Ernte
Bauern müssen ihr Getreide dem Vieh verfüttern

Weizen und Dinkel haben unter dem regnerischen Sommer gelitten. Ein Grossteil kann daher nicht als Brotgetreide verkauft werden. Ideal war das Wetter 2014 hingegen für Obst und Raps.

Anina Gepp
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Brotgetreide kann nicht verkauft werden und wird daher an das Vieh verfüttert (Themenbild).

Brotgetreide kann nicht verkauft werden und wird daher an das Vieh verfüttert (Themenbild).

Keystone

Gute Ernten sorgen im Jahr 2014 dafür, dass Bauern in der Schweiz im Schnitt 12,2 Prozent mehr Einkommen verzeichnen als im Vorjahr. Das besagen die vorläufigen Schätzungen des Bundesamts für Statistik. Besonders stark legt der Ackerbau zu. Unter dem Strich dürfte die Produktion von Getreide, Kartoffeln, Zuckerrüben, Raps und Sonnenblumen dieses Jahr um über neun Prozent ansteigen. Auch zulegen können die Obst- und Gemüsebauern. Obst gedeiht dieses Jahr sehr gut. Positiv entwickelt sich auch das Geschäft mit der Milch- und Rindviehproduktion.

Obwohl der Dietiker Bauer Kurt Bräm ebenfalls Obst anbaut, gehört er nicht zu den Bauern, die vom Jahr 2014 profitieren konnten. «Durch den starken Hagel im Juni hat unser Obst viel Schaden genommen», sagt er. Das Unwetter habe den Hof kurz vor der Kirschenernte erreicht.

Zurzeit ist Bräm damit beschäftigt, die Äpfel auszulesen. Die Netze, die über seine Bäume gespannt waren, sind aufgrund des Hagels im Sommer fast alle gerissen. Viele Äpfel wurden beschädigt. «Diese Früchte können wir nur noch für Süssmost verwenden.»

Neben dem geringeren Obstertrag hat auch der Weizen und Dinkel unter den Wetterbedingungen gelitten. «Durch den regnerischen Sommer hat das Getreide zu viel Wasser bekommen. Wir können deshalb einen Grossteil nicht mehr als Brotgetreide verwenden, sondern nur noch als Futter für die Tiere», sagt Bräm. Den Kartoffeln sei es teilweise ebenfalls zu feucht gewesen, weshalb einige faul geworden sind.

30 Prozent der Ernte fallen weg

Bräm lässt den Kopf aber nicht hängen. «Es gibt wieder bessere Jahre. Und schliesslich ist nicht alles kaputt gegangen», sagt er. Der Landwirt schätzt, dass rund 30 Prozent der Ernte wegfallen. Hinzu kommt der Mehraufwand, der durch das Aussortieren der beschädigten Früchte entsteht. «Zum Glück sind wir 14 Tage früher dran mit der Ernte. Das verschafft uns Zeit.»

Bauer Thomas Grob ist mit dem Jahr 2014 mehrheitlich zufrieden. «Für die Kartoffeln und den Raps war es eine gute Saison», sagt der Urdorfer. Nur der Weizen habe gelitten. «Das macht gleich 10 000 Franken des Jahreseinkommens aus», sagt er. Über das Ganze gesehen, sei die Saison daher mit derjenigen des Vorjahres zu vergleichen. «Wir arbeiten nun einmal mit der Natur zusammen und müssen die Bedingungen nehmen, wie sie sind. Bei uns auf dem Hof jammert deswegen aber niemand», sagt er.

Ebenfalls einen geringeren Getreideertrag verzeichnet Biobauer Hanspeter Luginbühl aus Birmensdorf. «Das Getreide musste noch feucht geerntet werden, was zu zusätzlichen Auslagen für die Trocknung führte», sagt er. Es gebe verschiedene Züchtungen von Getreide, die die Feuchtigkeit besser oder weniger gut vertrügen. Luginbühl überlegt sich deshalb, diesen Herbst eine andere Sorte zu sähen, die resistenter gegen den Auswuchs ist. «Man versucht immer auf Umweltbedingungen zu reagieren. Aber was die Natur nächstes Jahr bringt, kann man doch nicht vorhersehen», so der Bauer.

Ideal sei das Wetter 2014 hingegen für das Obst gewesen. «Die Früchte konnten enorm durch den warmen Frühling profitieren.» Generell sei es aber noch zu früh, um Bilanz zu ziehen. «Wie das Jahr wirklich war, zeigt erst die Buchhaltung», so Luginbühl.

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