Uerkheim
Beliebte Milch, verschmähtes Fleisch: Ein Ziegenhalter macht es anders

Trotz geringer Nachfrage setzt Ziegenhalter Georg Dällenbach auf den Verkauf von Fleisch seiner Tiere. Warum er nicht in den Milchhandel investiert:

Beat Kirchhofer
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Georg Dällenbach aus Uerkheim setzt auf Muttertierhaltung.

Georg Dällenbach aus Uerkheim setzt auf Muttertierhaltung.

Beat Kirchhofer 5333@bluewin.c

Ziegenmilchprodukte liegen im Trend, Ziegenfleisch hingegen weniger. Das stellt die Bauern vor Probleme: Was machen mit den Jungtieren? Fakt ist: ohne Geburt, keine Milch. Damit diese fliesst, müssen Ziegen regelmässig Zicklein gebären. Oft sind es gleich zwei oder gar drei, die pro Wurf auf die Welt kommen.

«Carne di Capra» ist südlich der Alpen eine Delikatesse. Bei uns wird Ziegenfleisch – sieht man vom Gitzi zu Ostern ab – verschmäht. Laut Angaben des Landwirtschaftlichen Informationsdienstes belief sich der Pro-Kopf-Konsum im letzten Jahr auf nur 70 Gramm. Zum Vergleich: Gesamthaft wurden 51 Kilogramm Fleisch pro Kopf gegessen. Sieht man von der vorösterlichen Saison ab, bekommt ein Ziegenhalter lediglich 50 Franken pro Gitzi – ein Verlustgeschäft.

Georg Dällenbach aus Uerkheim ist Ziegenhalter. Er und seine Familie bewirtschaften einen Hof, dessen Haus von 1865 stammt. «Bis auf den Gemüse- und Beerengarten ist die Betriebsfläche von 11 Hektaren Grasland», sagt der promovierte Agronomie-Ingenieur ETH. «Wir wirtschaften nach den Richtlinien von Bio Suisse und Demeter.»

Milch bringen die Dällenbachs keine in den Handel. Sie setzen bewusst auf Muttertierhaltung – bei Kühen und Ziegen. Mit anderen Worten: Dällenbachs sind Fleischproduzenten.

Ein Idealist

Dällenbach ist Idealist, aber auch kühler Rechner. In eine Ziegenmilchproduktion für einen Grossabnehmer wie Emmi zu investieren, hält er für riskant. Erstens müsse man erst den Umgang mit Geissen lernen und Geld für eine artgerechte Haltung in die Hand nehmen. Zweitens gibt es in der EU genügend Geissenkäse und Ziegenmilch. Wie lange der Konsument und damit die Molkereien und Grossverteiler bereit sind, einen «Swissnesszuschlag» unter dem Motto «Produkt vom Bauernhof nebenan» zu berappen, ist fraglich.

Er setzt da lieber auf Direktvermarktung und den persönlichen Kontakt mit Kundinnen und Kunden. So ist er mit seinen Produkten regelmässig auf Wochenmärkten – wie jenem in Lenzburg – anzutreffen. Aufklärung und Werbung ist da für ihn ein wichtiges Thema.

Grasen im Naturschutzgebiet

So erfährt man, dass seine Geissen vom Frühling bis zum Spätherbst in Naturschutzgebieten, meist ehemaligen Kiesgruben, weiden. «Sie verhindern dort, indem sie Brombeertriebe und Rinden von Bäumen und Sträuchern fressen, die Verbuschung der Flächen – sorgen dafür, dass lichtbedürftige Reptilien und Amphibien nicht wieder abwandern.» Diese Art der Bewirtschaftung ist für die Standortgemeinden der Naturschutzgebiete deutlich günstiger, als wenn deren Forstwarte die Vegetation kurzhalten müssen.

Geschlachtet werden Dällenbachs Gitzi nicht als sechs bis acht Wochen alte Tiere zu Ostern, sondern erst im Spätherbst. Dällenbach schwärmt: «Das feinfaserige Geissenfleisch ist ausserordentlich zart.» Böckeln? «Kaufen Sie bei mir in Uerkheim ein kleines Stück und lassen sie sich vom Gegenteil überzeugen» – wie das viele Kundinnen und Kunden dank seiner Aufklärungsarbeit getan haben.