Grosskredit
Bern hat definitiv ausgedient - Aargau erhält eigene Rechtsmedizin

Aussergwöhnliche Todesfälle, Sexualdelikte oder Kindsmisshandlung, die im Aargau geschehen, sollen nicht mehr in Bern untersucht werden. Das Parlament heisst jährlich wiederkehrend 2,5 Millionen Franken für ein Rechtsmedizinisches Institut gut.

Mathias Küng
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Chefarzt Daniel Eisenhart: «Bereits heute sind die wichtigsten Stellen mit ausgewiesenen Fachleuten besetzt.»

Chefarzt Daniel Eisenhart: «Bereits heute sind die wichtigsten Stellen mit ausgewiesenen Fachleuten besetzt.»

Ab 1. Januar bezieht der Aargau seine rechtsmedizinischen Leistungen nicht mehr in Bern, sondern in Aarau. Am Kantonsspital Aarau (KSA) ist mit Blick darauf ein Institut für Rechtsmedizin (IRM) gegründet worden.

Dieses hat grünes Licht, nachdem der Grosse Rat dem Antrag der Regierung mit 98:34 Stimmen zugestimmt und den Grosskredit dafür von jährlich wiederkehrend 2,5 Millionen Franken gesprochen hat.

Kündigung nach Bern eilte sehr

In der Ratsdebatte wurde die Idee eines eigenen Instituts gut aufgenommen. Weniger erfreut war man ob dem grossen Zeitdruck. Denn der Rat musste gestern entscheiden, wenn er wollte, dass der laufende Vertrag mit Bern zeitgerecht gekündigt werden kann.

Im Rat wurde etwa die Nähe des neuen Instituts positiv hervorgehoben. Indessen wurde diskutiert, ob die Vergabe dieses Auftrags in einem Submissionsverfahren hätte ausgeschrieben werden müssen. Pascal Furer (SVP/Staufen) war dezidiert dieser Meinung und verlangte dies namens der SVP. Tue man es nicht, riskiere man eine zeitraubende Beschwerde.

Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann verwies auf verschiedene Rechtsprechungen. Der Regierungsrat sei zum Schluss gekommen, entsprechend den Gepflogenheiten der anderen Kantone von einer Ausschreibung Abstand zu nehmen. Die SVP unterlag mit dem Submissionsantrag mit 54:79 Stimmen. In der Schlussabstimmung wurde das Geschäft mit 98:34 überwiesen.

Freude im neuen Institut

Spitzenvertreter des KSA und seines neuen Instituts verfolgten die Debatte auf der Tribüne. Sie freuen sich natürlich sehr über den Entscheid. Andreas Huber, Präsident der Ärztekonferenz am KSA: «Mit dem Bekenntnis zum Standort Aarau kann die Stellung des Zentrumsspitals weiter gestärkt und ausgebaut werden.»

Und für den aus St. Gallen geholten Institutsleiter und Chefarzt Daniel Eisenhart ist jetzt klar, «dass wir die Arbeit in allen vier Abteilungen am 1. Januar vollumfänglich aufnehmen können».

Er baut laut Mitteilung des KSA seit einem Jahr mit einem 13-köpfigen Team ein topmodernes Institut auf. Sämtliche formalen Voraussetzungen zur Durchführung entsprechender Untersuchungen seien inzwischen erfüllt, so das KSA.

Die Dienstleistungen will das neue Institut nicht nur den Behörden, sondern auch den Ärzten des KSA und niedergelassenen Kollegen zur Verfügung stellen. So führe man beispielsweise auch Vaterschaftstests im Privatauftrag durch, wenn die Voraussetzungen dafür erfüllt sind.

Wozu die Rechtsmedizin dient

Gerichte, Strafverfolgungsbehörden, Polizei usw. sind in ihrer Arbeit auf die Rechtsmedizin angewiesen. Diese kommt zum Zug bei aussergewöhnlichen Todesfällen, Sexualdelikten, Kindesmisshandlung, Verletzungsbegutachtungen. Derzeit bestehen in der Schweiz fünf Institute für Rechtsmedizin. Sie sind in Basel, Bern, Genf/Lausanne, St. Gallen und Zürich. Graubünden, Neuenburg, Tessin und Zug haben eigene rechtsmedizinische Einrichtungen. Der Aargau bezieht seine Leistungen seit 1995 und noch bis Ende 2013 in Bern.