Ratgeber Gesundheit
Besser pflanzliche Östrogene?

Ich, 65, nehme seit 20 Jahren die Vaginalcreme Oestro-Gynaedron. Wären pflanzliche Östrogene besser?

Drucken
Teilen
Ratgeber Gesundheit

Ratgeber Gesundheit

Gesundheit Aargau
Dr. med. Katharina Könitzer-Högger Oberärztin mbF, Leiterin Frauenarztpraxis KSA am Bahnhof

Dr. med. Katharina Könitzer-Högger Oberärztin mbF, Leiterin Frauenarztpraxis KSA am Bahnhof

Gesundheit Aargau

Es gibt verschiedene Möglichkeiten von Hormontherapien nach der Menopause, diese werden bezüglich Nutzen, Risiken und Nebenwirkungen individuell beurteilt. Zur Behandlung von Beschwerden im Genitalbereich (z. B. Trockengefühl und Brennen der Vulva und Vagina oder wiederholte Blasenentzündungen) eignen sich fettende, pflanzliche Salben oder Öle für die tägliche Vulvapflege und befeuchtende, pflegende Zäpfchen für die Vagina. Bringen diese Massnahmen nicht ausreichend Linderung, können zusätzlich östrogenhaltige Vaginalcremen oder Zäpfchen ein- bis zweimal wöchentlich angewendet werden. Wir sprechen in diesem Falle von einer lokalen Hormontherapie. Dabei wird praktisch kein Östrogen ins Blut aufgenommen, Nebenwirkungen sind nicht zu erwarten. Somit gibt es bei dieser Therapie auch kein erhöhtes Krebs- oder Thromboserisiko. Trotzdem wird sicherheitshalber bei Frauen, die früher an einem hormonaktiven Krebs (Brustkrebs oder Gebärmutterschleimhautkrebs) erkrankt sind, eine solche Therapie nicht oder nur sehr zurückhaltend eingesetzt. Bei menopausalen Beschwerden (Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen) werden als erste Massnahme nebst Lifestyle- Empfehlungen (gesunde Ernährung, regelmässige Bewegung, Gewichtsreduktion, Entspannungsübungen) eine Therapie mit Pflanzenpräparaten und auf Wunsch auch komplementäre Therapiemethoden angewendet. Bleiben die Beschwerden und der Leidensdruck trotzdem stark, kann eine Hormontherapie in Tablettenform, als Pflaster oder Gel notwendig sein. Damit behandelt man den ganzen Körper (systemische Hormontherapie), was Nebenwirkungen provozieren kann. Die Risiken müssen individuell abgewogen werden. Gemäss neusten Studiendaten hat sich gezeigt, dass eine menopausennahe Therapie sich auf den Körper (insbesondere auf die Gefässe und Knochen) eher positiv auswirkt. Eine solche Hormontherapie soll möglichst bald nach der letzten Menstruationsblutung gestartet werden. Jährlich wird die Notwendigkeit der Therapie zusammen mit der Gynäkologin evaluiert. Zum Schutz der Gebärmutterschleimhaut muss eine Therapie mit einem kombinierten Präparat gewählt werden. Wir wissen heute, dass je länger eine Hormontherapie durchgeführt wird, das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, leicht ansteigt. Sie verwenden eine lokale Hormontherapie, die bezüglich Krebsrisiko unbedenklich ist und somit bei Bedarf weiter angewendet werden darf. Falls Sie einen pflanzlichen Therapieversuch wünschen, sprechen Sie Ihre Ärztin darauf an.

Aktuelle Nachrichten