Rentables Geschäft
Bei den EM-Fanartikeln ist die Schweiz nicht überall Spitzenreiter

Auch wenn die Schweizer fleissig Fanartikel kaufen, auch andere Nationen sind sehr beliebt. Die grosse Überraschung: auch Fanartikel von Island sind sehr gefragt.

Nadia Chamakhe
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So ausgerüstet unterstützen die Fans die Schweizer Nati.

So ausgerüstet unterstützen die Fans die Schweizer Nati.

KEYSTONE

Die Fussball-EM ist in vollem Gange und die Schweizer Nationalelf tritt heute im Achtelfinal gegen Polen an. Da fiebern richtige Fussball-Fans natürlich mit. Um sich zu ihrem Favoriten zu bekennen, schwingen sie dessen Landesfahne oder tragen Mütze, T-Shirt und Schal ihrer Lieblingsmannschaft.

Doch wer versorgt die Sportbegeisterten während der EM mit der entsprechenden Ausstattung? Die beiden Grossverteiler Coop oder Migros bieten während des Turniers verschiedenste Fanartikel an. Zusätzlich verkauft die Biberister Keller Fahnen AG unterschiedlichste Flaggen; ebenso die Feldbrunner Letsprofit AG, Dachfirma des Internetportals fahnenwelt.ch.

EM-Fieber gleich Kauf-Fieber?

Coop verkauft Fanartikel nur während Grossanlässen wie der EM und WM. Dieses Geschäft scheint gut zu laufen. «EM-Fanartikel sind sehr gefragt und die Abverkäufe liegen aktuell über den WM-Zahlen aus dem Jahr 2014», sagt Coop-Sprecher Ramón Gander. Am beliebtesten seien Fan-Mützen, Sonnenbrillen und Armbänder. Auch der Sportxx der Migros verkauft während der Europameisterschaft Accessoires wie Schals und Sonnenbrillen. Die Replika-Fan-Trikots der jeweiligen Länder würden sich dabei am besten verkaufen. Sie werden das ganze Jahr über verkauft, erklärt Reto Wüthrich, Leiter Kommunikation der Migros Aare. Das EM-Fieber mache sich in den Verkaufszahlen durchaus bemerkbar: «Das Bedürfnis, sich mit ‹seiner› Mannschaft während eines Grossanlasses zu identifizieren, beeinflusst den Umsatz positiv.» Bei den bis vor kurzem regnerischen Tagen mit ungewöhnlich tiefen Temperaturen komme der EM-Hype durchaus gelegen.

Entscheidend ist, wer spielt

Das Internetportal fahnenwelt.ch hingegen setzt in erster Linie auf Fahnen. Ausser den länderspezifischen Fahnenketten sind die anderen Fahnen (normale Fahnen, Deko-Fahnen, usw.) immer erhältlich. Auf die Frage, ob sich das EM-Fieber im Umsatz niederschlage, antwortet Geschäftsführer Roger Howald: «An der EM verkaufen wir zwar viele Artikel, aber während der WM ist die Nachfrage nach unseren Produkten jeweils am stärksten – wenn denn die Schweiz mitspielt.» Während anderen Meisterschaften, etwa beim Eishockey, würden aber weit weniger Produkte verkauft.

Auch die Firma Keller ist auf Fahnen spezialisiert. Länderfahnen und Deko-Fahnen seien während der EM am gefragtesten. Marketing- und Verkaufsleiter Andrea Andreotti sagt, dass es bei den Verkäufen der Fahnen keine markanten Unterschiede gegeben habe: «Das EM-Fieber hat sich bei den Fahnen nicht signifikant bemerkbar gemacht. Einzig bei Möbeln und Dekoartikeln war die Nachfrage merklich grösser als sonst, da Gartenpartys während der EM hoch im Kurs sind.»

Albanien führt bei Autofahnen

Neben den EM-Fanartikeln in den SportXX-Läden verkauft Migros in den Fachmärkten und Supermärkten auch Autofahnen. Bei deren Absatz liege übrigens Albanien ganz vorne. Bei den Replika-Shirts hingegen liege die Schweiz klar an der Spitze. Dasselbe gilt auch bei fahnenwelt.ch, allerdings dicht gefolgt von Albanien und dem EM-Neuling Island, der sich unerwarteter Beliebtheit erfreut: «Durch das ausgeweitete Teilnehmerfeld bekamen wir von unseren Kunden auch bisher unübliche Anfragen. Dieses Jahr verlangten insbesondere Restaurants nach der Landesflagge von Island. Wir mussten sogar nachrüsten», sagt Geschäftsführer Howald.

Die Keller Fahnen AG stellte ebenfalls fest, dass dieses Jahr – wider Erwarten – mehr Island-Fahnen verkauft wurden. Bei Coop hingegen heisst es: «Wir können keine Angaben zur Beliebtheit der Nationalitäten machen, da dieselben Produkte mit unterschiedlichen Länder-Sujet über die gleiche Artikelnummer geführt werden. Eine Auswertung ist daher nicht möglich.»