Grossratswahlen
Bettwils Gemeindeammann klebt fast in jedem Dorf

Bettwils Gemeindeammann Wolfgang Schibler will in den Grossen Rat und setzt als einziger der SVP auf Plakatwerbung. Kein Grossratskandidat hat im Bezirk Muri so viele Plakate an den Strassenrändern wie er.

Eddy Schambron
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Bettwil, Dorfeingang.

Bettwil, Dorfeingang.

So jedenfalls ist der Eindruck. Kein Dorf ohne ein Schibler-Plakat. «Es sind 40 Standorte mit insgesamt rund 80 Plakaten», erklärt Schibler. «Ich bin ein politischer Quereinsteiger, Bettwil liegt hinter dem Lindenberg, ich habe keine so grosse potenzielle Wählerschaft wie Kandidatinnen und Kandidaten etwa in Muri und Sins», begründet er seine Plakataktion. «Also muss ich auf mich aufmerksam machen.» Nach dem Aufruhr um die Asylantenunterkunft in der Bettwiler Militäranlage sei sein Name zwar bekannt. «Aber ich will ihn trotzdem in Erinnerung rufen», sagt Schibler

Budget: 8000 Franken

Der Beitrag der Partei an den Wahlkampf ist gering. Rund 8000 Franken wendet Schibler aus dem eigenen Sack auf. «Das gäbe schöne Ferien», sagt er, «aber mir ist es die Sache wert. Ich politisiere mit Freude und würde gerne in den Grossen Rat einziehen.» Hätte er als Regierungsrat kandidiert, wofür er auch angefragt worden ist, hätte er tiefen in die Tasche greifen müssen. «So um die 50000 Franken», schätzt Schibler, hätte ihn das gekostet.

Neben dem Geld kommt noch viel investierte Zeit hinzu: «Zwei bis drei Auftritte und Sitzungen pro Woche im Zusammenhang mit der Grossratskandidatur», sagt er – neben dem Beruf, dem Amt als Gemeindeammann von Bettwil und der Familie.

Keine Kandelaberwerbung

Die SVP verzichtet kantonsweit auf Werbung an Kandelabern. Daran hält sich auch Schibler. «Nach dem Gschtürm bei den letzten Nationalratswahlen haben wir beschlossen, ganz darauf zu verzichten», führt Milly Stöckli, SVP-Grossrätin aus Muri, aus. «Die Leute ärgern sich zunehmend über diese Werbung an fast jedem Kandelaber.» Sie selber verzichtet, wie – ausser Schibler –
alle SVP-Kandidatinnen und -Kandidaten des Bezirks Muri auf Plakatwerbung entlang der Strassen. «Mich kennt man ja schon», sagt Stöckli.

«Wir machen es diesmal etwas

anders als vor vier Jahren», bekräftigt Esther Bachmann, Präsidentin der SVP Bezirk Muri. Sie kandidiert ebenfalls für den Grossen Rat und verzichtet auf Strassenwerbung. Ende September erscheine eine eigene Wahlzeitung der Partei. Ausserdem mache sie etwas mehr Inserate und wolle sich eher mit Stellungnahmen zu aktuellen Fragen positionieren als mit dem Kopf am Strassenrand.

Böses Blut hat es wegen Schiblers Plakat-Aktivismus in der Partei offenbar keines gegeben: «Wir alle sind im Bild und haben uns im Vorfeld abgesprochen. Wenn Wolfgang Schibler Plakate stellt, ist das für uns in Ordnung», erklärt Stöckli. Und wenn Schibler auf Kosten eines bisherigen SVP-Mitgliedes einen Sitz erobern würde? «Das Volk entscheidet, das gilt es zu akzeptieren», betont sie. Jede Wahl berge das Risiko einer Nicht- oder Abwahl. «Wählerinnen und Wähler erkennen jedoch politische Leistungen und würdigen sie.»