Niederbipp
Bipper Bauer will Urfreiberger vor dem Aussterben bewahren

Die Urfreiberger Pferde sind vom Aussterben bedroht. Im vergangenen Jahr zählte man nur noch 300 Tiere dieser Rasse. Doch auf einem speziellen Pferdehof in Niederbipp tut man alles, um die historische Rasse zu erhalten.

Michel Sutter
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Fuchshengst Cernot ist der Stolz des Hofes, auf dem der Niederbipper Hansruedi Arn Urfreiberger züchtet.

Fuchshengst Cernot ist der Stolz des Hofes, auf dem der Niederbipper Hansruedi Arn Urfreiberger züchtet.

Michel Sutter

Ein Nachmittag auf dem Bauernhof von Hansruedi Arn, nördlich des Dorfkerns von Niederbipp. Die Sonne scheint, die Urfreiberger Pferde im Stall sind entspannt. Bis plötzlich ein lautes Wiehern eines der Tiere die Idylle stört. Kurz darauf stimmen die anderen Pferde mit ein, und Hansruedi Arn muss das Gespräch über seine Zucht für einige Augenblicke unterbrechen, bis sich seine Tiere wieder beruhigt haben.

Wer nun denkt, die Urfreiberger hätten einen nervösen Charakter, der irrt. Die Aufregung ist für die Tiere an und für sich atypisch. Eigentlich sind die Urfreiberger eher ruhig, stoisch. Die Kaltblutpferde erschrecken zwar auch wie Warmblüter, rennen im Gegensatz zu diesen aber nicht gleich davon. Deshalb gelten sie auch als unkompliziert und als verlässlich, was besonders für unsichere Reiter ein grosser Vorteil ist. Wenn dieser sein Urfreiberger Pferd nämlich richtig führt, bringt es ihn sicher wieder nach Hause.

Und sie sind sehr anhänglich. Das zeigt sich beispielsweise bei der Stute Sally, die im Gehege ihre Runden dreht. Dabei geht sie immer wieder neugierig auf den Fremden zu, der das Objektiv seines Fotoapparates auf sie gerichtet hat, und zeigt absolut keine Scheu.

Auch physisch haben die Urfreiberger, deren Ursprung ins 15. Jahrhundert zurückreicht und deren Herkunft in den Franches-Montagnes im Jura liegt, positive Eigenschaften. Die zwischen 150 und 160 cm hohen Tiere werden bis zu 650 kg schwer. Ihr Rücken ist kurz, sie mögen aber grosse Lasten tragen. Sie zeigen sich daher robust und belastbar, ähnlich wie die Esel. Daher wurden sie im Ersten und Zweiten Weltkrieg auch in der Armee eingesetzt – und in der Landwirtschaft. «Man kann einen Urfreiberger ohne weiteres vor einen Wagen spannen», sagt Arn. Er glaubt, dass gerade für landwirtschaftliche Zwecke die Urfreiberger vermehrt eine wichtige Rolle spielen könnten, gerade auch wegen der Debatten um versiegende Energieressourcen. «Diese Pferde könnten so manchen Traktor ersetzen», ist er überzeugt.

Aus diesem Grund ist es für Hansruedi Arn zusätzlich wichtig, die Urfreiberger Rasse zu erhalten. Wohlverstanden: die Urfreiberger Rasse. Arn legt Wert darauf, dass seine Pferde überhaupt kein Fremdblut in sich tragen im Gegensatz zu den Freiberger Pferden. Die ursprüngliche Rasse wurde nach 1950 mit Voll- und Warmblutpferden gekreuzt und darf laut Herdebuchordnung des Schweizerischen Freibergerzuchtverbandes SFZV auch mehr als 2 Prozent Fremdblut in sich tragen. Die Kategorie der Urfreiberger hingegen wurde erst in den vergangenen Jahren in die Herdebuchordnung aufgenommen. Auch dank Arns Engagement, der sich vehement dagegen wehrt, dass Freiberger mit Urfreiberger Pferden gleichgestellt werden. «Wenn ein Pferd Fremdblut hat, ist es einfach nicht mehr reinrassig», erklärt er. Arn argumentiert aber auch mit der Biodiversität. «Gemäss dem Rio-Protokoll soll man ja alte Rassen erhalten, weil sie einen kulturellen Wert haben», führt er aus. «Und der Urfreiberger ist die älteste, greifbare Form des Freiberger Pferdes.»

Arns Liebe zu den Urfreibergern geht auch ins Geld. Immerhin leben auf seinem Hof 30 Stuten und 15 Hengste. «Wir bekommen für die Zucht keine Unterstützung von aussen», betont Hansruedi Arn. «Wir haben jeden Rappen selber bezahlt.» Doch dem Pferdezüchter geht es nicht ums Geld. «Man sollte diese Rasse nicht aussterben lassen», findet er. Und das finden mittlerweile auch die 100 Mitglieder, die sich seiner Sektion innerhalb des Verbandes angeschlossen haben.

Ob es auch mittelfristig noch Urfreiberger geben wird? Das ist die grosse Frage. Im vergangenen Jahr zählte man nur noch 300 Tiere. Damit gilt die Rasse als hochgradig gefährdet. Hansruedi Arn hat jedoch das Ziel, einen eigenen Zuchtverband zu gründen, um diese negative Entwicklung zu stoppen. Auch bietet der Urfreibergerhof Bauern, die dem Aussterben der Urfreiberger entgegenwirken wollen, Zuchtstuten zu sehr günstigen Konditionen an, und zwar mit Papieren. Schliesslich sollen die Urreiberger auch künftige Generationen begeistern.

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