Herzogenbuchsee
Buchsi mit einem Minus von einer Million Franken

Die Rechnung der Einwohnergemeinde weist ein Minus von über einer Million Franken aus. Weil die Steuereinnahmen zu optimistisch budgetiert wurden, ist das mehr als erwartet.

jürg rettenmund
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Gemeindehaus Herzogenbuchsee

Gemeindehaus Herzogenbuchsee

Berner Rundschau

Wenn sich die Stimmberechtigten von Herzogenbuchsee am 15. Juni zur Gemeindeversammlung einfinden, sollten sie ihre Bürgerpflicht in kürzerer Zeit erledigen können als im letzten Dezember: Damals war die Traktandenliste reich befrachtet und über allem schwebte die Unsicherheit, wie es mit dem gemeindeeigenen «Kreuz» weitergehen soll. Im Juni jedoch legt der Gemeinderat bloss die Jahresrechnung vor und informiert über die Sanierung des Frei- und Hallenbades.

Besser und trotzdem günstiger

Gute, aber nicht unbedingt neue Nachrichten wird Gemeindepräsidentin Charlotte Ruf (SVP) dabei von der Badsanierung rapportieren können: Die Becken des Freibades wurden statt bloss mit einer Folie mit dauerhafterem und unterhaltsärmerem Chromstahl ausgekleidet. Trotzdem konnten die Kosten um 90000 Franken unterschritten werden.

Nicht ganz so positiv wird der Bericht von Finanz-Vorsteher Fernand Raval (SVP)) ausfallen: Die Jahresrechnung schliesst mit einem grösseren Verlust ab, als im Budget prognostiziert: Statt 0,65 Millionen Franken resultiert ein Minus von 1,11 Millionen Franken (Umsatz 33,1 Millionen).

Die rote Million verursacht bei Raval allerdings keine Sorgenfalten, wie er gestern vor den Medien erklärte, «sondern höchstens ein Stirnrunzeln». Und dies, obschon die Steuereinnahmen um rund 560000 Franken unter dem Budget blieben. Der Rückgang fand allerdings nur gegenüber dem Budget statt, nicht gegenüber den Zahlen des Vorjahres. «Wir haben bloss zu optimistisch budgetiert», erklärte Finanzverwalter Marcel Kistler. Negativ beeinflusst wurde die Rechnung ebenfalls durch höhere Kosten für Bildung und Verkehr.

Faltenstraffend – um im Bild von Raval zu bleiben – wirkt sich die solide Finanzlage der Gemeinde aus: Auch nach Verbuchung des Defizits beträgt das Eigenkapital noch
5,6 Millionen Franken. Zudem legte die Gemeinde ihre onyx-Gelder in einer Spezialfinanzierung an, aus der sie jeweils die Investitionen direkt abschreibt. Diese weist immer noch einen Bestand von 12,1 Millionen Franken auf.

Höhere Belastung durch Filag

Ewig hält natürlich auch dieses Polster nicht, sollte der Gemeinderat weiterfahren wie im letzten und den vorangegangenen Jahren. Der Gemeinderat werde deshalb die Entwicklung aufmerksam verfolgen, verspricht Raval. Allerdings ist diese Entwicklung im Moment schwer zu prognostizieren, steht doch eine Revision des Finanz- und Lastenausgleichs im Kanton an. «Wir rechnen damit, dass Herzogenbuchsee stärker belastet werden könnte», erklärte Raval. Das Ziel des Gemeinderates sei es, trotzdem ausgeglichene Rechnungen zu erreichen, ohne die Steueranlage erhöhen oder den Service public abbauen zu müssen.