Regierungsratswahlen
Carlo Conti, der Pendler zwischen Bern und Basel

Die Gegner von Gesundheitsdirektor Carlo Conti kritisieren, der CVP-Mann setze seine Prioritäten zu sehr nach seinem Interesse. Sie attestieren dem dienstältesten Basler Regierungsrat aber auch viel Sachverstand.

Nicolas Drechsler
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Regierungsrat Carlo Conti tritt im Herbst wieder an.

Regierungsrat Carlo Conti tritt im Herbst wieder an.

Swen

Der Dienstälteste in der Basler Regierung ist der Einzige, der national wirklich bekannt ist. Erst als Vizepräsident und nun als Präsident der Konferenz der Kantonalen Gesundheitsdirektoren ist Carlo Conti öfters in den Schweizer Medien zu sehen. Der Roche-Anwalt hat sich zu einem Gesundheitspolitiker mit hoher Dossiersicherheit entwickelt. Ihm nimmt man ab, dass er wirklich weiss, von was er redet, wenn er über Tarmed, Managed Care und DRG spricht.

Gegner attestieren Sachverstand

Das bestätigt auch Philippe Macherel (SP), der Präsident der Gesundheits- und Sozialkommission des Grossen Rats: «Bei Dossiers, die ihn interessieren, gehört er zu den bestinformierten Gesundheitspolitikern der Schweiz. Ich habe noch nie erlebt, dass er völlig im Schilf gestanden wäre.» Hier klingt ein «aber» mit: «Wenn ein Thema Conti nicht interessiert, oder nicht auf seiner politischen Linie liegt, ist er deutlich weniger engagiert.» Urs Müller (Basta) kritisiert das «Lust- und Launeprinzip» noch härter: «Er setzt sich national sehr ein, das ist positiv. Aber ich habe das Gefühl, die regionale Gesundheitspolitik interessiert ihn massiv weniger.» Gegenwind von links bekam Conti vor allem beim grössten Geschäft seiner Amtszeit zu spüren: der Auslagerung der Spitäler aus der Kantonsverwaltung. Insbesondere sorgten sich SP und Gewerkschaften um die Zukunft des Personals.

Auslagerung und UKBB umgesetzt

Conti setzte sich durch: Die Spitäler sind heute selbstständig. Dies werten seine Verbündeten - neben der Gründung des Universitäts-Kinderspitals beider Basel - als einen der Haupterfolge dieser Legislatur. CVP-Präsident Markus Lehmann meint, das habe gezeigt, «dass er eine Vorlage ausgewogen gestalten kann, ohne sie zu überladen.»

Beliebter Genussmensch

Als Mensch erfreut sich Conti nahezu durchwegs hoher Beliebtheit. Der Fasnächtler, Oberstleutnant und Zunftbruder ist ein geselliger Typ. Der Gesundheitsdirektor schätzt gutes Essen, guten Wein und ab und an einen Zigarillo. Wohl darum wird unter Politikern herumgeboten, es sei vorteilhafter, Conti ein Anliegen beim Grappa nach dem Essen zu unterbreiten, als in seiner Amtsstube.