Rheinau
Blochers Geduld mit der Musikinsel geht zu Ende

Die Stiftung Schweizer Musikinsel Rheinau, gegründet und alimentiert von Christoph Blocher, setzt Druck auf: Wenn die Bauarbeiten zur Neunutzung nicht spätestens Anfang 2013 beginnen, zieht sie ihr Engagement zurück.

Daniel Lüthi
Drucken
Teilen
Das ehemalige Kloster Rheinau.

Das ehemalige Kloster Rheinau.

Susi Bodmer

Das ehemalige Kloster auf der Insel Rheinau, das 1862 aufgehoben und danach vom neuen Eigentümer, dem Kanton Zürich, als Psychiatrische Klinik genutzt wurde, steht seit 2000 leer. Unter den verschiedenen Vorschlägen, die seither zur Neunutzung gemacht wurden, geriet 2009 das Projekt «Musikinsel» in den Vordergrund. Dies, weil alt Bundesrat Christoph Blocher die Zusicherung gab, den Betrieb mit 20 Millionen Franken zu subventionieren.

In seinem Konzept ist vorgesehen, dass Rheinau für die Musik werden soll, was Magglingen für den Sport ist. Trotz dieser Perspektive verlief die Planung weiterhin sehr schleppend.

Kredit von 28 Millionen

Der Stand heute: Das Vorprojekt zu den durch den Kanton zu finanzierenden Umbauten und Sanierungen liegt vor, der Regierungsrat hat über den nötigen Kredit von 28 Millionen zu befinden und dem Kantonsrat den entsprechenden Antrag zu stellen.

Das Projekt kann indessen nicht nur im Kantonsrat scheitern, sondern auch aus einem andern Grund: «Unsere Geduld ist erschöpft», sagte Thomas Held, der Geschäftsführer der Stiftung Schweizer Musikinsel Rheinau, an der Generalversammlung der regional verankerten Arbeitsgemeinschaft Pro Insel Rheinau.

Bald mit Marketing beginnen

Und Held präzisierte: Wenn nicht spätestens Anfang 2013 mit den Bauarbeiten begonnen werde, so dass die Musikinsel spätestens Mitte 2014 ihren Betrieb aufnehmen könne, widerrufe die Stiftung ihr zugesichertes Engagement. Auf der Basis des Vorprojektes müsse die Planung unbedingt fortgesetzt werden – auch wenn der Baukredit noch nicht bewilligt sei. Denn die Stiftung wolle bis Ende Jahr über konkrete Grundlagen verfügen, weil sie dann – um eine befriedigende Auslastung des künftigen Betriebs von Anfang an sicherzustellen – mit dem Marketing beginnen müsste.

Die Stiftung ist bereit, dem Kanton für die Benützung des Ost- und des Südflügels eine Miete von 330000 Franken pro Jahr zu bezahlen. Ihr Konzept: In zwei grossen Sälen sowie einem Dutzend weiterer Räume sollen Orchester und Chöre, Bands und andere Formationen, Instrumentalisten und Solisten, Berufs- und Hobbymusiker sowie Musiklehrer mit ihren Schülern intensiv üben können.

Den Gästen wird ein Hotelbetrieb geboten: In den beiden Obergeschossen werden in 8 Einzel-, 54 Doppel- und 2 Sechserzimmern (alle mit eigener Nasszelle) 128 Betten stehen. Das Refektorium der Klosterzeit wird als Speisesaal dienen. Das Essen wird ein Cateringdienst in die Aufbereitungsküche bringen. Held: «In der Schweiz gibt es nichts Vergleichbares.»

Bewilligt der Kanton die 28 Millionen für die nötigen Umbau- und Sanierungsarbeiten, wird die Stiftung noch 2,16 Millionen für die Ausstattung der Zimmer, der Proberäume, der Küche und des Speisesaals investieren. In den Proberäumen (in jeden wird ein Flügel oder ein Klavier zu stehen kommen) sind Massnahmen zur Optimierung der Akustik nötig, so mittels Teppichen und Vorhängen.

Aktuelle Nachrichten