BURKINI FÜR SCHÜLERINNEN

An Schweizer Schulen dürfen Musliminnen verhüllt in den Schwimmunterricht. Auch SVP-Erziehungsdirektoren winken den Burkini durch – zum Ärger des Fraktionspräsidenten der SVP Schweiz.

SaW Redaktion
Drucken
Teilen
1270929840.jpg

1270929840.jpg

Schweiz am Wochenende

VON NADJA PASTEGA
Strenggläubige Musliminnen dürfen nicht im knappen Badekleid schwimmen. Der Kanton Aargau hat schon reagiert: Jetzt dürfen Schülerinnen im Burkini ins Schwimmbad.
«Der Burkini im Schwimmunterricht ist zulässig», sagt der Aargauer SVP-Erziehungsdirektor Alex Hürzeler gegenüber dem «Sonntag». Wörtlich heisst es in den Leitlinien von Hürzelers Departement: «Den Schülern und Schülerinnen soll die Möglichkeit eingeräumt werden, ihren Körper zu bedecken.» Mit der Schwimmbecken-Burka will Hürzeler Dispensationen vom Sportunterricht vermeiden.
Ja zum Burkini sagt auch die Thurgauer SVP-Erziehungsdirektorin Monika Knill: «Falls Eltern das wünschen, sollte im Schwimmunterricht den Mädchen das Tragen eines Burkini ermöglicht werden.» So steht es auch in den Richtlinien ihres Departements: «Die Schulen sollen muslimischen Kindern die Möglichkeit einräumen, einen Ganzkörperanzug zu tragen.»
Der «Burkini»-Kniefall» ärgert die Parteispitze der SVP Schweiz: «Keine Sonderregelung», fordert Fraktionspräsident Caspar Baader. Die Neopren-Burka mit integrierter Kopfbedeckung habe an Schweizer Schulen nichts verloren. «Wir sind hier nicht in der Türkei und nicht in Iran. Wer bei uns lebt, muss sich integrieren, das heisst: ganz normal am Schwimmunterricht teilnehmen.»
Konsterniert reagieren auch die SVP-Frauen des Kantons Aargau: «Ich frage mich, ob diese Mädchen selber bestimmen können, ob sie den Burkini im Schwimmunterricht tragen wollen», sagt Präsidentin Milly Stöckli, Die islamische Kleiderordnung trage nichts zur Integration bei. Stöckli: «Sonderwünsche sind daher nicht tolerierbar.»
Kritik kommt auch von den CVP-Frauen Schweiz: «Es ist problematisch, wenn sich schon neunjährige Mädchen verhüllen müssen», sagt Präsidentin Babette Sigg: «Muslimische Mädchen sind im Islam Menschen zweiter Klasse. Das verträgt sich nicht mit unserer Verfassung.»
Doch gleich mehrere Kantone bewilligen den Burkini. Als einer der ersten Kantone hat Basel-Stadt entsprechende Richtlinien aufgestellt. Baselland, Zürich, Luzern und Solothurn sind gefolgt. Inzwischen wird der Burkini an vielen Schweizer Schulen breitflächig durchgewinkt.
Und bereits ist klar: Die Burka-Badehose ist nicht die einzige Islam-Sonderregelung. Da Nacktheit vor dem anderen und vor dem eigenen Geschlecht verpönt sei, verlangen die Richtlinien der Thurgauer SVP-Erziehungsdirektorin Knill, dass muslimische Kinder «sich allein umziehen und duschen» können.
Das Departement des Aargauer Erziehungsdirektors Hürzeler wird konkret: Die Schulen sollen «separate Duschen mit Vorhang oder Tür» anbieten, heisst es in den 17-seitigen Richtlinien. Wahlweise könne die Möglichkeit geschaffen werden, dass die Schüler «zeitlich gestaffelt» duschen. Und der Aargau geht sogar noch weiter: Während des Ramadan soll ein abgespeckter Turnunterricht ohne besonders anstrengende körperliche Betätigung durchgeführt werden – aus Rücksicht auf Schüler, die fasten.
Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!

Aktuelle Nachrichten