Madiswil
Bundesgericht bestätigt Urteil gegen Oberaargauer Bauern

Die Berner Justiz hat einen Landwirt aufgrund von Indizien zu Recht für die Tötung seiner Schwägerin verurteilt. Das Bundesgericht hat die Beschwerde des Mannes abgewiesen. Die Frau war 2007 auf einem Parkplatz in Madiswil erschossen worden.

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Keystone

Das Kreisgericht Aarwangen-Wangen hatte den Mann 2009 wegen vorsätzlicher Tötung zu neun Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Das Berner Obergericht bestätigte das Verdikt im vergangenen Februar. Nun hat auch das Bundesgericht die Beschwerde des mittlerweile 60- jährigen, nicht geständigen Landwirts abgewiesen.

Auf Parkplatz verabredet

Laut den Richtern in Lausanne durfte die Berner Justiz aufgrund der Indizien davon ausgehen, dass der Mann Ende Oktober 2007 auf dem Parkplatz hinter dem Coop in Madiswil seine Schwägerin in deren Wagen erschossen hat. Die Frau hatte rund ein Jahr zuvor ihren Mann und ihre Kinder verlassen und war zu einem neuen Partner gezogen.

Der Bruder hatte ebenfalls auf dem Hof der Familie gelebt und den Wegzug seiner Schwägerin, zu der er ein enges Verhältnis pflegte, nicht verkraftet. Nach Ansicht des Bundesgerichts darf zunächst als erwiesen gelten, dass sich der Beschwerdeführer auf den 31. Oktober Mittags mit dem späteren Opfer auf dem Parkplatz verabredet hat.

Schon Ex-Frau bedroht

Ab dem Zeitpunkt dieses Treffens habe das Opfer, das erst fünf Tage später gefunden wurde, keine Lebenszeichen mehr von sich gegeben. Zu berücksichtigen ist laut dem höchstrichterlichen Urteil weiter das Tatmotiv des Verurteilten, der zur Schwägerin eine emotionale Beziehung gepflegt und diese nach dem Wegzug auch bedroht hatte.

Entsprechende Todesdrohungen habe er bereits in einer ähnlichen Situation gegenüber seiner früheren Ehefrau ausgestossen. Ein Sexual- oder Vermögensdelikt habe bei dem Verbrechen zudem ausgeschlossen werden können. Hinweise auf mögliche Täter aus dem Umfeld des Opfers würden ebenfalls fehlen.

Im übrigen habe der Verurteilte teilweise klar widersprüchlich oder lügenhaft ausgesagt. Insgesamt sei mit dem Schuldspruch der Grundsatz «im Zweifel für den Angeklagten» nicht verletzt worden. Die Tat hatte in dem Oberaargauer Dorf grosses Aufsehen erregt. Im Zuge der Ermittlungen waren über 100 Personen befragt worden.

(Urteil 6B_781/2010 vom 13.12.2010)