Rheumatologie
Beschäftigung mit Knochen anstatt Kerosin

Der Langenthaler Arzt Kurt Aeschlimann geht mit 65 Jahren in die Pension. Der 20 Jahre jüngere Julian Cooper übernimmt die Praxis. Aeschlimann blickt auf 26 Jahren Praxistätigkeit zurück.

Hans Mathys
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Zwei Rheumatologen unter sich: Julian Cooper (links) und Kurt Aeschlimann. hml

Zwei Rheumatologen unter sich: Julian Cooper (links) und Kurt Aeschlimann. hml

Solothurner Zeitung

Nach 26-jähriger Praxistätigkeit als Rheumatologe und Internist hat der 65-jährige Arzt Kurt Aeschlimann seine Praxis dem 20 Jahre jüngeren Julian Cooper übergeben. Beide sprechen von einem Glücksfall. Aeschlimann, weil er einen sehr gut ausgebildeten Kollegen als Nachfolger gefunden hat. Der in Olten wohnhafte Cooper, weil er sich so den Traum einer eigenen Praxis erfüllen konnte.

«Als Jugendlicher wollte ich Militärpilot werden», blickt Aeschlimann beinahe ein halbes Jahrhundert zurück. Augenprobleme verunmöglichten diesen Berufswunsch. Statt die Schweiz mit Düsenjets aus der Vogelwarte zu betrachten, wurde aus dem ambitionierten Langenthaler ein Facharzt für Rheumatologie und Innere Medizin mit eigener Praxis.

«In dem Vierteljahrhundert meiner Praxistätigkeit hat sich auf dem Gebiet der Rheumatologie enorm viel getan.» Vielen Patienten habe er in dieser Zeit helfen können, obwohl die Mittel, die er einsetzen konnte, noch nicht so wirkungsvoll waren wie jene der neusten Generation.

Frust für Arzt und Patienten

«Ich habe die Gelenke der von Rheuma Geplagten noch von Hand untersucht, und die Medikamente von damals sind keineswegs mehr vergleichbar mit jenen, die uns heute zur Verfügung stehen», blickt der Vater dreier erwachsener Kinder zurück.

«In letzter Zeit hat es in der Rheumatologie einen wahren Quantensprung gegeben», bringt er es auf den Punkt und erwähnt als Beispiel die heutzutage möglichen Frühdiagnosen. Rheuma sei zwar weiterhin «nicht heilbar, aber gut behandelbar.» Man könne den Patienten inzwischen so helfen, dass es ihnen echt besser gehe, sagt er. «Das war nicht immer so und führte schon hie und da zu Enttäuschungen bei Arzt und Patient.»

Während seiner Praxistätigkeit hat der nun pensionierte Facharzt immer wieder Patienten behandelt, die von ihm Hilfe bei rheumatischen Beschwerden erwarteten, und die von fliessenden, reissenden und ziehenden Schmerzen sprachen, die oft mit funktioneller Einschränkung einhergingen.

«Es gab aber immer auch Patienten, die wegen ihres Berufes oder ihres Hobbys an Beschwerden litten, wie etwa Fabrikarbeiter der ehemaligen Spinnerei Gugelmann in Roggwil. Sie waren für den Spulenwechsel zuständig und machten dabei immer die gleichen Bewegungen. Daneben natürlich Tennisspieler mit so genannten Tennisarmen.»

Examen an der Universität Wien

Beim Stichwort «Tennis» hört Aeschlimanns Nachfolger Julian Cooper besonders gut hin, denn Tennis und Mountainbike gehören zu jenen Sportarten, die der in Australien geborene Facharzt für Rheumatologie in seiner Freizeit ausübt. Das Staatsexamen legte er vor zehn Jahren an der Universität Wien ab.

Seither war er an verschiedenen Spitälern in Basel, Liestal, St. Gallen, Frauenfeld und Schinznach tätig. Zuletzt war Cooper Oberarzt Rheumatologie am Kantonsspital Aarau. «Ich wollte als Kind Musiker werden», blickt er zurück. Er sah sich mit seiner Oboe in einem grossen Orchester spielen. Jetzt will er Rheumapatienten in seiner eigenen Praxis helfen. «Ich fühle mich in Langenthal sehr wohl», lautet sein erstes Fazit – und sein Vorgänger Kurt Aeschlimann ist glücklich, dass die Oberaargauer weiterhin von einem Facharzt für Rheumatologie betreut werden können.

Immer auf dem modernsten Stand

Während Aeschlimann Infusionen im Spital Langenthal durchführen liess, wird Cooper diese in seiner Praxis verabreichen. Auch ein Knochendichte-Messgerät und ein Gerät für Gelenkultraschall-Untersuchungen hat er angeschafft. «Ich will immer auf dem modernsten Stand sein, denn die Behandlungsmöglichkeiten sind zahlreich.»

Enorm wirksam sei, so Cooper, die Therapie mit Biologika – von Patienten vielfach als «Wundermittel» bezeichnet. Biologika ist der Name einer neuen Generation von Medikamenten, die mittels biotechnischer Herstellungsverfahren von lebenden Zellkulturen gewonnen werden. Arzt Julian Cooper legt die Schwerpunkte auf entzündliche Rheumatologie, degenerative Gelenkserkrankungen, Rückenschmerzen, Infusionstherapie (Biologika), Sonografie (Gelenksultraschall) und Dexa (Knochendichtemessung bei der Osteoporose). Es ist einiges neu in seiner Rheumapraxis – «aber die medizinische Praxisassistentin, Ruth Zürcher, bleibt», sagt Cooper und schmunzelt.

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