Limmattalbahn
Baustart soll im Herbst erfolgen - unter Führung eines neuen Verwaltungsrates

Nach den Sommerferien soll die Baubewilligung durch den Bund vorliegen.

Sandro Zimmerli
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Momentan in Planung: Die Limmattalbahn.

Momentan in Planung: Die Limmattalbahn.

Tina Sturzenegger

Noch sind nicht alle Einsprachen behandelt. Dennoch zeigen sich die Verantwortlichen zuversichtlich, dass im Herbst 2017 mit dem Bau der ersten Etappe der Limmattalbahn begonnen werden kann. «Unser Ziel ist es, dass wir diesen Herbst die Baubewilligung vom Bundesamt für Verkehr erhalten», sagte Daniel Issler, Gesamtprojektleiter der Limmattalbahn, gestern vor den Medien.

Insgesamt sind 229 Einsprachen gegen das Projekt und 8 gegen den Depotstandort im Gebiet Müsli eingegangen. «Bei knapp einem Viertel der Einsprachen konnten wir keine Einigung erzielen. Sie liegen nun beim Bundesamt für Verkehr», so Issler. In diesen Fällen sei nach dem Entscheid des Bundesamtes ein Weiterzug bis vor Bundesgericht möglich. Allerdings, so Issler, betreffe ein Grossteil dieser Einsprachen das Schlieremer Spitalquartier und somit die zweite Bauetappe, die zwischen 2019 und 2022 geplant ist. «Das entschärft die Situation etwas», hielt er fest. Bei den anderen Einsprachen habe man eine Einigung erzielt oder sei auf dem Weg dazu. Für die Realisierung der ersten Bauetappe, in der die VBZ-Tramlinie 2 von Zürich Farbhof bis nach Schlieren Geissweid verlängert wird, ist bereits einiges vorgespurt. So konnte die Limmattalbahn AG die Unternehmer-Aufträge für den Gleisoberbau, die Fahrleitung, die Haltestelleninfrastruktur und die Energieversorgung vergeben.

Hans Egloff neu im Verwaltungsrat

Zudem hat sich der Verwaltungsrat neu aufgestellt. Nicht mehr dabei sind der bisherige Verwaltungsratspräsident Andreas Flury, Otto Müller, Dietiker Stadtpräsident und Präsident der Zürcher Planungsgruppe Limmattal, sowie Peter G. Schütz, der den Kanton Aargau vertrat. Müller wolle sich künftig voll als Stadtpräsident ins Projekt einbringen, so Flury. Neuer Verwaltungsratspräsident ist der Aescher Nationalrat Hans Egloff (SVP). Weiterhin mit dabei ist Franz Kagerbauer, Direktor des Zürcher Verkehrsverbunds. Er und Egloff vertreten zusammen mit dem neu gewählten Roland Kobel, ehemaliger Gesamtprojektleiter der Durchmesserlinie, den Kanton Zürich. Neuer Vertreter des Aargaus im Verwaltungsrat ist der stellvertretende Kantonsingenieur Matthias Adelsbach.

Der neue Verwaltungsrat (v.l.): Roland Kobel, Franz Kagerbauer, Hans Egloff und Matthias Adelsbach.

Der neue Verwaltungsrat (v.l.): Roland Kobel, Franz Kagerbauer, Hans Egloff und Matthias Adelsbach.

ho

Er freue sich auf die neue Herausforderung, sagte Egloff. «Das Gelingen der Limmattalbahn liegt mir am Herzen.» Wichtig sei ihm eine aktive Kommunikation mit den Direktbetroffenen, sagte Egloff auch mit Blick auf die vielen Skeptiker und Gegner des Projektes. Denn am 22. November letzten Jahres genehmigten zwar 64,5 Prozent der Stimmberechtigten im Kanton Zürich den Bau der Bahn. Im Bezirk Dietikon jedoch lehnten 54 Prozent einen Kantonsbeitrag an das Bauvorhaben in Höhe von 510,3 Millionen Franken und für Strassenprojekte in Höhe von 136,3 Millionen Franken ab. Im Kanton Aargau hatte der Grosse Rat bereits im Mai 2015 einen Kredit von knapp 180 Millionen Franken gutgeheissen. Der Bund hat die Übernahme von 35 Prozent der Kosten in Aussicht gestellt. Allerdings ist der Beitrag für die 2. Etappe noch nicht gesichert. Was geschehen werde, wenn im Juni die Milchkuh-Initiative angenommen würde, könne heute niemand sagen, erklärte Flury (die Limmattaler Zeitung berichtete). Gleiches gelte für den Fall eines Scheiterns des Agglomerationsverkehrsfonds. Egloff zeigte sich jedoch zuversichtlich: «Die Limmattalbahn hat mit Verkehrsministerin Doris Leuthard eine gute Gotte.»

Entscheidend, so Egloff, sei auch eine gute Abstimmung der Strassenprojekte mit dem Bau der Bahn. Issler erklärte zudem, dass es den Verantwortlichen ein Anliegen sei, die Auswirkungen der Bauarbeiten auf Anwohner und Gewerbe möglichst gering zu halten. So werde während der ersten Bauetappe eine Fahrspur pro Richtung immer offen bleiben, und auch die Zugänge zu den Liegenschaften seien gewährleistet. Bereits am 24. Mai findet in Schlieren eine Informationsveranstaltung statt, an der auch die Baudirektion über ihre geplanten Projekte am Strassennetz orientiert. Zudem wird auf dem Schlieremer Stadtplatz ein Info-Pavillon erstellt.

Die Hauptarbeiten der ersten Etappe finden 2018 und 2019 statt. Grossbaustellen werden der Schlieremer Stadtplatz und der Farbhof sein. Unter anderem werden dann Ersatzbusse für die Buslinie 31 und die Tramlinie 2 zum Einsatz kommen. Ab 2019 soll die Verbindung ihren Betrieb aufnehmen. Im selben Jahr ist der Baustart für die zweite Etappe vorgesehen. Ziel ist, dass die Limmattalbahn 2022 ihren Betrieb vollständig aufnimmt. Sie soll dann vorerst in einem 15-Minuten-Takt zwischen dem Bahnhof Altstetten und Killwangen-Spreitenbach verkehren. Vor den Sommerferien 2016 fällt der Entscheid, wer die Bahn betreiben wird.

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