Faire Löhne
Bundesgericht muss Löhne von Zürcher Kindergärtnerinnen prüfen

Die Zürcher Kindergärtnerinnen und Kindergärtner geben nicht auf: Sie ziehen in ihrem Kampf für faire Löhne bis ans höchste Gericht. Das Zürcher Verwaltungsgericht hatte ihre Lohndiskriminierungsklage abgelehnt. Jetzt hat das Bundesgericht das letzte Wort.

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Im Kampf für faire Löhne ziehen die Zürcher KindergärtnerInnen bis ans Bundesgericht (Symbolbild)

Im Kampf für faire Löhne ziehen die Zürcher KindergärtnerInnen bis ans Bundesgericht (Symbolbild)

Keystone

"Die Gleichstellung ist noch nicht erreicht - wir kämpfen weiter um die volle Anerkennung unserer Berufs und verlangen 100% Lohn für 100% Arbeit", betont Brigitte Fleuti, Präsidentin des Verbands der Kindergartenlehrpersonen des Kantons Zürich (VKZ) in einer Mitteilung vom Montag.

Zusammen mit dem Dachverband der Zürcher Lehrerinnen und Lehrer (ZLV) und der Gewerkschaft VPOD wenden sich die Kindergartenlehrpersonen deshalb ans Bundesgericht. Das Verwaltungsgericht habe bei seinem Entscheid wesentliche Fakten nicht berücksichtigt, betonen die Verbände.

Die Kritik richtet sich dagegen, dass Kindergärtnerinnen und Kindergärtner bei einem vollen Pensum nur mit 87 Prozent des Lohnes ihrer Klasse entschädigt werden. Ohnehin sind sie eine Lohnklasse unter den Primarlehrkräften eingeordnet. Die Verbände verlangen nun auf dem Gerichtsweg eine Erhöhung auf 100 Prozent.

Das Verwaltungsgericht verneinte in seinem Entscheid von Mitte September, dass der Lohn der Kindergärtnerinnen auf einem zu tiefen Pensum beruhe. Den Lehrpersonen bleibe innerhalb der Richtzeit von 36,5 Stunden pro Woche (gleich 87 Prozent von 42 Stunden) genügend Zeit, um ihrer Lektionenverpflichtung nachzukommen.

Diese Argumentation bezeichnen die Verbände als "geradezu absurd". Die Vorgabe sei unrealistisch und hätte einen massiven Leistungsabbau auf Kosten der Kinder zur Folge, schreiben sie in der Mitteilung. Mit ihrem Gang ans Bundesgericht erhoffen sie sich zudem eine Klärung der Frage zur Diskriminierung.

Höhere Anforderungen

Das Verwaltungsgericht hatte die Löhne in seinem Urteil nämlich als "nicht diskriminierend" bezeichnet. Begründet wurde dies unter anderem mit einer tieferen Einstufung der Kindergartenlehrpersonen gemäss einer standardisierten Arbeitsplatzbewertung für alle kantonalen Berufsgruppen aus dem Jahr 1999.

Diese "im letzten Jahrtausend durchgeführte Bewertung" sei nicht aktuell, kritisieren die Verbände. Die Volksschulreform 2008 habe den Kindergarten zur ersten Bildungsstufe mit klar definiertem Berufsauftrag, obligatorischem Lehrplan und entsprechend höheren Berufsanforderungen gemacht, schreiben sie.

Das Bundesgericht solle die Lohnfrage zudem aus der Warte der Gleichstellung von Mann und Frau neu beurteilen, fordern VKZ, ZLV und VPOD. Der Beruf der Kindergartenlehrperson sei ein typischer Frauenberuf. Er müsse auch ausbildungs- und marktgerecht entlöhnt werden.