Ratgeber Gesundheit
Bei Bissverletzungen Arzt konsultieren

Beim Spielen hat mich meine Katze in den Daumen gebissen. Es hat nur wenige Tropfen geblutet. Muss ich zum Arzt? Frau A. M. aus M.

Dr. med. Christoph Andreas Fux
Dr. med. Christoph Andreas Fux
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Gesundheit Aargau

Bissverletzungen können zu schwerwiegenden Gewebeverletzungen führen, die offensichtlich ärztlich versorgt werden müssen. Schwieriger ist die Beurteilung von scheinbar oberflächlichen Läsionen, so wie hier beschrieben. Denn auch bei kleinen Verletzungen können Bakterien ins Gewebe des Gebissenen gelangen und dort eine Infektion bewirken.

Obwohl Hundebisse weitaus am häufigsten sind, sehen wir Komplikationen insbesondere bei Katzen. Ihre Fangzähne sind nämlich so lang, scharf und schmal, dass auch bei unscheinbaren Hautverletzungen Bakterien tief ins Gewebe gelangen können. Landen Bakterien so in einem Gelenk, einer Sehnenscheide oder auf Knorpelgewebe (z. B. an Ohr oder Nase), kann unser Immunsystem nicht schnell genug reagieren und es kommt zu einer Infektion. Gelenke, Sehnen und Knorpel liegen an Händen, Füssen und im Gesicht nur von wenig Fettgewebe geschützt nahe unter der Haut. Deshalb sind Bisse an diesen Stellen besonders riskant, während Bisse in Wade, Oberschenkel, Unter- und Oberarm seltener zu Infektionen führen. Bemerkt man am nächsten Tag im Bereich der Bissverletzung Schmerzen, Schwellung und Rötung, ist es meist zu spät für eine Antibiotika-Therapie mit Tabletten. Dann braucht es Antibiotika-Infusionen und häufig eine operative Sanierung, bei der Gelenke und Sehnenscheiden eröffnet und der Eiter rausgespült werden müssen.

Bei allen Katzenbiss-Verletzungen an Händen, Füssen oder im Gesicht ist also eine notfallmässige Arztkonsultation angezeigt. Dabei wird die Wunde gereinigt, der betroffene Körperteil ruhiggestellt und hochgelagert sowie eine vorsorgliche, sogenannt «präemptive» Antibiotika-Therapie für fünf Tage begonnen; falls nötig, wird zudem die Starrkrampf-Impfung wiederholt. Bei Menschen mit einer Immunschwäche können Bissverletzungen ohne Antibiotika zu einer schweren Blutvergiftung führen. Die Nachkontrolle sollte dabei bereits nach einem Tag erfolgen, denn trotz Antibiotika ist manchmal eine Operation notwendig.

Die Mundflora des Menschen kann übrigens auch zu relevanten Infektionen führen. Dies geschieht am häufigsten nach Schlägereien, bei denen es zu Verletzungen im Bereich der Fingergelenke des Schlägers durch die Zähne des Opfers kommt, wobei Bakterien in eröffnete Gelenkkapseln oder Sehnenscheiden gelangen. Auch hier gilt: direkt zum Arzt.

Quelle: Gesundheit Aargau

Letztes Update: 22.02.2017, 09:11 Uhr

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