Lotzwil
Bei Jorns AG droht Massenentlassung

9 Angestellten der Maschinenfabrik wurde soeben gekündigt, 25 weiteren wohl Ende Monat. Grund für den Aderlass: Dem Unternehmen aus Lotzwil fehlen die Aufträge. Wer gehenmuss, ist noch offen.

Anne-Regula Keller
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Jorns AG in Lotzwil

Jorns AG in Lotzwil

az Langenthaler Tagblatt

«Eineinhalb Jahre lang haben wir versucht, alle Leute zu behalten», sagt Marc Jorns, der die Maschinenfabrik Jorns AG an der Kirchgasse 12 in Lotzwil 2005 von seinem Vater übernommen hat. Sie stellt Abkantmaschinen, Kompaktspaltanlagen bis hin zu voll automatisierten CNC-Biegesystemen her. «Dass dies nicht mehr lange möglich sein könnte, haben die 88 Mitarbeitenden - dazu * Lehrlinge, die aber bleiben können - bestimmt gesehen. Seit April 2009 hatten wir Kurzarbeit mit einer Pause über diesen Sommer. Ende Oktober beginnt sie wieder. Alle wissen, dass wir in letzter Zeit in einem Monat noch so viele Aufträge hatten wie vorher in einer Woche.»
Eigentlich hatte Jorns gehofft, an Messen doch wieder Aufträge hereinzuholen. «Doch seit der Dollar unter Fr. 1.10 und der Euro unter Fr. 1.40 ist, haben wir trotz fast auf die Hälfte gekürzter Marche keine Maschine mehr verkauft.»

Dramatisch schlechtere Auftragslage
Ende September haben darum neun Mitarbeiter die Kündigung erhalten. Und gestern nach der Mittagspause erfuhren die Angestellten von der Geschäftsleitung, die Auftragslage habe sich so dramatisch verschlechtert, dass auf Ende Oktober ein Abbau von 25 der übrig gebliebenen 79 Stellen vorgesehen sei. Dies teilte die Firma gestern mit. Das gelte als Massenentlassung. Für diese Situation sei ein Konsultationsverfahren vorgeschrieben. Innert zehn Tagen können die Angestellten Vorschläge machen, wie Arbeitsplätze erhalten werden könnten. Erst danach, ab 15. Oktober dürfen überhaupt Entlassungen ausgesprochen werden.
Noch sei nicht klar, wer über die Klinge springen müsse, sagt Jorns. Vorgesehen seien Entlassungen querbeet durch alle zehn Teams in fünf Abteilungen. «Unsere Schwenkbiegeanlagen sind Nischenprodukte und erfordern gewisse Spezialkenntnisse. Darum haben wir vor allem Mechaniker und Techniker, aber kaum ungelernte Arbeiter. Der Know-how-Verlust wird uns sehr zu schaffen machen. Dieses Risiko geht man nicht leichtfertig und freiwillig ein», gibt Jorns zu bedenken. «Es geht jetzt einfach nicht mehr anders. Wenn der Produktionsdruck nachlässt - speziell bei Kurzarbeit - brauchen die Angestellten länger für die Arbeit. Das ist natürlich, aber mit dem Auftragsverlust bei verkleinerter Marche fehlt uns der Schnauf, alle durchzuziehen.»

Vorgehen der Jorns ist korrekt

«Obwohl dies in der Schweiz völlig freiwillig ist, haben wir mit dem RAV einen Sozialplan erstellt», betont Jorns. «Da werden auch die bereits Entlassenen einbezogen.» Der Arbeitsmarktberater der Regionalen Arbeitsvermittlung RAV-Region Oberaargau informierte am Infoanlass über den Sozialplan und die Möglichkeiten im Konsultationsverfahren. «Oft zeigt dieser Dialog zwischen Firma und Angestellten tatsächlich neue Möglichkeiten auf oder erlaubt eine befriedigende Ausgestaltung des Sozialplans», erklärt Anton Bolliger, Fachbereichsleiter Arbeitsmarkt im Berner Wirtschaftsamt BECO: «Ich beurteile das Vorgehen der Jorns AG als korrekt. Wer entlassen wird, bekommt schon während der Kündigungsfrist Unterstützung, sodass 30 bis 50 Prozent wohl gar nie arbeitslos werden.»