Oberbipp
Biologischer Filter macht, dass Oberbipp nicht mehr nach Sauerkraut riecht

Pünktlich zur Saison wird die Luft, die aus dem Kamin der Schöni Finefood AG kommt, nun biologisch gefiltert. Somit riecht man praktisch keinen Sauerkraut-Geruch mehr im Oberaargauer Dörfchen. Fast alle sind zufrieden.

Andrea Marthaler
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Walter Heer, Geschäftsführer der Schöni Finefood AG, auf dem Dach vor den Kaminen. Hanspeter Bärtschi

Walter Heer, Geschäftsführer der Schöni Finefood AG, auf dem Dach vor den Kaminen. Hanspeter Bärtschi

Solothurner Zeitung

Pünktlich zum Beginn der Sauerkraut-Produktion Anfang August konnte die Schöni Finefood AG ihren biologischen Filter für die Abluft in Betrieb nehmen. Er schafft, was dem «Ozonisator», der Anfang Jahr getestet wurde, nicht gelungen war (siehe Box). Die Abluft riecht nun endlich nicht mehr nach Sauerkraut.

«Aufgrund des heutigen Wissensstands sind wir sehr zufrieden», sagt Gemeindepräsident Kurt Zobrist (SVP). Dies schlägt sich direkt auf die Anzahl Reklamationen nieder. «Früher hatten wir pro Tag bis zu drei Reklamationen», sagt Walter Heer, Geschäftsführer der Schöni Finefood AG. Seit die neue Filteranlage in Betrieb sei, insgesamt nur noch drei – von total zwei Personen. «Wir sind sehr zufrieden», so Heer.

Auch Markus Hächler, Sprecher der Bürgerinitiative Oberbipp (Bingo), die sich mit einer Petition gegen die Geruchsemission gewehrt hatte, zeigt sich zufrieden: «Soweit beurteilbar nach dieser kurzen Zeit, ist es deutlich besser.» Allerdings möchte Bingo erst die Nebel- und Wintersaison abwarten, um zu sehen, ob die Filter-Anlage auch unter diesen Bedingungen funktioniert. «Wir hoffen, dass mit dem Biofilter eine definitive Problemlösung gefunden werden konnte», so Hächler.

Die Geschichte des Sauerkrauts in Oberbipp

Im September 2009 hat die Sauerkrautfabrik Schöni Finefood AG ihren Betrieb in Oberbipp aufgenommen. Kurz darauf sammelte die Bürgerinitiative Oberbipp (Bingo) rund 200 Unterschriften und forderte in einer Petition, etwas gegen den Gestank, der bei der Sauerkrautproduktion aus den Kaminen entweicht, zu unternehmen. Mitte Februar 2011 installierte die Fabrik im Lüftungskamin einen Filter, der mittels Ozon die Geruchspartikel neutralisieren sollte. Der gewünschte Effekt blieb aber aus. (ama)

Leistung schwankt noch

Ab und zu ist aber immer noch der Sauerkrautgeruch über Oberbipp wahrzunehmen. Denn ganz perfekt funktioniert der biologische Filter noch nicht. «Im Innern müssen Holzschnitzel mit Wasser benetzt werden», erklärt Heer, «mal waren sie zu trocken, dann wieder zu feucht.» Mit dem Ergebnis, dass die im Filter enthaltenen Bakterien nicht das richtige Klima vorfanden und die Filterleistung nicht optimal gewesen sei. «Wir müssen nun herausfinden, wie er am besten funktioniert.»

Heer will die Sprinkleranlage mit einem Hydrometer ausrüsten und sie wenn möglich elektronisch steuern. Er rechnet damit, dass in rund einem Monat die Leistung bei 100 Prozent sein wird. Die Sauerkrautproduktion dauert noch bis mindestens März.

Hoher nervlicher Aufwand

Gemeindepräsident Kurt Zobrist rechnet es der Sauerkrautfirma hoch an, dass sie sich einsetzt, um den Geruch zu eliminieren: «Es geschah auf freiwilliger Basis und zeigt, dass die Schöni-Gruppe die Bevölkerung von Oberbipp ernst nimmt.» Dass es etwas länger gedauert hat, sei ein normaler Lernprozess, zumal ein ähnliches Beispiel nicht bekannt sei. Am früheren Firmenstandort in Hinwil ZH habe es laut Walter Heer nie Reklamationen gegeben, obwohl die Firma dort noch näher an Siedlungsgebiet lag.

Entsprechend musste man erst ausprobieren, was funktioniert. «Es gibt auf diesem Gebiet viele Spezialisten. Nicht alle halten aber, was sie versprechen», sagt Heer. Der zeitliche und nervliche Aufwand sei darum hoch gewesen. Über das Finanzielle will Heer nicht sprechen. Nur so viel: «Die erste Anlage konnten wir retour geben.» Wie viel der biologische Filter kostet, weiss Heer nicht: «Wir sind noch nicht am Ziel.»

Stinkende Abfälle auf den Feldern

In der Petition wehrte sich die Bürgerinitiative Bingo auch gegen Kabisabfälle auf den Feldern. «Dafür ist aber nicht die Fabrik zuständig, sondern der Gemeinderat, da es ortsansässige Landwirte betrifft», sagt Markus Hächler. Neben den Abfällen, die beim Ernten anfallen, nehmen laut Hächler einige Landwirte Ausschussware von Lieferanten der Sauerkrautfabrik ab und verteilen diese auf ihren Feldern. «Wenn der Kabis zu gären beginnt, riecht man das», betont Hächler. Er ist zuversichtlich, dass auch dieses Problem noch gelöst wird. Der Gemeinderat habe sein Versprechen erneuert, etwas dagegen zu unternehmen. «Wir sind dran», bestätigt Zobrist, «im Rahmen der Möglichkeiten sind wir bestrebt, diesen Prozess zu optimieren.»

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