Verwaltung
Beim Staat arbeiten deutlich weniger Ausländer als anderswo

Ausländische Arbeitnehmer sind beim Kanton zum Teil massiv untervertreten, wie neuste Zahlen belegen. Von den 29033 gezählten Angestellten der Verwaltung besitzen gerade mal etwas mehr als 2500 keinen Schweizer Pass.

Michael Rüegg
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Schweizer Pass: Wer ihn nicht besitzt, hat weniger gute Chencen, beim Staat zu arbeiten (Symbolbild)

Schweizer Pass: Wer ihn nicht besitzt, hat weniger gute Chencen, beim Staat zu arbeiten (Symbolbild)

Keystone

Kein grosser Arbeitgeber im Kanton Zürich beschäftigt so wenige Ausländer wie die Kantonale Verwaltung. Dies geht aus Zahlen hervor, die der Regierungsrat auf eine kantonsrätliche Anfrage veröffentlichte. Urheberin des Vorstosses ist SVP-Kantonsrätin Barbara Steinemann – inspiriert von einer gleichlautenden Anfrage, die ein Basler Parteikollege drei Wochen zuvor im dortigen Grossrat eingereicht hatte.

Von den 29033 gezählten Angestellten der Verwaltung besitzen gerade mal 2309 die Staatsbürgerschaft eines EU- oder Efta-Landes, 262 diejenige eines Drittstaates. Das sind weniger als 10 Prozent der Belegschaft. Zum Vergleich: Von den total 756000 Erwerbstätigen im Kanton Zürich haben 196000 keinen Schweizer Pass, was fast 26 Prozent entspricht, wie aus dem Statistischen Jahrbuch des Kantons Zürich hervorgeht. Höher sind die Anteile hingegen bei den separat aufgeführten Spitälern und Hochschulen.

Schweizer Pass ein Muss

In einzelnen Direktionen ist der Anteil ausländischer Arbeitskräfte besonders tief. So besitzen in der Finanzdirektion gerade mal 43 Angestellte keinen Schweizer Pass, was rund 4,2 Prozent beträgt. In der Direktion der Justiz und des Innern sind es 6,2 Prozent – was sich bei beiden zumindest teilweise dadurch erklären lässt, dass Staatsanwälte und Steuerkommissäre hoheitliche Funktionen haben und deshalb für diese Stellen nur Schweizer Bürger infrage kommen.

Roger Keller, Sprecher der für Personalfragen zuständigen Finanzdirektion, relativiert die Zahlen: «Der Kanton hat einen recht hohen Anteil an Juristen. Wer Schweizer Recht anwendet, braucht eine entsprechende Ausbildung. Für ausländische Juristen ist das eine hohe Hürde.» Genauso schwer haben es laut Keller häufig Lehrerpersonen, hier spielen die Sprache und die Anerkennung ausländischer Schulabschlüsse eine Rolle. Doch auch beim Kanton spürt man die Auswirkungen der Personenfreizügigkeit, wie Keller sagt: «Noch vor zehn oder zwanzig Jahren waren Ausländer überhaupt nicht vertreten, heute werden sie zunehmend angestellt.»

Doch selbst wenn man im Kopf die Juristen von der Gesamtzahl der Angestellten subtrahiert, bleibt der Anteil ausländischer Arbeitskräfte noch immer zu tief, wie die Kantonale Integrationsbeauftragte, Julia Morais, bestätigt: «Die Gesellschaft sollte in der Verwaltung besser widerspiegelt werden.» Sie ist der Meinung, dass vor allem auch Gemeinden vermehrt Migranten anstellen sollten, vor allem für den Schalterdienst. «Man sollte das Potenzial von Migranten erkennen und nutzen», so Morais.

Bloss 4,1 Prozent ausländische Mitarbeiter beschäftigt die Sicherheitsdirektion, was vor allem daran liegt, dass man nur mit rotem Pass Polizist werden darf.

«Wieso mehr Ausländer?»

Barbara Steinemann, die im Kantonsrat die Anfrage einreichte, findet nicht, dass der Kanton mehr ausländische Angestellte braucht: «Wieso sollte der Staat dasselbe machen wie die Privatwirtschaft?» Laut Steinemann bestehe die Tendenz, dass man «immer mehr Ausländer einstelle, um Ausländer zu betreuen», Schweizer sieht sie nur noch als Steuerzahler involviert.

Lucia Tozzi, Präsidentin von Secondas-Plus Zürich fordert hingegen tiefere Hürden beim Bürgerrecht: «Ausländische Staatsangehörige, die hier geboren sind und die Schule besucht haben, sollten automatisch eingebürgert werden.» Diese Leute seien eigentlich Schweizer, als Ausländer tauchten sie bloss in Statistiken auf.

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