Langenthal
Beschwerde gegen Eventhalle hat Erfolg

Die Kantonale Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion stützt die Bedenken einer Nachbarin und heisst ihre Beschwerde gegen die Umnutzung der Langenthaler Tennishalle eine Eventhalle gut.

Urs Byland
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«Ich verstehe den Entscheid nicht. Eine Autoexpo wird ja auch schon seit Jahren in der Halle durchgeführt», sagt Alexandra Stierli, Geschäftsführerin des Parkhotels Langenthal, zum Entscheid. Hanspeter Bärtschi

«Ich verstehe den Entscheid nicht. Eine Autoexpo wird ja auch schon seit Jahren in der Halle durchgeführt», sagt Alexandra Stierli, Geschäftsführerin des Parkhotels Langenthal, zum Entscheid. Hanspeter Bärtschi

Solothurner Zeitung

«Keine befristete Ausnahmebewilligung», sagt der Kanton. Damit heisst die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (BVE) die Beschwerde einer Nachbarin gegen die Umnutzung der Tennishalle in eine Eventhalle für gesellschaftliche und kulturelle Anlässe gut. Adrian Gasser, Eigentümer der Langenthaler Tennishalle, will diese neu ausschliesslich und vermehrt für Events nutzen, ohne das laufende kommunale Planänderungsverfahren abzuwarten. Das Regierungsstatthalteramt Oberaargau erteilte die Bewilligung, befristet bis zum Abschluss des Planänderungsverfahrens.

Eine reine Eventhalle weiche erheblich von der in der Überbauungsordnung definierten Nutzung als Tennishalle ab, begründet die BVE den Entscheid. Die Voraussetzungen für die Erteilung der nötigen Ausnahmebewilligung seien nicht erfüllt. Weiterhin möglich bleibe aber die Durchführung einer beschränkten Anzahl Events mittels Einholen von Einzelbewilligungen.

Nicht klein beigeben

Eine solche muss nun Alexandra Stierli, Geschäftsführerin des Parkhotels, beispielsweise für die bald stattfindende Autoexpo einholen. Sie hatte gestern noch keine Kunde vom Entscheid. «Dieser wurde wahrscheinlich vom Anwalt noch nicht weitergeleitet.» Sie hat nicht mit dem negativen Entscheid gerechnet und will die Begründung genau lesen. «Ziemlich sicher werden wir gegen den Entscheid vorgehen.» Die Beschwerdefrist dauert 30 Tage.

Zur Verfügung gestellt

Auch Besitzer Gasser ist enttäuscht. Nicht nur wegen des abschlägigen Bescheides, auch weil er noch keine Mitteilung vom Kanton erhalten hat. «Zum Inhalt des Entscheides kann ich nicht Stellung nehmen, weil ich ihn schlichtweg noch nicht kenne.» Dass scheinbar andere zuerst informiert werden, ärgert ihn. «Dies erklärt, warum der Kanton Bern wirtschaftlich sehr schlecht dasteht und 900 Millionen Franken Finanzausgleich benötigt. Wir zahlen ja diese Missstände», sagt Unternehmer Gasser, dessen Lorze AG im Kanton Zug beheimatet ist.

Anlagestiftung ist Gewinnerin

Beschwerdeführerin und momentan Gewinnerin der Auseinandersetzung ist die Constivita-Immobilien-Anlagestiftung, die zur Personalvorsorge-Stiftung des Gastrounternehmens SV Group gehört. Die Anlagestiftung hat im Dreilinden an der Weststrasse das an das Hotel angrenzende Grundstück des Tennisclubs erworben.

Dort, wo früher die Tennisbälle flogen, plant die Constivita Mehrfamilienhäuser. Die Grundeigentümerin will spätere Lärmbelästigungen ihrer Mieterschaft durch Veranstaltungen in der Eventhalle verhindern.

Noch nicht alles verloren

Der Entscheid der BVE hat aber keine Auswirkungen auf das laufende Planänderungsverfahren. Mit diesem prüft Langenthal unter anderem, ob eine unbefristete Eventnutzung der Tennishalle sinnvoll ist. Eine allfällige Planänderung wird durch den Stadtrat oder – sofern das fakultative Referendum ergriffen wird – durch die Stimmberechtigten beschlossen. Aktuell wartet die Stadt laut Stadtbaumeister Urs Affolter auf den nächsten Schritt des Gesuchstellers. «Das Änderungsverfahren der Überbauungsordnung Dreilinden nimmt seinen normalen Verlauf, aber im Moment ist dazu
Gesuchssteller Adrian Gasser gefordert.»

Nicht umstritten sind laut Entscheid der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion die Umbauarbeiten am Parkhotel, die mit der gleichen Bewilligung vom Statthalteramt genehmigt wurden.