Ratgeber Gesundheit
Biofeedback-Training bei Verstopfung

In einer Patientenzeitschrift las ich über das Biofeedback-Training bei bestimmten Formen der chronischen Verstopfung. Gibt es dieses Angebot auch im Kantonsspital Baden oder sonst wo im Kanton Aargau?

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Gesundheit Aargau
Franz Eigenmann Chefarzt Gastroenterologie KSB

Franz Eigenmann Chefarzt Gastroenterologie KSB

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Biofeedback ist seit vielen Jahren ein fester Bestandteil des Angebots der – man erlaube mir den kleinen Werbespot – auf hohem Niveau arbeitenden Beckenbodenphysiotherapie des Kantonsspitals Baden. Ob es weitere Anbieter im Aargau gibt, entzieht sich meiner Kenntnis. Die Homepages der Institutionen geben nicht immer genau an, welche Techniken zum Einsatz kommen. Beim Biofeedback-Verfahren versucht man, eine Verhaltensänderung zu erreichen, indem der Patient aufgrund optischer oder akustischer Signale erkennen kann, ob er eher das erwünschte oder eher das unerwünschte Verhalten zeigt. Wenn es um Verstopfung geht, ist die Grundidee, dass es Menschen gibt, die beim Versuch, den Darm zu entleeren, unbewusst gleichzeitig den Schliessmuskel anspannen und so die Entleerung be- oder gar verhindern. In solchen Fällen kann man mithilfe eines in den Analkanal eingeführten Messfühlers den Betroffenen diese kontraproduktive Anspannung sichtbar machen und abtrainieren. Dabei ist es für den Langzeiterfolg wichtig, die Übungen zu Hause konsequent weiterzuführen. So weit die Theorie. Die wissenschaftliche und klinische Realität ist allerdings komplexer. So hat es sich als sehr schwierig erwiesen, zuverlässig Patienten zu identifizieren, deren Problem wirklich auf diesen Mechanismus zurückzuführen ist. Die Analgegend ist für uns Menschen ein heikler Teil der Intimsphäre und jede Untersuchung schafft unnatürliche Verhältnisse. Auch variieren die berichteten Erfolgsquoten beträchtlich und es ist sehr schwierig, bei den angeblich erfolgreich Behandelten objektive Veränderungen nachzuweisen. Dass das Problem der chronischen Verstopfung weiterhin viele Menschen belästigt und einigen sogar erheblichen Probleme bereitet, deutet darauf hin, dass Biofeedback in diesem Bereich wohl kaum alle Schwierigkeiten beseitigen kann. Trotz all diesen Einschränkungen ist und bleibt Biofeedback ein attraktives, kaum mit Nebenwirkungen belastetes Konzept, das besonders bei jüngeren Patienten mit erheblichen Symptomen sowie einer subjektiv ausgeprägten Entleerungsproblematik einen Versuch wert sein kann. Falls Sie sich ein solches Vorgehen vorstellen können, könnten sich eine Untersuchung und Besprechung bei einem Gastroenterologen lohnen.