SC Langenthal
Bei Jeff Campbell ist alles «sehr guet»

Der Topskorer des SC Langenthal, Jeff Campbell, konnte gestern das Spital an Krücken verlassen.

Michael Schenk
Drucken
Teilen
Direkt aus dem Spital. Topscorer Jeff Campbell nimmt trotz Verletzung an der Meisterfeier teil. Hanspeter Bärtschi

Direkt aus dem Spital. Topscorer Jeff Campbell nimmt trotz Verletzung an der Meisterfeier teil. Hanspeter Bärtschi

Es werde für ihn sicher schwerer zuzuschauen, als selber mitzumachen, blickt SCL-Topskorer Jeff Campbell der anstehenden Ligaqualifikation gegen Ambri entgegen. Nichtsdestotrotz ist dem 30-jährigen Kanadier das Lachen nicht vergangen.

Er war der Motor der glanzvollsten NLB-Sturmformation dieser Saison. Mit 30 Toren und 38 Assists war er nach 45 Qualifikationsrunden nicht nur Topskorer des SC Langenthal, sondern der gesamten Liga. In den 17 Playoff-Spielen kamen weitere 14 Punkte (8/6) hinzu. Und: Er erzielte im entscheidenden Spiel 6 der Finalserie in der proppenvollen Schorenhalle nach gut 9 Minuten das 1:0. Den so eminent wichtigen Führungstreffer also, der dem SC Langenthal in der Folge den Weg zum verblüffenden NLB-Meistertitel ebnete.

40 Sekunden vor dem triumphalsten Sieg in der 66-jährigen SCL-Geschichte ging die Saison für Jeff Campbell abrupt zu Ende. Nach einem Check von Josh Primeau brach sich der 30-jährige Kanadier aus der Bohnenmetropole Hensall in der Provinz Ontario das Wadenbein und verletzte sich an den Bändern. «Es war kein dreckiger Check, insofern bin ich ihm nicht böse. Es war Pech. Solche Szene gibt es», sagt Campbell. Glück und Pech lägen im Eishockey oft nahe beieinander. In der Tat: Exemplarischer geht es kaum: Sekunden nach dem schmerzhaften Crash brach in der Schorenhalle die wohl wuchtigste Jubel-Trubel-Heiterkeit-Periode aller Zeiten aus. Minuten der Freude, die Campbells Schmerz in dem Moment knickten.

Bis gestern lag der Kanadier im Spital. Dies, nachdem am Mittwochnachmittag das kaputte Wadenbein mit Schrauben fixiert wurde. «Ich habe sehr viele E-Mails, SMS und Besuche von Freunden, Bekannten und Leuten aus dem Umfeld des SCL erhalten. Der grosse Zuspruch tut gut. Es war sehr emotional», hält Campbell fest. Primeau selber hat sich nicht persönlich bei ihm gemeldet. «Das stört mich aber auch nicht.» Schmerzen hat der Goalgetter keine mehr und mit Krücken und Schiene ist er einigermassen mobil. «Ja, das geht ganz gut», sagt er. Und er sei froh darüber, «so kommt man unter die Leute.» Dass Campbell sein Team nun in der am Dienstag beginnenden Liga-Qualifikation gegen Ambri nicht in Vollmontur unterstützten kann, nimmt er so professionell hin, wie er professionell spielt: «Ich werde dabei sein und meine Teamkollegen von der Bande aus supporten. Auch wenn es schwer wird, nur zuzuschauen. Aber ich bin überzeugt, dass das Team einen tollen Job abliefern wird. Es ist ein Highlight für jeden», blickt der Goldhelm der Serie gegen den NLA-Vertreter entgegen. Am Glanz dieser Saison gebührt Campbell, der im Paradesturm von Yanick Bodemann ersetzt wird, sowieso ein mächtiger Anteil.

Der leidenschaftliche Golfer mit Single-Handicap wird in nächster Zeit relativ viel Freizeit haben. Wann er das Training wieder aufnehmen kann, ist noch offen. «Ein paar Monate wird es wohl dauern», sagt Campbell. Blöd nur, dass den Aerosmith-Fan die Verletzung auch daran hindert, sich der Golfweltelite noch weiter zu nähern; selbst wenn er auf den 18 Grüns keine Profikarriere mehr anstrebt: «Nein, nicht wirklich», lacht er. Also werde er wohl viel Lesen, viele Filme schauen und gamen. Dass er das Lachen keineswegs verlernt hat,
bewies der SCL-Starstürmer gestern auch an der Meisterfeier auf dem Wuhrplatz. Jede Frage, die Campbell in Englisch gestellt bekam, beantwortete er in perfektem Schweizerdeutsch – freilich jede mit den gleichen zwei Wörtern: «Sehr guet.»

Aktuelle Nachrichten