wie packende Durchführung - gerade mit dem Schlusschor, der alle Musizierenden nochmals vereinigte.